The Hate U Give
© 20th Century Fox

The Hate U Give

The Hate U Give
„The Hate U Give“ // Deutschland-Start: 28. Februar 2019 (Kino)

Die 16-jährige Starr (Amandla Stenberg) ist es gewohnt, zwischen zwei Welten hin und her zu wechseln. Tagsüber ist sie in einer privilegierten Schule, verbringt ihre Zeit mit weißen Freunden, darunter ihr eigener Freund. Doch sobald die Schule aus ist, wechselt sie zurück in ihre Welt, eine etwas ärmliche Gegend, in der vorwiegend Schwarze wohnen. So wie sie und ihre Familie. Bislang gelang es ihr ganz gut, diese beiden Welten auseinanderzuhalten. Doch das ändert sich, als ihr bester Freund Khalil (Algee Smith) von einem Polizisten erschossen wird und sie dazu gedrängt wird, als Zeugin vor Gericht auszusagen. Denn das würde bedeuten, ihr Doppelleben nicht weiter fortsetzen zu können.

So unterschiedlich die Formen sind, die Rassismus annehmen kann – vor allem einem Land wie den USA, wo Rassismus an der Tagesordnung steht –, so unterschiedlich sind auch die Filme, die ihn thematisieren. Da sind Wohlfühlstreifen dabei wie der frisch mit dem Oscar ausgezeichnete Green Book – Eine besondere Freundschaft. Aber auch solche Filme, die richtig weh tun, wie das verstörende Detroit über ein besonders scheußliches Beispiel von Polizeiwillkür in den 1960ern. Die meisten siedeln sich aber irgendwo in der Mitte an, wollen aufrütteln, ohne dabei gleich das Publikum vor den Kopf zu stoßen.

Universelles im Ausnahmezustand
The Hate U Give ist ein solcher Zwischenschritt. Die Adaption des gleichnamigen Romans von Angie Thomas richtet sich wie auch die Vorlage an ein jugendliches Publikum. Nicht nur, dass Starr im besten Identifikationsalter ist. Ihre Probleme dürfte der Zielgruppe zudem sehr aus dem Herzen sprechen. Wenn die Jugendliche ihren Platz in der Welt finden muss, sich auch mit der eigenen Identität auseinandersetzt – wer bin ich eigentlich? –, dann fällt es nicht schwer, daran anzudocken. Denn das sind so universelle Themen, dass sie unabhängig von Nationalität oder Hautfarbe funktionieren. Das Drama bedient sich in erster Linie aus der guten, alten Coming-of-Age-Schublade.

Doch der Film verbindet das eben auch mit der speziellen Situation von Schwarzen in den USA. Das kann schockierend sein, vor allem in Hinblick auf polizeiliche Gewalt. Dass ein Mensch erschossen wird, nur weil er eine Haarbürste in der Hand hielt, das klingt für unsere Ohren grotesk. Und es ist erschreckend, wenn The Hate U Give durchschimmern lässt, wie gewissenhaft Starrs Vater sie auf die Situation vorbereitet. Ausnahmezustand als Alltag. Dass Überlebenstraining in den USA beinhaltet, nur nicht aufzufallen, sich anzupassen, sich zu unterwerfen. Denn sonst bist du schnell Freiwild. Gerechtigkeit? Keine Chance. Die gibt es nicht einmal, nachdem Khalil bereits tot ist, denn im Zweifelsfall wird die Schuld dann doch beim Opfer gesucht.

Rassismus fängt im Kleinen an
Beeindruckender noch ist aber das Aufzeigen des beiläufigen Rassismus. The Hate U Give führt uns gerade durch das Aufeinandertreffen der zwei Welten an der Schule vor Augen, wie tief verwurzelt das Misstrauen und die Vorurteile sind. Rassismus bedeutet eben mehr, als Jugendliche auf offener Straße zu erschießen, weil sie die falsche Hautfarbe haben. Es fängt bei der Sprache an, die den Weißen Slang zugesteht, weil es sie cooler macht, dies bei Schwarzen aber als bedrohlich empfindet. Und er schließt Erwartungen mit ein, die immer mitschwingen. Forderungen, wer und wie du zu sein hast.

Das wird hier gerne ein bisschen breiter getreten, als es notwendig gewesen wäre. Gerade in der zweiten Hälfte wird der Film fast schon unangenehm didaktisch, wenn in Voice overs die Themen noch einmal bis zum letzten Komma ausformuliert werden. Offensichtlich wollte man nicht das Risiko eingehen, dass das Publikum die Message nicht verstanden hat. Richtig vorwerfen will man Mängel wie diese und die nicht immer ganz differenzierten Figuren jedoch nicht, denn dafür ist die Aussage des Dramas dann doch zu wichtig. The Hate U Give, das auf dem Toronto International Film Festival 2018 Weltpremiere hatte, ist ein leidenschaftliches Plädoyer für Aussöhnung. Dafür, sich nicht von Hass vereinnahmen zu lassen, auch wenn dieser so naheliegend ist. Dafür auch, genauer hinzuschauen, hinzuhören, Menschen in ihrer Gesamtheit wahrzunehmen. Da darf das Ergebnis dann auch schon mal die gefährliche Linie von bewegend zu kitschig kratzen.



(Anzeige)

„The Hate U Give“ stellt uns eine 16-jährige Schwarze vor, die zwischen zwei Persönlichkeiten wechseln muss, je nachdem, ob sie gerade in ihrer ärmlichen Gegend oder der Welt der privilegierten Weißen unterwegs ist. Das Drama hat dabei eine Menge über verschiedene Formen des Rassismus zu sagen sowie über Fragen der Identität. Ganz subtil ist das aber nicht, die Adaption des gleichnamigen Jugendromans will ihre versöhnliche Message um jeden Preis in die Köpfe des Publikums bekommen.
7
von 10