(„A Serious Man“ directed by Joel & Ethan Coen, 2009)
Die Coen-Brüder behalten ihr wahnsinniges Produktionstempo bei und bringen nach ihrem letzten Streich von 2008 mit „A Serious Man“ bereits den nächsten Film in die Kinosäle.
Ganz nach dem Motto back to the roots kehren sie wie damals in „Fargo“ in ihren Heimatstaat Minnesota zurück, wechseln allerdings die verschneiten Tapeten mit warmen Farben. Basierend auf eigenen Kindheitserinnerungen nehmen die Coens diesmal eine kleine jüdische Gemeinde unter die Lupe. Sie entführen ihr Publikum vierzig Jahre in die Vergangenheit, das in gewohnte Manier auf alles gefasst sein muss.
Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) führt ein anständiges und seriöses Leben in einer typisch amerikanischen Vorstadtsiedlung. Er fährt einen Mittelklassewagen, seine vierköpfige Familie ernährt er indem er als Physikprofessor an der Uni arbeitet und als gläubiger Jude spielt natürlich auch seine Religion einen ernstzunehmenden Faktor.
Als aber plötzlich seine Frau Judith (Sari Lennick) ihm erklärt sie werde sich von ihm scheiden lassen, da sie mit seinem Freund und Wittwer Sy Ableman (Fred Melamed) Zusammensein möchte, beginnt die Fassade langsam zu bröckeln.
In den ca. 100 Minuten Spielzeit demontieren die Coens Gopniks Spießerleben Stück für Stück und sperren schlussendlich die Zuschauer mit einem fast schon unverschämten Ende einfach vor die Tür. Zuvor bemühen sie sich allerdings redlich alle ihre Figuren durch den Kakao zu ziehen. Neben der Scheidung kommen noch weitere familiäre Probleme dazu. Wenn etwa sein pubertierender Sohn heimlich kifft und ein kostspieliges Platten-Abo auf Daddys Namen bestellt, oder seine Tochter ihre Körperhygiene mehrmals die Woche städtischen Salons anvertraut da Larrys arbeitsloser Bruder (Richard Kind) ständig das Badezimmer besetzt ist Ärger vorprogrammiert.
Der Gang zum Rabbi um Rat und Seelsorge zu erhalten erscheint da nur als logisch schließlich läuft es beim Job auch nicht so wie es sein sollte und wer soll dann noch die ganzen Rechnungen begleichen?
Der Kenner ist dies zwar alles schon gewöhnt, was hier aber besonders auffällt ist dass die Brüder auch nicht davor zurückschrecken die jüdische Glaubensgemeinde aufs Korn zu nehmen. Nicht nur in den USA stellt dies quasi ein Tabuthema dar doch wenn im Abspann auch noch frech „No Jews were harmed in the making of this motion picture“ erscheint, müssen selbst die letzten (absolut unkorrekten) Antisemitismusvorwürfe mit einem Schmunzler fallen gelassen werden. Interessant ist sicherlich auch dass die Brüder auf große Stars verzichten und bewusst nur Darsteller jüdischen Glaubens an Board holten. Dies ist was Punkto Qualität angeht aber keineswegs ein Manko, denn die Crew macht ihre Arbeit sehr gut.
Hervorhebenswert ist aber vor allem der Hauptdarsteller Michael Stuhlbarg der seinen zurückhaltenden und „Scheiße schluckenden“ Charakter vorzüglich mimt.
Der rabenschwarze Humor wird mit Sicherheit nicht jedermanns Sache sein und ehrlich gesagt hatte ich öfters das Gefühl dem Ganzen nicht ganz folgen zu können. Vielleicht liegt dies an der mangelnden Bibelkenntnis vielleicht aber auch an der konfusen Erzählstruktur der Coens, sofern man da überhaupt noch ein Muster ausfindig machen kann.
Wie bereits bei „Burn After Reading“ empfand ich das Tempo als sehr lahm und ziehe die Coen-Streifen vor bei denen man doch etwas an der Hand geführt wird. Eine Empfehlung für ein Kinoticket kann ich von daher nur bedingt aussprechen.
(„The Damned United“ directed by Tom Hooper, 2009)
Ein weiterer Film von der Insel und auch dieser trifft meinen Geschmack. Basierend auf den Roman von David Peace skizziert Regisseur Tom Hooper die Karriere der britischen Fußballtrainerlegende Brian Clough. Im Film wird dieser von Michael Sheen (Underworld-Trilogie) verkörpert, der hier überraschend gut aufspielt.
Nachdem Clough den kleinen Verein Hartlepools United gemeinsam mit Co-Trainer Peter Taylor (Timothy Spall) erfolgreich betreut hat wechselt das Duo zum sehr schwachen Zweitligisten Derby County. In den kommenden Jahren wird ihnen eine kleine Sensation gelingen: sie führen Derby nicht nur in die höchste englische Fußballliga, sondern erkämpfen 1972 sogar den Meistertitel.
