Die andere Seite
© Trimafilm, Florian Strandl, Felix Pflieger, X Verleih

Die andere Seite

Die andere Seite
„Die andere Seite“ // Deutschland-Start: 22. Oktober 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Früher einmal, da arbeitete Hanna (Nina Hoss) als Ärztin. Doch seitdem ein Virus gewütet hat, ist nichts mehr, wie es einmal war. Ihr Mann ist ebenso an dieser Krankheit gestorben wie ihr Kind. Sie selbst hat zwar trotz Ansteckung überlebt, ist seither aber eine Ausgestoßene. So wie alle Infizierten soll sie in ein spezielles Lager gebracht werden, wo sie überwacht werden können und das Virus eingedämmt werden kann. Anstatt sich ihrem Schicksal zu fügen und unter all den Kranken zu leben und zu sterben, hat sie beschlossen, für sich zu leben. Seither streift sie umher, was mit einer Reihe von Schwierigkeiten und Herausforderungen verbunden ist. Denn wenn sie anderen zu nahekommt, riskiert sie nicht nur, andere anzustecken. Sie könnte zudem doch noch geschnappt werden …

Allein in einer kranken Welt

Etwas mehr als sieben Jahre ist es her, dass Mariko Minoguchi nach mehreren Kurzfilmen mit Mein Ende. Dein Anfang. ihr Langfilmdebüt gab. Darin erzählte die Regisseurin und Drehbuchautorin von zwei Begegnungen und einer Liebe, die nicht sein durfte, und stellte dabei die Frage, ob unser Leben von Zufällen bestimmt ist. Nach einer langen Wartezeit, während derer sie unter anderem an der Anthologieserie ZEIT Verbrechen mitgearbeitet hat, gibt es nun endlich den zweiten Film Die andere Seite. Und in diesem zeigt sie sich erneut von einer nachdenklichen Seite und grübelt viel über das Menschsein nach. Und das, obwohl über weite Strecken in dieser Mischung aus Drama und Abenteuer bis auf die Protagonistin kein anderer Mensch zu sehen ist.

So sieht man eine ganze Weile nur, wie Hanna durch die Wildnis streift. Wer sie ist dabei ebenso unklar wie der Grund, warum sie allein in der Natur ist. Anfangs meint man noch, dass sie vielleicht einfach eine Aussteigerin sein könnte. Erst nach und nach gibt Minoguchi Informationen preis, verrät mehr über die Frau und die Welt, in der sie lebt. Und es wird schnell offensichtlich, wovon sie sich hat inspirieren lassen. Auch wenn Die andere Seite die Corona-Pandemie nicht direkt anspricht, ist die Parallele kaum zu übersehen. Es geht um ein tödliches Virus und die Frage, wie mit den infizierten Menschen umgegangen wird, aber auch, wie weitere Ansteckungen verhindert werden können. In dem Film ist die Krankheit so verheerend, dass man sie offensichtlich kaum noch loswird und immer ansteckend bleibt. Obwohl Hanna überlebt hat, bleibt sie eine Gefahr.

Plädoyer für mehr Menschlichkeit

Es ist dann auch dieser zwischenmenschliche Aspekt, den die Regisseurin interessiert. Auch wenn hier und da der Film als Abenteuer oder sogar als Thriller bezeichnet wird, ist das etwas irreführend. Auch wenn die Szenen mit der durch die Wildnis streifenden Frau ein wenig an die kurz zuvor gestarteten US-Produktionen Eiserne Wildnis – Heart of the Beast und Das Ende der Sterne erinnert, die mit einem ähnlichen Setting arbeiteten: Die Protagonistin von Die andere Seite muss nicht gegen irgendwelche Feinde kämpfen. Es gibt nur wenige Szenen, die überhaupt irgendwie brenzlig sind. Erst zum Ende hin, wenn Minoguchi neben dem Virus-Thema noch ein zweites einführt, nimmt die Intensität etwas zu. Es dürfte daher durchaus einige geben, die mit einer falschen Erwartung ins Kino gehen und sich dann eher langweilen werden, weil da so wenig geschieht.

Das bedeutet aber nicht, dass der Film nichts zu bieten hat. Neben den tollen Landschaftsaufnahmen und einer gewohnt stark auftretenden Nina Hoss (Zikaden) gibt es eine Reihe von Denkanstößen, denen man sich hingeben darf, gerade über die Art und Weise, wie wir mit anderen Menschen umgehen. Auch wenn Die andere Seite letztendlich eine dystopische Geschichte erzählt und eine Pandemie aktuell keines der Probleme ist, mit denen wir uns beschäftigen müssen, gibt es doch einiges, was auch in der aktuellen Situation Identifikationsfläche schafft. Das Plädoyer für mehr Menschlichkeit ist in einer Zeit der allgegenwärtigen Abgrenzung willkommen. Der emotionalste Moment ist dann auch, wenn Hanna in einer kurzen Szene doch noch als Individuum angesehen wird, als ein Mensch, der fühlt – und nicht nur als umherlaufendes Ansteckungsrisiko.

Credits

OT: „Die andere Seite“
Land: Deutschland, Österreich
Jahr: 2026
Regie: Mariko Minoguchi
Drehbuch: Mariko Minoguchi
Musik: Yu-Chun Huang
Kamera: Felix Pflieger
Besetzung: Nina Hoss, Precious Mariam Sanusi, Barbara Petritsch

Bilder

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Die andere Seite
fazit
„Die andere Seite“ handelt von einer Frau, die als Kranke in einer Virus-Pandemie als Ausgestoßene durch die Gegend streift. Der Film ist dabei weniger Abenteuer als vielmehr ein Drama, das sich für mehr Menschlichkeit stark macht. Das wird manchen zu wenig Handlung sein, geht aber auch zu Herzen.
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