
Mit ihrem Debütfilm hat die Regisseurin und Drehbuchautorin Marian (Gia Crovatin) einen echten Volltreffer gelandet. Die Resonanz war gut, sie wurde sogar mit einem Preis ausgezeichnet. Nun geht es darum, an ihrem zweiten Film zu arbeiten. Zu dem Zweck hat sie sich in ein abgelegenes Haus zurückgezogen, wo sie ungestört an dem Stoff arbeiten kann. So war zumindest der Plan. Doch dann steht auf einmal Norman (Thomas Sodaski) vor ihr. Zu Unizeiten haben sie einige Zeit miteinander verbracht, hatten sogar etwas miteinander. Seither gab es aber keinen Kontakt mehr. Marian ist es auch ein Schimmer, wie er sie überhaupt finden konnte und was er nach all den Jahren von ihr will. Dabei wird bald klar, dass es sich nicht um einen Höflichkeitsbesuch handelt …
Dialoglastiger Kammerspielthriller
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Böse ist so nah? Während manche Thriller auf beeindruckende Settings setzen, um ein Publikum zu beschäftigen, greifen andere gezielt auf sehr gezielte Schauplätze zurück und konzentrieren sich auf das Wesentliche. Ob Cocktail für eine Leiche (1948) oder Misery (1990), zahlreiche Filme haben in der Vergangenheit bewiesen, dass man sich nicht groß von der Stelle bewegen muss, um Spannung zu erzeugen. Und noch immer finden sich neue Beispiele dafür, wie so etwas aussehen kann. Bei der Theaterstück-Adaption Ein Talent fürs Morden sehen wir die berühmte Autorin Patricia Highsmith, wie sie sich ein Duell mit einem jungen Lektor liefert. Und auch bei Murderous lernen wir eine Künstlerin kennen, diese steht jedoch noch ganz am Anfang ihrer Karriere.
Dabei macht der Film von Anfang an klar, dass da irgendetwas nicht in Ordnung ist. Da herrscht eine nicht wirklich definierte angespannte Stimmung, als sich die beiden nach langer Zeit wiedersehen. Das Publikum darf hier spekulieren, was genau zwischen den zwei vorgefallen ist, dass der Empfang doch etwas frostiger ausfällt. Und natürlich auch darüber, was genau Norman denn will, als er sich nach all den Jahren meldet. Murderous wartet aber noch eine Weile, bis aufgelöst wird, worum es in dem Ganzen eigentlich geht. Der Thriller ist dabei recht dialoglastig, es handelt sich hier zunächst um ein Rededuell. Ein ungeduldiges Publikum könnte damit eventuell seine Probleme haben, zumal auch innerhalb des Dialogs ein wenig auf der Stelle getreten wird.
Wechselnde Positionen
Im weiteren Verlauf erhöht Regisseur und Drehbuchautor Neil LaBute, der zuletzt den Horrorfilm House of Darkness und den Thriller Fear The Night vorgelegt hatte, dann doch die Intensität. Es bleibt dann nicht allein beim Reden. Sonderlich actionreich wird es aber auch dann nicht, da hat der US-Amerikaner in vorherigen Filmen schon mehr geboten. Das bedeutet aber nicht, dass Murderous keine Spannung verbreitet. Nicht nur, dass man sich anfangs fragt, was genau Norman im Schilde führt und was es mit den beiden auf sich hat. Später besteht die Spannung in der Frage, wie weit die Figuren gehen werden, um an ihre jeweiligen Ziele zu kommen. Denn so richtig viele Skrupel scheinen sie nicht zu haben.
Dabei lässt es der Thriller, der auf dem Filmfest Oldenburg 2026 Weltpremiere hatte, auch offen, wen man eigentlich anfeuern soll. Im Laufe des Gesprächs wechselt nicht nur, wer gerade die Oberhand hat, sondern auch, wessen Position man für die plausiblere hält. Sympathisch ist hingegen keiner von den beiden, was es gewissermaßen einfacher macht, sich zurückzulehnen und die Auseinandersetzung zu genießen. Allerdings leidet Murderous ein wenig unter Ideenarmut. So gibt es zwei Hälften, die zwar jeweils für sich genommen packend sind und werden auch von der jeweiligen schauspielerischen Leistung getragen. Aber sie sind sich doch zu ähnlich, LaBute wiederholt sich da selbst. Doch auch wenn die Independent-Produktion noch etwas mehr hätte machen dürfen, lohnt sich ein Blick.
OT: „Murderous“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Neil LaBute
Drehbuch: Neil LaBute
Kamera: Alexander Sablow
Besetzung: Gia Crovatin, Thomas Sodaski, Jordan Baker
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