Ende der 60er und 70er wird der britische und europäische Fußball aber von Leeds United rund um Trainer Don Revie (Colm Meaney) dominiert. Clough lehnt nicht nur vehement die brutale und in seinen Augen unfaire Spielweise der Nordengländer ab, sondern hegt seinen ganz persönlichen Groll gegenüber Revie.
Sein verbitterter Ehrgeiz Leeds auf dem Spielfeld zu schlagen treibt ihn zu den bereits genannten Höchstleistungen an, der wahre Stratege und Denker von Derby scheint allerdings Taylor zu sein, der sich in der Öffentlichkeit aber lieber in Cloughs Schatten bewegt.
Revie wird schließlich zum Nationaltrainer berufen was den Vorstand von Leeds United veranlasst Clough als seinen Nachfolger an Board zu holen. Die folgenden berühmten 44 Tage beim Blau-Gelben-Verein sollten allerdings Brian Cloughs Karrieretiefpunkt darstellen. Die Mannschaft wurde zu sehr von seinem Rivalen Revie geprägt, es gibt keine Kommunikation zum Starensemble und sein blinder Hass führt nur dazu dass Leeds sich nach fünf Spieltagen an Vorletzter Stelle wiederfindet.
Meine Inhaltsangabe erweckt vielleicht den Anschein The Damned United“ sei ein platter Flick für Sportfreaks, dem ist aber überhaupt nicht so. Vielmehr geht es hier um die tragische Figur Brian Clough selbst, dessen zwischenmenschliche Beziehungen und natürlich auch um seine sportlichen Erfolge.
Nur ein bis zwei Mal werden aber tatsächlich Szenen auf dem Spielfeld gezeigt, ansonsten beschränkt man sich auf das Leben rund um den Sportplatz. Clough wird wie ein besessener Perfektionist portraitiert, der sich aber weniger hinter Statistiken und Taktiktafeln versteckt, sondern eher einem leidenschaftlichen Fan gleicht. Exemplarisch sind hierzu auch die Szenen in denen er sich der eigenen Vereinsleitung widersetzt. Zu offensichtlich wird hier dass er überhaut kein Verständnis für den wirtschaftlichen Part und dessen Management hat.
Wenn er zu Beginn gegenüber Revie so etwas wie Respekt und Hochachtung empfindet ändert sich dies nach dem ersten Aufeinander treffen sehr schnell: der von den Zeitungen mit „bester Trainer Englands“ betitelte Revie würdigt Clough nicht eines Blicks, gibt ihm nicht einmal die Hand sondern wirkt einfach nur arrogant und überheblich.
Ich persönlich kann mir kaum vorstellen dass ein Profi wegen einer Lappalie wie dieser die Fassung verliert und über Jahre einen solch tiefgründigen Hass aufbaut. Anderseits könnte man behaupten Clough sei nie wirklich ein Teil dieses „Clubs“ gewesen, was auch seine Sprüche und abfälligen Bemerkungen gegen Verband und Fußballestablishment bestätigen.
Der Film unterhält jedenfalls mit viel Witz und gutem Schauspiel. Die knapp 100 Minuten sind gut in Szene gesetzt und die Kulisse wirkt echt. Empfehlenswert auch für Sportmuffel!
(„Sherlock Holmes“ directed by Guy Ritchie, 2009)
Oje, da scheint wer sein Pulver ganz schön verschossen zu haben. Würde ich nicht „Snatch“ und „Bube Dame König grAs“ so lieben hätte ich spätestens nach „Rockn Rolla“ auf Guy Ritchies Romanadaption des berühmten Schnüfflers verzichten können.
So hingegen schritt ich gestern Abend, im Irrglauben endlich wieder etwas Originelles serviert zu bekommen, zur hiesigen Kinokasse.
Die mehr als 2 Stunden Laufzeit sind im ersten Teil noch relativ interessant gestaltet doch irgendwann beginnt man sich zu langweilen, alles wirkt vorhersehbar und wenn man wie gesagt Guys Erstlingswerke kennt fragt man sich wo seine innovativen Ideen geblieben sind.
Der Brite spielt wie gewohnt mit Zeitlupe und anderen visuellen Effekten, steckt seinen Star Robert Downey Jr. in eine glaubwürdige Umgebung und findet in diesen auch einen würdigen Sherlock Holmes, doch der Film taugt höchstens als kurzweiliger Zeitvertreib. Flankiert wird Sherlock Holmes auch hier wie im Roman von Dr. Watson (Jude Law) dessen Schauspiel aber neben dem grandiosen Downey etwas untergeht.
Der Meisterdetektiv und der Doktor haben es diesmal mit einem schwarzen Magier, Lord Blackwood (Mark Strong), zu tun. Mit seinen furchteinflößenden Tricks und brutalen Ritualen sorgt Blackwood für Angst und Schrecken in der britischen Hauptstadt.
