Flatliners 2017
© Sony Pictures

Flatliners (2017)

(OT: „Flatliners“, Regie: Niels Arden Oplev, USA, 2017)

Flatliners 2017
„Flatliners“ läuft ab 30. November 2017 im Kino

Gibt es ein Leben nach dem Tod? In Flatliners lassen sich fünf Medizinstudenten auf ein gefährliches Experiment ein in der Hoffnung, einen Blick ins Jenseits werfen zu können und dem jahrtausendealten Mysterium auf den Grund zu gehen. Einer nach dem anderen unterzieht sich der waghalsigen Methode: Gegenseitig stoppen sie ihren Herzschlag für wenige Minuten und erzeugen dadurch eine Nahtoderfahrung. Zunächst erscheint dieses Wagnis nur positive Effekte zu bewirken: die Hauptfigur Courtney (Ellen Page) erinnert sich an alles, was sie jemals gelernt hat, Draufgänger Jamie (James Norton) wird zum Überflieger im Unterricht und Nesthäkchen Sophia (Kiersey Clemons) schafft es endlich, ihrer Mutter die Stirn zu bieten. Doch bald sehen sich die Freunde gezwungen, sich den Geistern ihrer Vergangenheit zu stellen. Denn mit der Überschreitung der Grenze zwischen Leben und Tod wurden düstere Kräfte freigesetzt, mit denen niemand gerechnet hat.

Zu viele Genres verderben den Brei
Eine Zeit lang scheint die Geschichte zu funktionieren. Der Ansatz passt und wenn Courtney auf dem Operationstisch im EEG liegt und man ihre Reise ins Jenseits verfolgt, fühlt man echte Anspannung und möchte mehr sehen und herausfinden, was als nächstes passiert. Kurz gesagt: Man freut sich auf gute zwei Stunden Sci-Fi-Spaß. Leider nimmt der Film bald ein paar Wendungen zu viel und schnell weiß man nicht mehr, ob man sich in einem Horrorfilm, einem Action-Thriller à la Ohne Limit oder einer College-Komödie befindet.

Die paranormalen Elemente, die ohne befriedigende Erklärung in den Plot eingefügt werden, geben eine neue Richtung an. Obwohl die Schockmomente der Horroranteile sitzen, wiederholen sich die Gruselsettings bald. Schlussendlich zeigen etwa 20 Prozent der Laufzeit einen der Charaktere in einem dunklen Gang, Keller oder Apartment, während der- oder diejenige sich darüber wundert, ob die gehörten Geräusche der Vorstellung entspringen, während gleichzeitig unscharfe Figuren im Hintergrund vorbeiziehen. Dabei geben die Schauspieler, unter welchen sich mit Ellen Page und Nina Dobrev ein paar große Namen befinden, wirklich alles, was sie können. Gerade Page (Inception) und der mexikanische Darsteller Diego Luna (Rogue One: A Star Wars Story) überzeugen in den wenigen, anspruchsvollen Momenten, die ihnen das Drehbuch überlässt. Als gegen Ende der Story das Horrorthema plötzlich abgeworfen wird und die ganzen Anspielungen nie eine Auflösung finden, ist man als Zuschauer trotz der gut gemeinten Botschaft mit dem platten und abgehackten Ende frustriert.

Ein Ritt auf der Remake-Welle
Wir leben in einer Zeit, in der viele Filmlegenden, die teilweise nicht einmal 20 Jahre alt sind, neu aufgesetzt werden – meistens ohne jegliche Notwendigkeit. Von Realfilmadaptionen vieler animierter Disney-Titel über den Kultklassiker Jumanji bis hin zu Indiehits wie Old Boy sind so gut wie jedes Genre und Jahrzehnt vertreten. Üblicherweise kann die Kopie dem Original kaum das Wasser reichen. Ähnlich verhält es sich mit Flatliners. Die Idee, die die Geschichte vorantreibt, ist an sich großartig. Die Frage nach der Existenz des Jenseits kitzelt die Menschheit seit Anbeginn der Zeit.

1990 wurde der Versuch, eine Antwort zu konstruieren im originalen Flatliners gestartet. Damals war der Film ein Überraschungshit u.a. mit den zukünftigen Superstars Julia Roberts und Kiefer Sutherland, der im Remake in der Nebenrolle des Professor Nelson zu sehen ist. Damals wie heute hätte die Prämisse des Films das Potential zu einem visionären und innovativen Sci-Fi-Horror gehabt, hat sich auf dem Weg aber leider in eine Art Selbsthilfedrama mit übernatürlichen Spitzen verwandelt. Genauso wie dem Original fehlen diesem Flatliners eine geradlinige Story, wissenschaftliche Komplexität und narrative Pfiffigkeit, weshalb nicht ganz klar ist, warum der Film wiederbelebt werden musste.



(Anzeige)

Eine durchschnittliches Remake eines durchschnittlichen Films und damit der zweite gescheiterte Versuch, dem spannenden Ansatz gerecht zu werden. Trotzdem kann man mit den gut getimten Schockmomenten und dem zum Teil überzeugenden Schauspiel Spaß haben, wenn man weiß, was einen erwartet.
6
von 10