OT: „The Devil and the Deep Blue Sea“, USA, 2016
Regie: Bill Purple, Drehbuch: Robbie Pickering, Bill Purple, Musik: Justin Timberlake
Darsteller: Jason Sudeikis, Jessica Biel, Maisie Williams

„Rendezvous mit dem Leben“ erscheint am 26. Januar 2018 auf DVD

Henry Herschel (Jason Sudeikis, Colossal, Kill the Boss) ist ein introvertierter Architekt, der seinen Alltag perfekt durchplant und die Karriereleiter nach oben steigen möchte. Seine Ehefrau Penny (Jessica Biel, Total Recall, Das A-Team) ist das absolute Gegenteil. Sie ist Künstlerin, ein Wirbelwind. Sie nimmt das Leben nicht so ernst und hat nur verrückte Dinge im Kopf. Henrys perfekte Welt bricht zusammen, als Penny und ihr ungeborenes Kind bei einem Autounfall ums Leben kommen. Im Schockzustand blendet Henry alles um sich herum aus. Ausnahme: der obdachlose Teenager Millie (Maisie Williams, Game of Thrones, The Falling), die im Hausmüll fremder Leute nach brauchbaren Materialien für ihr Floß sucht, mit welchem sie bis zu den Azoren segeln möchte. Henry und Maisie freunden sich langsam an und bauen das Floß gemeinsam fertig, wovon sich beide neue Energie und einen neuen Lebensabschnitt erhoffen.

Zwei verletzte Seelen tun sich zusammen
Ein Film für Menschen, die mit einer Tragödie klarkommen müssen und ermutigt werden sollen, neuen Lebensmut zu schöpfen. Die Intention der Story ist klar, lass den Schmerz raus, geh raus in die Welt und rufe nach Wegbegleitern und Freundschaft. Millie erinnert Henry sofort an seine verstorbene Frau, beide sind unkonventionelle und verrückte Charaktere. Millie, erst skeptisch der plötzlichen Zuwendung wegen, spürt dann aber recht schnell die Vorteile von Freundschaft, nachdem sie jahrelang alleine oder bei ihrem ständig betrunkenen Onkel leben musste. Ein ermutigender Handlungsablauf. Doch was folgt ist eine Serie von fragwürdigen Taten geschmückt mit etwas Hollywood-Kitsch, um ein klein wenig Dynamik in die Sache zu bringen. Genauso fragwürdig sind auch die beiden Handwerker, die den beiden Tag und Nacht aushelfen, über die man aber sonst nicht viel erfährt (werden sie für den Floßbau bezahlt!?) und die wohl einfach nur für ein, zwei Lacher sorgen sollten.

Emotionale Traumsequenzen und passender Soundtrack
Immer wieder werden Szenen eingebaut, in denen Henry seine Penny in vergangenen Situationen vor sich sieht, als wäre sie noch da, nur ist alles leicht verschwommen. Diese Szenen werden von einem emotionalen Soundtrack untermalt, geschrieben von Justin Timberlake, und stechen aus dem gesamten Film heraus. Da liegt das Tränchen-Potenzial – auch der härteste Knochen dürfte bei diesen Szenen wenigstens Mitgefühl verspüren.

Die Verbindung zu den Charakteren fehlt
Die Geschichte mit dem Floß und das „Freischwimmen“, um wieder Fuß zu fassen in der durcheinander geworfenen Welt, wirken etwas übertrieben und unglaubwürdig. Ja, es passt alles zu einer Story über Leid und Hoffnung, Schmerz und Freude, schwarz und weiß. Aber abgesehen davon, dass so etwas nichts Neues für die Filmwelt ist, wäre ein etwas subtilerer Plot mit Augenmerk auf die Charaktere, auch die der Handwerker, die sich zu Freunden entwickeln, viel stärker gewesen. Selbst Millie wird nicht ausreichend skizziert. Zwar ist die schauspielerische Leistung gut, allerdings wird uns ein tieferer Einblick in ihre Gefühlswelt und ihre Vergangenheit verwehrt.

Rendezvous mit dem Leben – The Book of Love
3.95 (78.95%) 19 Artikel bewerten

Rendezvous mit dem Leben – The Book of Love
"Rendezvous mit dem Leben" ist ein seichtes Drama, das durchaus zu Tränen rühren kann. Um einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, ist die Handlung aber zu aufgeplustert und die Charaktere zu oberflächlich behandelt.
6von 10

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