Unnötig zu erwähnen dass der brillante Logiker Holmes den Strolch bald auf die Schliche kommen wird. Wie der Regisseur dies aber inszeniert gleicht eher einem platten Blockbuster und schafft es kaum sich von der breiten Masse abzuheben. Zwar bringt er mit Irene Adler (Rachel McAdams) eine interessante Figur auf die Leinwand, weiß diese aber überhaupt nicht zu nutzen und so geht sie irgendwo neben Watsons bessere Hälfe Mary Morstan (Kelly Reilly) unter, die hier so gut wie überhaupt keine Funktion hat.
Mark Strong, der quasi eine Stammrolle in Ritchies Streifen einnimmt, tut seinen Dienst wirkt hier aber auch nicht wirklich glücklich mit seinem Part.
Meine Vorwürfe ein reines $$-Produkt zu sein unterstreich die Wahl des Musik-Verantwortlichen: Hans Zimmer schmiert wie gewohnt seine schmalzigen Noten durch den Streifen, konnte mich aber zugegebenermaßen sogar mit ein paar netten Irish-Folk-Stücken überraschen.
Wie schon bei Guy Richties letzten Kinofilm kann ich auch hier keine Empfehlung für einen Lichtspielhausbesuch abgeben. Fans werden endgültig enttäuscht sein, Popcorncineasten hingegen wohlfühlen da sich „Sherlock Holmes“ gefährlich Bruckheimer & Bay – Kino nähert.
(„Winterreise“ directed by Hans Steinbichler, 2006)
Hans Steinbichler konnte bereits mit seinem Debütfilm „Hierankl“ die Kritiker begeistern und einen eignen Stil etablieren: Die Landschaft als Spiegelbild der Seele zu inszenieren ist dabei genauso charakteristisch für den Nachwuchsregisseur wie die Erforschung der meist verdeckten Antriebskräfte für das (zwischen-)menschliche Verhalten. In „Winterreise“ greift Steinbichler auf den gleichnamigen Liederzyklus von Franz Schubert zurück. Schubert hat darin mit dem gleichen Stilmittel innerhalb der Musik wie Steinbichler im Kino gearbeitet – auch der Komponist hat Landschaften als Beschreibung seelischer Zustände und Emotionen verwendet.
Franz Brenninger (Josef Bierbichler) hat es zu Ansehen und Vermögen gebracht. Doch Brenninger stößt durch seine Launenhaftigkeit alle vor den Kopf. Mal stark und impulsiv, mal gefangen in sich selbst, steht ihm nur noch seine halb erblindete Frau Martha (Hanna Schygulla) bei. Als sein Unternehmen kurz vor der Pleite steht, lässt er sich auf ein zweifelhaftes Geschäft mit kenianischen Geschäftsleuten ein. Doch schon bald ist klar: Er steht vor dem Nichts. Wild entschlossen sich auf eigene Faust sein Geld zurückzuholen setzt Brenninger alles auf eine Karte und tritt mit der jungen Dolmetscherin Leyla (Sibel Kekilli) eine Reise nach Kenia an. Denn Martha braucht dringend Geld für eine Augenoperation, um das Augenlicht nicht vollständig zu verlieren.
Steinbichler inszeniert eine wilde emotionale Achterbahnfahrt, die den Zuschauer bis an den Rand treibt. Bierbichler („Das weiße Band“) mimt in unnachahmlicher Art den stets fluchenden – Oarschlöcher!: Des san oalles Oarschlöcher! – und starrköpfigen Grandlhuber Brenninger. Dessen urgewaltiger, eigensinniger und sozial aneckender Charakter begeistert durch einen Spagat zwischen künstlerischem Genie – Brenninger spielt und singt „Die Winterreise“ Schuberts – und exzessivem Trinker. Eine weitere Facette ist die depressive Ohnmacht, die Brenninger nach den Exzessen heimsucht und in ein tiefes emotionales Loch wirft. Der Film lebt vor allem durch die schauspielerische Leistung Bierbichlers, dessen Figur sozial, moralisch und emotional stets am Rande des Abgrunds agiert und die Sympathie des Zuschauers in einem Kraftakt erarbeitet. Inhaltich greift Steinbichler auf Schuberts Winterreise zurück, die von einer verlorenen Seele handelt. Die karge und kalte Winterlandschaft ist Ausdruck einer Depression. Wie im Film werden in dem Liederzyklus die ganz großen Themen wie Existenz und Tod philosophisch und psychologisch gedeutet.
Stimmung und Ästhetik erinnern an Filme wie „Herz aus Glas“ (Werner Herzog), in dem ebenfalls Bierbichler die Hauptrolle spielt, oder „Schlafes Bruder“ (Joseph Vilsmaier), weil in diesen Filmen eine Verschränkung von Realismus und Mystery stattfindet. Jedoch spielt „Winterreise“ in der Gegenwart und bietet eine weitere Verschränkung, nämlich die von der Ersten mit der Dritten Welt. Bei der Realmusik handelt es sich um von den Schauspielern interpretierte Fassungen der Schubert-Lieder. Eine krasse Diskrepanz entsteht vor allem dann, wenn die musikalische „Winterreise“ mit der von Brenninger unternommenen Kenia-Reise – aber auch dort gibt es verlorene und menschenleere Landschaften – zusammenprallt. Die Filmmusik wiederum überrascht durch rasante Gitarren-Noise-Klängen mit provokativen Texten, die auf eine Neuinterpretation des Schubert Klassikers schließen – zum Beispiel die vielfach wiederholte Zeile „They say I‘m going insane“ gibt die „Winterreise“ in einem zeitgenössischem Ton wider.
