Anna und die Apokalypse

„Anna und die Apokalypse“ // Deutschland-Start: 6. Dezember 2018 (Kino)

Weihnachten steht vor der Tür! Für Anna (Ella Hunt) bedeutet das aber nicht Friede, Freude, Eierlikör, sondern richtig Stress. Mit ihrem Vater (Mark Benton) zum Beispiel, der so gar nicht begeistert davon ist, dass sein Töchterchen die Uni sausen lassen will, um stattdessen nach Australien zu reisen. Mit dem Schuldirektor (Paul Kaye), der jeden terrorisiert und unter allen Umständen verhindern will, dass jemand Spaß hat. Und mit den Zombies natürlich, die plötzlich auftauchen und die halbe Stadt auffressen. Gemeinsam mit einigen anderen Mitschülern, darunter ihrem besten Freund John (Malcolm Cumming) und dem Aufschneider Nick (Ben Wiggins), muss sie nun versuchen, sich durch die Horden zu kämpfen und ihren Vater zu finden – bevor es zu spät ist.

Zombies? Die gehen immer. Selbst wenn sie nicht gehen, sondern nur schlurfen oder kriechen. Kaum ein Bereich des Horrorgenres wird wohl derart beständig mit neuen Werken gefüttert wie der um die menschenfressenden Untoten. Das ist für Fans natürlich schön, macht es aber gleichzeitig äußerst schwierig, aus dem übersättigten Markt noch irgendwie hervorzustechen. Zu viele Filme hat es da einfach schon gegeben, in allen Formen und Farben, wirklich viel Neues wird hier so gut wie gar nicht mehr geboten. Von Ambitionen ganz zu schweigen.

Lasst uns singen!
Letztere sind in Anna and the Apocalypse zwar ebenfalls Mangelware. Dafür erfrischt der Abschlussfilm des Fantasy Filmfests 2018 durch das ungewöhnliche Drumherum. Dass der Film an Weihnachten spielt, Tannenbäume und Glitzerdoku mit bluttriefenden Körperteilen kontrastieren, ist dabei noch das weniger bemerkenswerte Element. Schließlich sind Weihnachten und Horror schon immer dankbare Kombinationen gewesen, von Gremlins über Krampus bis zum aktuellen Festivalkollegen Await Further Instructions. Die originellere Idee ist es, daraus auch noch ein High-School-Musical zu machen.

Es dauert dann auch nicht lange, bis Anna und die Mitschüler/-innen anfangen, ihre Liedchen zu trällern. Sie singen von Träumen und Hoffnung, davon, dass das Leben eben doch kein Hollywood-Ende hat. Dieses Versprechen hält Anna and the Apocalypse zum Teil tatsächlich ein: Wenn sich die Teenager später durch Massen von Untoten metzeln, dann nimmt das nicht unbedingt den Verlauf, den man erwartet hätte, vielleicht auch gewünscht hätte. Der Film traut sich tatsächlich mal, Figuren den Filmtod zu bescheren, denen in einem solchen Umfeld sonst Überlebensgarantie vertraglich gesichert ist.

Gute Idee, kaum ausgenutzt
Leider ist das aber auch mehr oder weniger der einzige Bereich, bei dem Anna and the Apocalypse wirklich hervorsticht. Ansonsten hält sich die britische Produktion dann doch zu sehr an das, was Fans wollen. Nicht dass etwas daran verkehrt wäre, in absurden Situationen Kunstblut zu verspritzen. Sie sind nur eben nicht absurd genug. Am ehesten gefällt noch eine ganz frühe Szene, wenn Anna mit einem Popsong auf den Lippen durch die Nachbarschaft tänzelt, während drumherum ein großes Massaker stattfindet. Hier wird der Kontrast aus seichtem Teenie-Musical und Splatter-Trash tatsächlich einmal ausgenutzt. Später wird das jedoch fast völlig aufgegeben, auch das Weihnachtszenario spielt keine wirkliche Rolle, ist oft nur Hintergrund.

Und das ist doch sehr schade, gar ernüchternd, wie wenig aus dem Stoff herausgeholt wurde. Die meisten Lieder sind aalglatte Popnummern ohne Wiedererkennungswert, die Figuren setzen sich aus lauter Stereotypen zusammen, auch bei den Horrormomenten mangelt es an Inspiration. An einem Willen, doch auch einfach mal ein bisschen mehr zu machen, anstatt nur das Standardprogramm abzuspulen. Und es fehlt an Biss, trotz der herzhaft zubeißenden Zombies ist das hier alles schrecklich harmlos, die Möglichkeiten der Metaebenen werden ignoriert. Stattdessen gibt es Unterhaltung, die ebenso seicht wie die Lieder sind. Das kann Spaß machen, zumindest bei Festivals ist Anna and the Apocalypse ein echter Crowdpleaser. Aber es braucht dazu eben auch ein Publikum, das sich mit wenig schon zufriedengibt, dem ein bisschen blutverschmiertes Lametta reicht, um in Stimmung zu kommen. Das ist nett, gerade wegen des charmanten Casts. Mehr auch nicht.

Anna und die Apokalypse
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Anna und die Apokalypse
Die Idee ist sicher ungewöhnlich: Man mische High-School-Musical mit Zombiekomödie, verquirle das Ganze noch mit einem Weihnachtsszenario. Das Ergebnis ist aber sehr viel weniger ungewöhnlich: „Anna and the Apocalypse“ verpasst es meistens, diese Kontraste wirklich effektiv einzusetzen, verlässt sich stattdessen auf Stereotype, aalglatte Wegwerflieder und altbekannte Metzelszenen.
6von 10

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