
Die erfolgreiche Krimiautorin Jung Yul-hee (Kim Joo-ryoung) zieht nach ihrer Scheidung gemeinsam mit ihrer Teenager-Tochter So-hee (Choi Myung-bin) in ein abgelegenes Haus. Der Ortswechsel soll nicht nur als Rückzugsort für das Schreiben eines neuen Romans dienen, sondern auch die angeschlagene Mutter-Tochter-Beziehung stabilisieren. Diese erweist sich jedoch als fragil: So-hee ist verschlossen, ängstlich und sozial isoliert, während Yul-hee zwischen beruflichem Ehrgeiz und mütterlicher Fürsorge zu schwanken scheint. Ein einschneidendes Ereignis verschärft die Spannungen zusätzlich.
In diese ohnehin labile Konstellation tritt die Studentin Mi-jee (Han Ji-Hyun), die sich zunächst mit So-hee anfreundet und sich bald als glühende Verehrerin von Yul-hees letztem Bestseller „Sisterhood“ entpuppt. Was als zufällige Begegnung beginnt, entwickelt sich rasch zu einer intensiveren Beziehung: Mi-jee zieht als Aushilfe ins Haus ein und integriert sich zunehmend in den Alltag der beiden. Doch ihre Präsenz bleibt nicht ohne Folgen. Subtil, aber zielgerichtet beginnt sie, die ohnehin brüchige Beziehung zwischen Mutter und Tochter zu beeinflussen – und möglicherweise zu manipulieren. Je enger sie sich an die beiden bindet, desto stärker drängt sich der Verdacht auf, dass Mi-jee eigene, verborgene Motive verfolgt.
Psychologischer Thriller mit Mystery-Elementen
Mit Sisterhood legt die südkoreanische Regisseurin Yoon Eun-kyoung nach Hotel Lake und The Tenants ihren dritten Spielfilm vor. Anders als ihre deutlich im Horrorgenre verorteten Vorgänger bewegt sich dieser Film primär im Feld des psychologischen Thrillers, ergänzt um dezente Mystery-Elemente. Der Titel hat dabei eine offensichtlich doppelte Bedeutungt: Zum einen ist es der Titel des erfolgreichen Romans der Protagonistin, aber ebenso verweist er auf das thematische Zentrum des Films – die komplexen, von Konkurrenz, Abhängigkeit und Projektion geprägten Beziehungen zwischen den drei weiblichen Figuren.
Diese Beziehungen sind von Beginn an von Instabilität gekennzeichnet. Besonders die Dynamik zwischen Mutter und Tochter wirkt von einem unausgesprochenen Ereignis aus der Vergangenheit überschattet, das bis in die Gegenwart nachwirkt. So-hees Zweifel an der Priorität ihrer Mutter – ob sie mehr geliebt wird als deren Arbeit – sind extremer als bei Teenagern üblich. Mi-jee fungiert dabei zunächst als Katalysator, der diese Beziehung scheinbar stabilisiert, indem sie So-hee aus ihrer Isolation löst. Doch diese Funktion kippt zunehmend in eine andere Richtung.
Ambivalente Beziehungsstrukturen
Auch die Beziehung zwischen Yul-hee und Mi-jee verschiebt sich rasch von einer klassischen Autorin-Fan-Konstellation in ein zunehmend irritierendes Abhängigkeitsverhältnis. Mi-jees Wunsch nach Anerkennung für eigene Schreibversuche geht über in eine beinahe invasive Nähe. Ihre fürsorgliche, fast bemutternde Haltung gegenüber Yul-hee wird von dieser zunächst dankbar angenommen, später jedoch mit wachsendem Unbehagen registriert – insbesondere, als Mi-jee beginnt, sich auch äußerlich ihrer Idolfigur anzunähern.
Der Handlungsraum des Films, das abgelegene Haus, wird dabei selbst zum bedeutungstragenden Element. Wie bereits in Yoons früheren Arbeiten spielt Architektur eine zentrale Rolle. Räume wirken hier nicht nur als Kulisse, sondern als Projektionsflächen psychischer Zustände. Flüchtige Erscheinungen im Garten oder vermeintlich reale Bedrohungen, die sich als Traum entpuppen, sollen eine Atmosphäre latenter Unsicherheit erzeugen. Allerdings bleibt die Inszenierung dieser Momente vergleichsweise konventionell, wodurch sich ein nachhaltiges Gefühl des Unbehagens nur eingeschränkt einstellt.
Vorhersehbar, aber gut gespielt
Zudem wird die narrative Zielrichtung des Films früh erkennbar. Die gelegentlich eingestreuten falschen Fährten vermögen es kaum, die Vorhersehbarkeit dieser Entwicklung entscheidend zu kaschieren. Die finale Wendung überrascht daher wenig und bestätigt eher die bereits angelegte Erwartungshaltung.
Dass Sisterhood, der auf dem Filmfest Bremen seine Deutschlandpremiere feierte, dennoch nicht in Beliebigkeit versinkt, ist maßgeblich den Darstellerinnen zu verdanken. Han Ji-hyeon verleiht ihrer Figur eine beständige Ambivalenz, die selbst in scheinbar harmlosen Momenten eine unterschwellige Bedrohlichkeit transportiert. Kim Joo-ryoung gelingt es, Yul-hee als eine Frau zu zeichnen, deren kontrollierte Fassade immer wieder Risse zeigt, hinter denen sich Schuld und Verdrängung abzeichnen. Choi Myung-bin wiederum bringt in die Rolle der So-hee eine bemerkenswerte Sensibilität ein und verleiht der Figur, obwohl sie die dramaturgisch begrenzteste der drei Hauptfiguren ist, eine glaubhafte emotionale Präsenz.
OT: „Sisterhood“
Land: Südkorea
Jahr: 2025
Regie: Eun-kyoung Yoon
Buch: Eun-kyoung Yoon
Musik: Ki-heon Park
Kamera: Mon-su Baek
Besetzung: Joo-ryoung Kim, Ji-Hyun Han, Myung-bin Choi
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