Steinbichler ist eine energiegeladene Achterbahnfahrt gelungen. Die Story wird zwar sicherlich kein Meilenstein innerhalb der Filmgeschichte markieren, dafür ist Bierbichlers Leistung alleine schon das Anschauen wert. Hinzu kommt ein abwechslungsreicher Soundtrack. Beides zusammen sorgt für 96 Minuten kurzweilige und nachdenkliche Unterhaltung.
(„Gamer“ directed by Mark Neveldine & Brian Taylor, 2009)
Nach dem Überraschungserfolg „Crank“ und dessen Sequel versuchen sich Neveldine und Taylor also an etwas neuem. Die löbliche Idee weniger Action sondern in Richtung Sciencefiction zu gehen ging aber meiner Meinung nach ziemlich in die Hose.
Sie zielen mit ihren aktuellen Streifen ganz klar auf die Videospielgemeinde ab, die häufig vorkommenden Szenebegriffe wie beispielsweise „fraggen“ oder „cheaten“ könnten für den einen oder anderen Nicht-Zocker vielleicht sehr befremdend wirken, was ich als sehr schade finde.
In einer nicht allzu fernen Zukunft hat es ein Computergenie geschafft die IT-Welt abermals zu revolutionieren. Nach dem Riesenerfolg der Unterhaltungssoftware Society gelingt es Ken Castle (Michael C. Hall) mit Slayers sogar noch einen draufzulegen.
Bei diesem Onlinespiel ist es möglich reale Menschen vom Wohnzimmer aus durch ein existierendes und abgegrenztes Areal zu steuern. Dies wurde möglich durch eine neue Art von Nanochips die Menschen aus Fleisch und Blut ganz einfach ins Gehirn gepflanzt werden.
Wenn man sich in Society noch in einer bunten Welt bewegt, in der vorrangig Perversionen sexueller Natur ausgelebt werden, betritt man in Slayers als moderner Gladiator die Arena und schlachtet sich durch 30 Levels. Eine wichtige Innovation dabei ist dass die Spielfiguren, die meist von Teenager gesteuert werden, zum Tode verurteilte Sträflinge sind. Fragen nach Moral und Anstand scheinen somit von Castle geschickt umgangen zu sein, obwohl den Verbrechern nach absolvieren des grausamen Spiels, sogar die Freiheit zuwinkt. Die Weltbevölkerung labt sich aber regelrecht an dieser neuen Form von Unterhaltung und außerdem scheint ein bestehen aller Levels ein Ding der Unmöglichkeit. Unter den gesteuerten Häftlingen befindet sich unter anderem Kable (Gerard Butler) dessen Gamer Simon (Logan Lerman) nun aber drauf und dran ist die Highscore zu knacken und seine Figur zu befreien…
Aus dieser durchaus sehr interessanten Basis formen die Regisseure aber lieber ein wirres Gemisch aus voyeuristischen Actionszenen und platten Charakterisierungen. Obwohl mit Michael C. Hall in meinen Augen die perfekte Besetzung für den gefühlslosen Castle gefunden wurde (seine superbe Performance in der TV-Serie „Dexter“ steht hierfür Zeuge) und die Untergrundbewegung, die sich schlicht Humans nennt, ein interessanter Gegenspieler wäre, versaut man den Film indem man zig Szenen abdreht in der Butler blutverschmiert und zähneknirschend sich freischießt.
Ich verstehe dass man das durchaus interessant gestaltete Society öfters herzeigen will als nötig und auch dass man aufgrund der Thematik seine Ideen für visuelle Spielereien ausschöpfen möchte, aber leider bliebt hier eindeutig der Inhalt auf der Strecke.
Genau wie bei „Crank“ kann ich nicht behaupten zufrieden den Kinosaal verlassen zu haben, sondern musste mich vielmehr ärgern über verschwendetes Potenzial.
(„Das weiße Band“ directed by Michael Haneke, 2009)
Der österreichische Skandalregisseur Michael Haneke sorgte unter anderem schon mit „Funny Games“ für viel Kontroverse. Stets stand in seinem Werk das Thema „Gewalt“ im Mittelpunkt seines Interesses. Für seine Arbeiten „Die Klavierspielerin“ und „Caché“ wurde er durch diverse Preise ausgezeichnet. Das schwarzweiße Ensemble-Drama „Das weiße Band“ wurde mit der Goldenen Palme veredelt.
