(„Kill la Kill“ directed by Hiroyuki Imaishi, 2013)

Kill la KillLediglich mit einer halben Schere bewaffnet – wenn auch einer sehr großen – taucht eines Tages Austauschschülerin Ryuko Matoi bei der Honnouji-Akademie auf und fordert Rache. Genauer sucht das Mädchen nach dem Besitzer der zweiten Hälfte, denn bei diesem handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um den Mörder ihres Vaters. Einen Mangel an Verdächtigen gibt es an der Schule nicht, schließlich will deren Vorsitzende Satsuki Kiryuin die Vorherrschaft über ganz Japan, es gilt das Gesetz des Stärkeren. Um den Schuldigen zu finden, muss Ryuko daher erst einmal eine ganze Menge blutrünstiger Gegner plattmachen. Behilflich wird ihr dabei ein sonderbares, sprechendes Kostüm, das ihr übermenschliche Kräfte verleiht – gegen eine kleine Blutspende.

Eine paramilitärische Highschool, blutsaugende Schuluniformen, exzentrische Waffen – klingt abgedreht, und ist es auch. Schon zu Beginn fragt man sich, ob man versehentlich bei Episode drei eingestiegen ist, weil so rein gar nichts einen Sinn ergeben will. Doch das ist hier kein Versäumnis, sondern tatsächlich beabsichtigt: Bei dieser Serie wird nicht nur um die Machtverhältnisse an einer Schule gekämpft, sondern auch darum, wer wohl die verrücktesten Einfälle hat. Höhepunkt bei Ryukos Metzelmarathon sind dabei ihre vielen kuriosen Widersacher, die sich aus den unterschiedlichsten Schulclubs zusammensetzen. Ob Origami, Gartenkunst, Seiltanz oder Töpferkurs – da ist wirklich alles dabei, die Waffen werden immer bescheuerter, die Gegner immer abgedrehter.

Nachteil: So komisch diese Auseinandersetzungen auch sind, nach dem originellen und turbulenten Auftakt kommt die Handlung nur noch recht langsam voran, da man offensichtlich nicht wusste, wie man dem Ganzen noch eins draufsetzen konnte – und es daher auch gar nicht versuchte. Was bei einer kurzen Serie von 13 Folgen grandios hätte sein können, wird auf insgesamt 24 Folgen ausgewalzt, gerade im Mittelteil kommt es zu deutlichen Längen. Und auch die nachträglich produzierte 25. Folge hat der Geschichte nicht wirklich etwas hinzuzufügen, taugt nicht mal als wirklicher Epilog.

Damit einher geht die etwas zwiespältige Optik. Das Animationsstudio Trigger, welches man hierzulande vor allem für die Internetserien Inferno Cop und Ninja Slayer kennt, durfte bei Kill la Kill das erste Mal eine Fernsehserie produzieren und war damit teilweise überfordert. Während die Designs ungewöhnlich und variantenreich sind, oft auch sehr witzig, teilweise mehr amerikanischen als japanischen Zeichentrickserien ähneln und aus verschiedenen Stilen zusammengesetzt sind, sind die Animationen recht spartanisch gehalten. Und auch das ist ein Grund, weshalb die Serie zwischendurch schwächelt: Anstatt die Handlung voranzutreiben, wird lieber gekämpft, was in Verbindung mit der spärlichen Inszenierung dann doch eher anödet als begeistert.

Doch auch wenn Kill la Kill vielleicht nicht der große Knaller ist, für den man den Anime anfangs hält, unterhaltsam ist er im Großen und Ganzen. Regisseur Hiroyuki Imaishi und Drehbuchautor Kazuki Nakashima, welche einige Jahre zuvor bei der Kultserie Gurren Lagann schon das Mechagenre demontiert haben, nehmen sich diesmal stupider Ecchi-Shows an, in denen Schulmädchen aus den nichtigsten Gründen ihr letztes Höschen verlieren. Die Parodie ist mal mehr, mal weniger geglückt, manchmal ist die TV-Produktion von den verulkten Vorbildern kaum mehr zu unterscheiden, dann wieder ist die Freude angesichts des geballten Blödsinns wieder groß. Wen die oft stromlinienförmigen Massenwerke aus Fernost sonst eher langweilen, der findet hier daher auf jeden Fall eine Alternative, die zusammen mit Samurai Flamenco zu den originellsten Animeserien der letzten Zeit gehört und trotz ihrer Schwächen zumindest in Erinnerung bleibt.

Kill la Kill
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Kill la Kill
Kleider machen Leute: In „Kill la Kill“ entscheiden sich Stärke und Status durch Uniformen, die ihren Besitzern spezielle Kräfte verleihen. Später gehen der Parodie auf stupide Ecchi-Shows die Ideen aus, die Animationen und Kämpfe sind ebenfalls etwas schwach auf der Brust. Doch das originelle Szenario und die bewusst bescheuerte Geschichte heben die Animeserie aus der grauen Masse hervor.
6von 10

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