
Der afroamerikanische Aktivist Vernon Dahmer (Giancarlo Esposito) hat es sich zur Aufgabe gemacht, anderen schwarzen Männern und Frauen dabei zu helfen, an Wahlen teilzunehmen. Doch damit macht er sich eine Menge Feinde bei der weißen Bevölkerung. Und so werden er und seine Familie im Januar 1966 zu Hause angegriffen, Unbekannte zünden das Haus an. Während seine Familie entkommen kann, erliegt Dahmer seinen Verletzungen. Das FBI will diesen Fall unbedingt lösen und schickt den jungen Agenten Wayne Strider (Yahya Abdul-Mateen II) zum Tatort. Doch auch er ist schwarz, weshalb er von vielen nicht akzeptiert wird. Also wird auch der Mafia-Schläger Greg Scarpa (Mark Wahlberg) engagiert, er soll Strider unterstützen und zur Not mittels Gewalt die Wahrheit herausfinden – was dem rechtschaffenden Polizisten komplett widerstrebt …
Rückblick auf ein wahres Verbrechen
In seinen Filmen fühlt sich Elegance Bratton offensichtlich immer der Wahrheit und Realität verpflichtet. So hat der US-amerikanische Regisseur mehrere Dokumentarfilme gedreht, zuletzt die Musikhistorie Move Ya Body: The Birth of House. Aber auch seine Spielfilme sind von der Wirklichkeit da draußen beeinflusst. So verarbeitete er in seinem fiktionalen Debüt The Inspection seine Erfahrungen als junger schwarzer Mann beim Militär. Das Drama wurde hoch gelobt, Hauptdarsteller Jeremy Pope war für den Golden Globes nominiert. Groß war daher die Neugierde, wie sein zweiter Spielfilm ausfallen würde. Nun liegt mit By Any Means die Antwort vor. Und diese fällt gleichzeitig bekannt wie irritierend aus, stieß auf deutlich weniger Begeisterung. Erneut gibt es bei dem Film einen realen Kern. So wurde Dahmer tatsächlich 1966 durch einen Brandanschlag des Ku Klux Klans getötet. Und auch das Ende der Geschichte, als mehrere Männer für ihren Anteil an dem Anschlag verurteilt wurden, sind überlieferte Fakten.
Zwischen diesen beiden Polen findet aber sehr viel statt, was letztendlich reine Spekulation ist. So gab es zwar Vorbilder für die beiden Figuren. Aber harte Fakten sehen anders aus, über manches wurde gemunkelt. An anderen Stellen hat Drehbuchautor Sascha Penn auch frei erfunden. Aber das muss ja nicht verkehrt sein, solange das Ergebnis stimmig ist. Teilweise ist es das sicherlich. Das Thema Rassismus wird anschaulich beschrieben, dazu die schwierige Lage, in der Strider steckt. So konnte er in By Any Means trotz seiner Hautfarbe Karriere beim FBI machen und er genießt auch den Rückhalt seines Chefs. Bei der ländlichen Bevölkerung zählt das aber alles nichts, dort wird er als Witz aufgefasst, vielleicht auch als Provokation. Da braucht es schon ein wenig Nachdruck, um sich Respekt zu verschaffen. Und Nachdruck bedeutet dann eben rohe Gewalt.
Atmosphärisch, aber gewaltverherrlichend
Dahinter steckt die bekannte Frage: Wie weit darf ich gehen, um an wichtige Informationen heranzukommen? Diese ist auch nach wie vor aktuell, wie man bei den Folterungen durch die CIA sieht. Wie wichtig sind Menschenrechte, um damit andere Leben zu retten? By Any Means spielt da anfangs mit der Ambivalenz, wenn auf dem regulären Weg nichts zu erreichen ist, Brutalität hingegen Ergebnisse liefert. Doch diese Ambivalenz schwindet mit der Zeit, was auch an Strider veranschaulicht wird, der selbst Skrupel verliert. Daraus hätte man das Porträt eines gebrochenen Mannes machen können. Stattdessen befürwortet der Thriller die Gewalt, was mindestens befremdlich ist. Ein weiteres Manko ist die Figurenzeichnung, wenn man sich beim Protagonisten nie ganz entscheiden kann, ob er jetzt kompetent oder inkompetent sein soll.
Das ist schade, weil das Thema an und für sich interessant ist. Es ist auch stimmungsvoll umgesetzt, wenn uns Bratton mitnimmt auf eine Reise in die Vergangenheit, die gleichzeitig ganz weit weg ist und uns doch fremd erscheint. By Any Means ist ein sehr düsterer Thriller, der in menschliche Abgründe führt und nur wenig Hoffnungsschimmer bietet. Da das schauspielerisch auch passt, kann man hier also schon mal reinschauen, sofern man sich nicht an der Brutalität stört. Dennoch wäre da einfach deutlich mehr drin gewesen als ein nihilistisches und gewaltverherrlichendes Zeitporträt.
OT: „By Any Means“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Elegance Bratton
Drehbuch: Sascha Penn
Musik: Terence Blanchard
Kamera: Ante Cheng
Besetzung: Yahya Abdul-Mateen II, Mark Wahlberg, Nicole Beharie, Josh Lucas, David Strathairn, Giancarlo Esposito
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