Vorabend des Ersten Weltkriegs, 1913/14: Ein Dorf im protestantischen Norden Deutschlands. Ein rätselhafter Reitunfall des Dorfarztes (Rainer Bock) löst eine schicksalshafte Kette von Ereignissen aus. Es beginnt die dramatische Geschichte des vom Dorflehrer (Christian Friedel) geleiteten Schul- und Kirchenchors. Seine kindlichen und jugendlichen Sänger und deren Familien: Gutsherr (Ulrich Tukur), Pfarrer (Burghart Klaußner), Gutsverwalter (Josef Bierbichler), Bauern – sie repräsentieren den Querschnitt der sozialen dörflichen Struktur. Die mysteriösen Unfälle ziehen nach und nach den Charakter ritueller Bestrafungen an. Trotz aller Bemühungen – Appell an den bzw. die Täter sich zu stellen, Untersuchungen, Einschaltung der städtischen Polizei – bleibt der oder die Täter im Verborgenen.
Durch einen Erzähler (Ernst Jacobi) führt Haneke seine Zuschauer zunächst in skurriler Art und Weise durch den Reitunfall in sein Kriminaldrama ein. Ein Drahtseil, das die lokale Hebamme (Susanne Lothar) bemerkt hat, verweist darauf, dass es sich keinesfalls um einen Unfall handelt. Und ganz schnell wird dem Zuschauer klargemacht, dass es sich hier um keine lustige Krimigeschichte handelt. In einer kargen und stets angespannten Atmosphäre schildert Haneke seine Erzählung, die von feudalen Machtstrukturen, dem Patriarchat sowie einem doppelmoralischen Protestantismus zeugt und den Nationalsozialismus in ideologischer Hinsicht bereits in den familiären-und sozialen Strukturen vor dem Ersten Weltkrieg ausmacht. Es ist aber auch eine Erzählung von den Abenteuern und der Perspektive der Kinder sowie von der Chance zur Liebe – zwischen dem Dorflehrer und Eva (Leonie Benesch) – in einer derart unromantischen Zeit.
Die ruhige und nüchterne Kamera von Christian Berger hält die Wirren und Mysterien vor dem Ersten Weltkrieg in Bergman’scher Manier fest. Der aus technischen Gründen ursprünglich in Farbe abgedrehte Film wurde im Nachhinein digitalisiert – vor allem weil das Kerzen- bzw. Petroleumlicht für Unschärfe gesorgt hat – und in schwarzweiß umgewandelt. Die Gesamtästhetik brilliert durch eine klare Schärfe und einer unnachahmlichen Schlichtheit bzw. natürlichen Schönheit. Der Film lebt auch von den grandiosen schauspielerischen Leistungen des Ensembles, aus niemand beispiellos herausgegriffen werden kann. Lediglich die Urgewalt eines Bierbichlers („Winterreise“) kam zu gering zur Entfaltung. Auf Filmmusik verzichtet Haneke völlig. In „Das weiße Band“ hört der Zuschauer die akzentuiert eingesetzte Realmusik – z.B. der Schulchor oder der Lehrer am Klavier. Die Musik dient nicht zur künstlichen Stimmungserzeug, wie in zahlreichen anderen Filmen, sondern illustriert oder kommentiert lediglich auf subtile Weise das Geschehen.
Der kontrovers diskutierte Österreicher präsentiert ein authentisches Sittengemälde, wie man es sonst nur von anderen Autoren-Filmemachern wie Werner Herzog („Woyzeck“) oder Joseph Vilsmaier („Schlafes Bruder“) gewohnt ist. In opulenten 144 Minuten kommt trotz ästhetischer Strenge und räumlicher Enge zu keiner Zeit Langeweile auf. Dafür sorgt zum Einen das grandiose Ensemble, das eine gelungene Mischung aus etablierten und Nachwuchsschauspielern darstellt, und zum Anderen die stets aufrecht erhaltene Anspannung, die durch die mysteriöse Kriminalerzählung erzeugt wird. In Zeiten des digitalen Overkills eine beruhigende Pille für Freunde des anspruchsvollen – und trotzdem unterhaltsamen – Kunstkinos.
(„The Surrogates“ directed by Jonathan Mostow, 2009)
Dass Jonathan Mostow mit Science-Fiction-Stoffen umgehen kann, hat er mehr oder weniger erfolgreich bereits in „Terminator 3“ bewiesen. Für seine Gegenutopie hat er sein Drehbuchautorenduo John D. Brancato und Michael Ferris – beide ebenfalls Science-Fiction erprobt durch „Terminator die Erlösung“ – damit beauftragt die fünfbändige Comicserie „The Surrogates“ zu adaptieren. Dieser dystopische Noir-Thriller ist inzwischen als Hardcover-Gesamtausgabe (Cross Cult, 2009) auch auf Deutsch erschienen. Der SF-Thriller vom Autor Robert Venditti und vom Zeichner Brett Weldele wurde in der Comicszene von Kritikern hoch gelobt, so dass eine Verfilmung nicht verwunderlich ist.
