(„Kozure Ôkami: Kowokashi udekashi tsukamatsuru“ directed by Kenji Misumi, 1972)

Lone Wolf & CubNachdem ich nun endlich den letzten Tankōbon des Manga von Kazuo Koike gelesen habe, dachte ich mir es ist höchste Zeit endlich auch mal die Filmreihe zu sehen. Die schicke Box von RapidEyeMovies enthält alle sechs Teile und nach und nach werde ich hier eine Rezension dazu schreiben. Da ich durch das Manga sehr verwöhnt worden bin, hatte ich ziemlich hohe Ansprüche.

Nach knappen aber knackigen 80 Minuten Laufzeit werde ich mich bemühen die nächsten Teile so schnell wie möglich zu sehen. Die Geschichte spielt im 17.Jahrhundert und ist in Japan angesiedelt. Dort herrscht der Tokugawa-Clan, der es geschafft hat das mittelalterliche Land zu vereinen. Das Leben im neuen Japan ist jedoch alles andere als leicht, denn es herrscht eine extreme Spannung in der Gesellschaft. Jeder vermutet hinter alles, stets eine Falle seines Feindes oder Neiders und jeder ist auf das Wohl des eigenen Clans bedacht. Um die Herrschaft der Tokugawa zu sichern hat das Shōgunat diverse Samurai-Clans mit verschiedenen Funktionen beauftragt. So erfüllt bspw. das Haus von Ogami Itto (Tomisaburo Wakayama) die Aufgabe des Kaishakunin. Als dieser jedoch Opfer einer Intrige des Yagyū-Clans wird, fällt er beim Shogun in Ungnade und wird zum Seppuku aufgefordert. Er und sein einziger Sohn Daigoro (Akihiro Tomikawa) sollen also ehrenhaft wie ein Bushi ihr Leben geben um ihren Clan austerben zu lassen. Als sie sich jedoch weigern und sich den Weg freikämpfen verlassen sie den Weg des Samurai. Ogami Itto wird also zum Ronin und wandert von nun an mit seinem einjährigen Sohn in ihrem persönlichen Meifumado (Anmerkung: Weg zur Hölle) durch die wunderschöne Landschaft Japans. Um sich über Wasser zu halten wird er zum Auftragskiller, doch sein letzendliches Ziel verliert er nie aus den Augen: die totale Vernichtung des Yagyū-Clans. Bis der von nun an als Kozure Okami (Anmerkung: Wolf mit dem Kind) bekannte Itto aber zu seiner Rache kommen wird, ist es noch ein langer und steiniger Weg. Schließlich hat er die gesamten Behörden und sämtliche Kämpfer des Yagyū-Hauses auf den Fersen. Bereits bei seiner ersten Mission macht er aber klar, dass der Schwertmeister mit seinem Dōtanuki keine Gnade walten lassen wird…

Die Umsetzung auf die Leinwand von Kenji Misumi hält sich bisher sehr streng an die Vorlage und das ist auch gut so (siehe bspw. Crying Freeman). Was der Film vielleicht nicht unbedingt liefern kann, sind die vielen Zusatzinformationen und Erklärungen über die Epoche die das Comic mit sich bringt. War ich anfangs noch etwas über das äußerliche Aussehen des „einsamen Wolfes“ enttäuscht so muss ich im Nachhinein sagen, dass Wakayama den Charakter sehr gut rüberbringt. Auch Retsudo, der Chef des Yagyū-Clans und Erzfeind Ittos, hat mit Toki Oki eine gute Besetzung gefunden. Die wenig vorkommende Musik von Hideaki Sakurai schließt sich der restlichen Soundkulisse an, die sehr, sehr leise ist. Die Schwert-Kämpfe samt den berühmten Splatter-Effekten machen eben den Reiz aus und lassen die Herzen eines jeden Asia-Fans höher schlagen. Eindeutig ein Must-See für alle Filmliebhaber und für solche die es noch werden wollen.

Lone Wolf & Cub Teil 1 – Das Schwert der Rache
3.57 (71.43%) 7 Artikel bewerten

Lone Wolf & Cub Teil 1 - Das Schwert der Rache
9von 10

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3 Responses

  1. White

    Also paar Sachen sind mir bei Ihrer und Ihrerzusätzlichen Empfehlung aufgefallen, was bei beiden für echte Asiafans ein absolutes No-Go ist. Sie als auch der Herr Frank Meyer nennen als Grundlage den „Comic“ Lone Wolf & Cub nur ist es ein eglatanter Unterschied ob man einen Comic oder einen Manga in den Händen hällt. Das sollte ihnen beim/nach dem lesen des Mangas eigendlich aufgefallen sein. zudem haben Sie den Anfang der Geschichte etwas Falsch wieder gegeben. denn beide Sowohl Itto als auch Daigoro haben sich nicht zum Sepuku Vorbereitet, sondern hatten nur die dafür vorgesehene Kleidung angezogen um deren Feierlichen Übertritt in das Leben zum „Wolf mit dem Kind“ zu feiern und zu begehen.

    Lang leben die Otakus

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  2. Lorenz Mutschlechner

    Danke für die akribischen Richtigstellungen.

    Dass es sich um ein Manga handelt ist und war mir durchaus klar, aber da in Japan dieser Begriff einfach nur für Comics verwendet wird und es im Grunde ja dasselbe Medium ist, dürfte es wohl kaum eine Rolle spielen 😉 Da ich schon so einige Manga und Manhwa (wir wollen ja nicht, dass sich ein Südkoreaner missverstanden fühlt) gelesen habe ist mir durchaus klar, dass man diese Medien nicht wie westliche Comics liest, sondern „andersrum“, aber dies hat meines Erachtens wenig mit der hiesigen Diskussion zu tun, sondern sollte wohl nur Dein Wissensspektrum verdeutlichen. Diese Art zum Lesen hängt aber vermutlich nicht direkt mit dem Medium Manga zusammen, sondern ist in Japan und auch anderen, nicht asiatischen Ländern durchaus üblich…
    Übrigens: die Version die ich von diesen Manga besitze wird nicht „japanisch“ gelesen, sondern westlich, hier hat Panini Comics Italia sich leider anders entschieden.

    Danke aber für die exakte Erklärung was den Übergang in das Leben zum „Wolf mit dem Kind“ angeht, es ist schon eine Weile her und deshalb kann ich mich nicht mehr genau erinnern, ich glaube aber, dass Du Recht damit hast.

    P.S.: hoffe das Duzen ist ok, ich mag es nicht so förmlich, wir sind hier ja ganz unter Geeks und nicht auf irgendwelchen Politikertreffen.

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