Kritik

Misery

„Misery“ // Deutschland-Start: 25. April 1991 (Kino) // 6. September 2001 (DVD)

Mit seinen Liebes-Romanen über die Figur Misery hat Paul Sheldon (James Caan) große Erfolge gefeiert. Doch davon hat er inzwischen genug, er möchte auch als seriöser Autor anerkannt werden und hat sich deswegen zum Schreiben in eine entlegene Berghütte zurückgezogen. Als er eines Abends in einen Schneesturm gerät, er von der Straße abkommt und sein Wagen sich überschlägt, scheint seine letzte Stunde geschlagen zu haben. Zu seinem Glück wird aber die Krankenschwester Annie Wilkes (Kathy Bates) auf den Unfall aufmerksam und rettet ihm das Leben. Mehr noch, sie nimmt ihn mit zu sich nach Hause, um ihn dort gesund zu pflegen – ist sie doch sein allergrößter Fan. Was zunächst wie ein Geschenk des Himmels wird, stellt sich jedoch bald als Albtraum heraus, aus dem es kein Entkommen gibt …

Die Geschichten von Stephen King handeln oft von übernatürlichen Erscheinungen und mysteriösen Bedrohungen, welche die Menschen des ländlichen Amerikas heimsuchen. Dabei kommen einige seiner besten Werke völlig ohne solche fantastischen Elemente aus. Tatsächlich finden sich unter den besten Verfilmungen des King of Horros sogar vorzugsweise solche, die ausgesprochen real sind. Die Verurteilten über eine ungewöhnliche Gefängnisfreundschaft zum Beispiel oder auch das Coming-of-Age-Drama Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers um eine Jungsclique, die sich auf die Suche nach einer Leiche begeben, in erster Linie jedoch mit dem eigenen Leben beschäftigt sind.

Der Mensch, das unberechenbare Monster
Rob Reiner, der bei Letzterem Regie geführt hat, hat noch einen zweiten King-Filmklassiker geschaffen: Misery. Auch hier gibt es keine Fabelwesen oder unerklärliche Vorkommnisse. Das Monster, welches in dem Film sein Unwesen treibt, ist rein irdischer Natur. Dabei wirkt es anfangs gar nicht wie eins. Annie ist freundlich, zuvorkommend, ein bisschen anstrengend in ihrer Begeisterung vielleicht, aber harmlos. So denkt zumindest Paul, so denkt auch das Publikum. Eine Weile lässt der Streifen alle in diesem Glauben, bevor der Ton plötzlich ein anderer wird. Das geschieht sogar so plötzlich, dass man erst einmal verblüfft auf den Bildschirm starrt, nicht weiß, ob man erschrocken sein oder doch vielleicht lieber lachen soll.

Bis zum Schluss bei Annie eine unberechenbare Figur, ist im einen Moment nett und ein bisschen unterwürfig, nur um im nächsten eine ganz andere Seite von sich zu zeigen. Das ist fantastisch von Kathy Bates gespielt, die hierfür einen Oscar als Beste Hauptdarstellerin erhielt – der bislang einzige Oscar für eine Stephen King Verfilmung. Es gelingt ihr, in Sekundenschnelle vom einen Extrem ins andere zu wechseln, sodass man nie genau weiß, was sie als nächstes tun wird. Dass die Situationen zunehmend eskalieren, das wird einem schmerzlich bewusst. Aber wo ist die Grenze? Wie weit wird dieser übergriffige Fan gehen, um das zu bekommen, was er will?

Gefangen in einem Bett
Es ist aber nicht allein dieses Element der Unvorhersehbarkeit, welche Misery zu einem fesselnden Schocker machen. Vor allem die perfide Situation trägt dazu bei, dass bald die Spannungskurve steil nach oben geht. In einer normalen Situation wäre Paul seiner Auseinandersetzung mit seiner Retterin und Gefängniswärterin sicher überlegen. Als Patient, der ans Bett gefesselt ist und sich kaum bewegen kann, da sind die Optionen schon deutlich geringer. Zumal er sichergehen muss, dass Annie nichts von seinen Plänen mitbekommt, die er da heimlich ausheckt – was zu manch brenzliger Situation führt.

Die Abwechslung des Films ist szenariobedingt eher gering. Nahezu die komplette Geschichte spielt in dem Haus, ein Großteil sogar nur in einem Zimmer. Reiner holt aus diesem begrenzten Setting jedoch jede Menge heraus, erzeugt eine wohlig klaustrophobische Stimmung, die – von einer berühmten Szene abgesehen – auf einen psychischen Horror setzt, weniger einer körperlichen. Man sollte nicht über alles, was in dem Film geschieht, größer nachdenken, um Plausibilität ging es King hier nicht. Vielmehr zeigt er den Schrecken, einem anderen Menschen ausgeliefert zu sein, und entwirft ein ungleiches Duell, bei dem man im Vorfeld nur schwer vorhersagen kann, worauf es hinausläuft, da es auch geschickt mit den Erwartungen spielt.

Credits

OT: „Misery“
Land: USA
Jahr: 1990
Regie: Rob Reiner
Drehbuch: William Goldman
Vorlage: Stephen King
Musik: Marc Shaiman
Kamera: Barry Sonnenfeld
Besetzung: James Caan, Kathy Bates

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1991 Beste Hauptdarstellerin Kathy Bates Sieg
Golden Globe Awards 1991 Beste Hauptdarstellerin – Drama Kathy Bates Sieg

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Misery
4 (80%) 11 Artikel bewerten

Misery
„Misery“ gilt noch immer als eine der besten Stephen King Verfilmungen – und das, obwohl hier die übernatürlichen Elemente völlig fehlen, und die Abwechslung gering ist. Dafür ist das Duell zwischen einem Autor und seinem unberechenbaren Fan, der ihn gefangen hält, äußerst spannend und zudem fantastisch gespielt.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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