Amerika im Jahr 2054: Aufgrund bahnbrechender technischer Erfindungen im Bereich der Robotik und der Cyber-Technologie verlässt kein Mensch mehr seine eigenen vier Wände. Vernetzt und angeschlossen an technische Apparate, steuert der zukünftige Mensch seinen Avatar, den Surrogates, von zu Hause aus und fühlt alles, was der „Surrie“ erlebt. Das ist nicht nur bequem, sondern sorgt auch für sozio-kulturelle Veränderungen innerhalb der Gesellschaft. Beispielsweise sinkt die Kriminalitätsrate nahezu auf den Nullpunkt, körperlich eingeschränkte Menschen können ihr Haus verlassen und am Leben teil nehmen. Nur eine Minderheit lehnt die Surries ab und lebt wie ihr geistiger Führer, der „Prophet“ (Ving Rhames) konsequent in abgeriegelten Reservaten. Doch eines Tages bekommen es die FBI-Agenten Tom Greer (Bruce Willis) und Jennifer Peters (Radha Mitchell) nach Jahrzehnten mit einem Doppelmord zu tun. Die ersten Spuren führen ausgerechnet zum Surrogates-Erfinder Dr. Lionell Canter (James Cromwell).
Das bereits erwähnte Autorengespann hat es ganz klar verpasst die dichte und düstere Atmosphäre in die Filmwelt zu übertragen. Zu früh werden elementare Puzzlestücke der Kriminalerzählung preisgegeben, wodurch sich von Anfang an keine Spannung aufbauen kann. Die Einführung zu Beginn des Films – die von der Machart her an „District 9“ (Neill Blomkamp) erinnert – trägt ebenfalls dazu bei, dass kein Mysterium um die Surries herrscht. Es wäre besser gewesen – wie im Comic – die Erläuterungen sukzessive und verstreut in den Film einzubauen. Zudem wurden die zahlreichen sozial-, kultur- und technikkritischen Anspielungen aus der Graphic Novel nur oberflächlich adaptiert. So muss sich der Zuschauer die Kritik an Online-Rollenspielen wie „Second Life“, die eine zweite – bessere – Identität in der Welt der Web 2.0 ermöglicht, sowie an Schönheits-, Fitness- und Jugendwahn fast schon selbst zusammen reimen. Hinzu kommen schlechte Abänderungen einzelner Elemente aus der Graphic Novel, die den Film zu einem heterogenen Einerlei verkommen lassen: z.B. fehlt der High-Tech-Terrorist, der im Comic einen Großteil der Anziehungskraft ausmacht.
Bruce Willis mimt wie gewohnt und grundsolide den gealterten Vollstrecker, der sich schnell damit abfindet vorerst keinen Surrie mehr zu steuern, sondern in Fleisch und Blut die Schläge einkassiert. Radha Mitchell spielt ihre passive Rolle als Surrie gut, d.h. sie wirkt hölzern und ausdruckslos. In anderen Filmen wäre das sicherlich als Tadel zu betrachten, hier kann es tatsächlich als Lob aufgefasst werden. Die Musik von Richard Marvin geht in Ordnung, jedoch hätte er sich die peinlich wirkenden „Terminator“-Sound-Anleihen sparen sollen. Auch die Gesamtästhetik kann nicht wirklich überzeugen: Die Mischung aus Reality-Doku-Stil und lichtüberfluteten Hochglanzbildern scheitert. Die Special Effects sind zwar gekonnt, jedoch können sie niemanden wirklich mehr vom Hocker reißen.
Was bleibt sind 88 Minuten, die weder einen spannungsgeladenen Thriller, noch einen turbulenten Actionkracher bieten. Das wäre alles kein Problem, wenn Mostow dafür intellektuelle Kost aufbieten würde, indem er die Science-Fiction-Elemente aus der Vorlage ernstnehmen würde. Aber auch hierfür fehlt eine konsequente und tiefere Auseinandersetzung mit dem im Ansatz sehr interessantem und hochaktuellem Themenkomplex, der ja auch in „Avatar“ (James Cameron) aufgegriffen wurde. Als Fazit bleibt also nichts anderes übrig als auf die herausragende Graphic Novel zu verweisen. Mit anderen Filmdystopien wie dem spannenden „Gattaca“ (Andrew Niccol) oder dem unterhaltsamen „Die Insel“ (Michael Bay) kann Mostows Arbeit bei Weitem nicht mithalten. So muss sich der Regisseur den Vorwurf gefallen lassen, eine weitere gescheitere Comicadaption fabriziert zu haben.
(„Magnum Force“ directed by Ted Post, 1973)
Nachdem Don Siegel zwei Jahre zuvor mit „Dirty Harry“ einen Riesenerfolg verbuchen konnte und der Charakter bei weitem noch nicht ausgeschöpft schien, erfolgte 1973 das Sequel von Ted Post, das im deutschen Sprachraum schlicht als „Callahan“ bekannt ist.
Wieder ist es Clint Eastwood der in die Rolle von Harry Callahan schlüpft und wieder gilt es einen Serienkiller zu fassen. Diesmal treibt ein als Polizist getarnter Wahnsinniger sein Unwesen indem er gezielt Verbrecher oder grob gesagt Sünder umnietet die den öffentlichen Gerichten entwischt sind.
Obwohl man nach dem ersten Streifen meinen möchte, Dirty Harry fände daran seine Freude, ist dem so nicht. Zwar lechzt Callahan immer noch nach Selbstjustiz und handelt nicht immer nach Paragraph doch die brutale Mordserie ruft den Inspektor auf den Plan der in den ca. 100 Minuten Laufzeit die Wahrheit enthüllt.
Das Sequel ist seinem Vorgänger durchaus ebenbürtig, wenn in Punkto Story etwas schwächer. Die Facetten der Figur werden geschickt erweitert und gleichzeitig hat man mehr Zeit sich auf andere Dinge zu konzentrieren, da Callahan dem Publikum bereits vertraut ist.
Eastwood spielt auch hier wieder solide und man nimmt ihm den zähneknirschenden Bullen sofort ab. Erweitert wird sein Umfeld diesmal um seinen misstrauischen Vorgesetzten Lieutenant Briggs (Hal Holbrook) und vier engagierten Neulingen (Mitch Ryan, David Soul, Tim Matheson und Kip Niven) die noch eine wichtige Rolle einnehmen werden, die allesamt neben Eastwood aber eher wie nette Komparsen als Nebendarsteller wirken.
Wer Dirty Harry’s Debüt mochte wird auch „Callahan“ gut finden, allerdings sollte man sich nicht zu viel Neues erwarten. Im Vergleich zu aktuellen Film-Sequels fällt allerdings auf dass natürlich auch hier die Erfolgswelle genutzt aber dem Zuschauer nicht ein billiger und enttäuschender Abklatsch serviert wurde.
Die neuaufgelegte Blu Ray-Fassung ist übrigens durchaus empfehlenswert wenn man nicht sonderlich Wert auf Ton oder Extras legt. Letzte sind kaum welche vorhanden und HD-Sound liegt leider nur in Originalsprache vor, was aber aufgrund des Alters auch irgendwie verständlich ist.
(„Shaun Of The Dead“ directed by Edgar Wright, 2004)
Ich bin wahrlich kein großer Fan und erst recht kein Kenner von Zombiefilmen aber die wiederholten Empfehlungen ließen mich nun schließlich doch einen Blick riskieren und ich muss sagen es hat sich absolut gelohnt. Wann sonst sieht man bitte wie Untoten mit Billard- und Kricketschlägern in Begleitung von Queen’s „Don’t Stop Me Now“ die Schädel eingeschlagen werden?
Dies ist aber auch bitter nötig denn in London ist die Hölle ausgebrochen: ein ansteckender Grippevirus treibt sein Unwesen und lässt die Toten wiederauferstehen und verwandelt sie zu trägen Monstern. Der routinierte Alltag des einfachen und antriebslosen Angestellten Shaun (Simon Pegg) lässt ihn zuerst aber überhaupt nicht das Problem erkennen. Wer hat schon Zeit oder Lust sich die Nachrichten im TV oder gar seine Mitmenschen im Pendlerbus genauer anzuschauen?
Seinem arbeitslosen Mitbewohner und besten Freund Ed (Nick Frost) geht es da nicht viel anders. Zwischen einem Videospiel und dem obligatorischen Gang ins Winchester, ihrem Lieblingspub, fällt es den beiden gar nicht auf dass auf den Londoner Straßen seltsame Dinge passieren.
Als sich die Situation zuspitzt und es den beiden endlich dämmert scheint es aber bereits zu spät zu sein. Shaun will sich allerdings nicht länger im Haus verschanzen sondern unbedingt seine Mutter (Penelope Wilton) – sein Stiefvater Philip (Bill Nighy) kann ruhig draufgehen – und seine mittlerweile Ex-Freundin Liz (Kate Ashfield) vor den Zombiehorden retten.
Eine romantische Komödie. Mit Zombies. – Die Cover-Aufschrift bringt es wohl auf den Punkt.
Die knackigen 100 Minuten Laufzeit brachten mich nicht selten zum auflachen sondern ich musste da sogar aufpassen nicht die nächste Szene zu verpassen. Umrahmt wird das Ganze mit einem denkwürdigen Soundtrack der u.a. mit Tracks von Queen, The Smiths oder The Specials aufwartet.
Simon Pegg, der gemeinsam mit Regisseur Edgar Wright das Drehbuch schrieb, spielt seine Rolle herrlich komisch, sein Kollege Nick Frost steht ihm hier allerdings in nichts nach. Das (un)dynamische Duo schlägt, stößt, wirft, schießt und brennt sich tapfer durch die makabere Bedrohung hindurch, doch nicht wie von mir befürchtet mit übertrieben eingesetzten Splatter-Effekten. Diese sind recht sparsam und bedacht eingesetzt. Ganz klar überwiegt hier das humoristische Moment. Das Schauspiel und die Slapstick-Comedy sind somit immens wichtig und in „Shaun Of The Dead“ gelingt dies vorzüglich.
Keineswegs bleibt der Streifen aber nur eine platte Komödie. Zu sehr fallen da die sorgfältig eingestreuten Anspielungen ins Auge. Wenn etwa Shaun seinen vorprogrammierten Alltag beginnt, sich träge durch die Stadt bewegt und gegenüber seiner Freundin wenig Feingefühl zeigt, gibt es nicht viel Unterscheid zwischen ihm und den hungernden Zombies.
Bisher waren mir die beiden Briten nur beim Tarantino/Rodriguez-Projekt „Grindhouse“ über den Weg gelaufen aber es wird für mich eindeutig Zeit ihren zweiten Kinostreifen „Hot Fuzz“ zu sichten.
(„Flags Of Our Fathers“ directed by Clint Eastwood, 2006)
Vor einiger Zeit hatte ich dummerweise als erstes „Letters From Iwo Jima“ angeschaut von dem ich nicht sonderlich begeistert war. Wie auch schön aus den damaligen Kommentaren zu lesen ist, muss ich nun meinem Bloggerkollegen wohl oder übel Recht geben und meine zuvor doch recht harsche Beurteilung etwas revidieren.
Wie in der vorangegangenen Besprechung bereits erklärt stellt „Flags Of Our Fathers“ die andere Seite der Medaille dar. Diesmal beobachten wir also die amerikanische Seite bei der Schlacht um Iwo Jima, einer kleinen japanischen Insel. Anders als im zweiten Film steht hier aber weniger die Front im Mittelpunkt sondern die Hauptdarsteller befinden sich in den USA und nur durch ihre Erinnerungen machen wir einen Schwenk zurück auf die Insel.
Im Mittelpunkt stehen diesmal drei US-Soldaten denen es gelungen ist auf den Mount Suribachi – jener Berg der dann in „Letters From Iwo Jima“ von innen zu sehen sein wird - eine US-Flagge zu hissen und dabei abgelichtet wurden.
Das Foto erhält eine riesige Resonanz und gibt der kriegsmüden und skeptischen Öffentlichkeit wieder Siegesglauben und Mut. Weil nicht die Gesichter der Soldaten auf dem Foto zu erkennen sind, glaubt nun jeder seinen Sohn, Bruder oder Bekannten erkennen zu können.
Die Regierung und die Armee lassen sich natürlich nicht zweimal bitten und machen die betroffenen Soldaten zu medialen Stars. Eine Tour dieser Helden quer durch das Land sollen die Amerikaner wieder motivieren Kriegsanleihen zu erwerben und somit die leerstehenden Militärkassen zu füllen. Hinter dieser Fassade scheint es aber weniger nobel herzugehen, denn schließlich sind von den „Flaggenhissern“ fast alle in der Schlacht gefallen…
Clint Eastwood geht hier durchaus kritisch ins Gericht wenn er bei den Höhepunkten der Öffentlichkeitsshows mit Rückblenden das wahre Kriegsgeschehen einblendet.
Seine drei Protagonisten sind recht unterschiedlicher Natur. Zum einen ist da Rene Gagnon (Jesse Bradford) der das Rampenlicht sichtlich genießt aber im Grunde nur ein Ersatzmann für einen der Gefallenen ist, andererseits gibt es dann noch John Bradley (Ryan Phillippe) und den Indianer Ira Hayes (Adam Beach). Letzteren nutzt Eastwood unter anderem um den in der Gesellschaft tief verwurzelten Rassismus aufzuzeigen. John ist es zwar unangenehm als Held postuliert zu werden und Tag für Tag eine Lüge leben zu müssen, glaubt aber auch die Notwendigkeit daran einzusehen. Ira hingegen verfällt der Alkoholsucht und glaubt somit seinen Alpträumen entkommen zu können.
Getrennt betrachtet finde ich „Flags Of Our Fathers“ gelungener als „Letters From Iwo Jima“, was aber wohl daran liegt dass er kurz gesagt ausbalancierter ist. Geschickt wechselt hier der Regisseur zwischen Kriegsgeschehen und Heimat, gekonnt werden diverse Reaktionen von Müttern, Politikern oder eben den zurückkehrenden Soldaten gezeigt was mir bei „Letters“ einfach fehlte.
Wie bereits zu Beginn erwähnt habe ich aber dem zweiten Teil von Eastwoods WWII-Werk unrecht getan. Wenn „Flags“ das Kartenhaus aus Lügen und Täuschung entlarvt, wechselt „Letters“ ganz einfach die Perspektive und gibt uns ein nüchterneres Bild. Als Gesamtwerk gesehen reiht sich diese Arbeit nahtlos in Eastwoods Galerie von Filmjuwelen ein.
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