Kapodistrias
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Kapodistrias – Der Gouverneur

„Kapodistrias“ // Deutschland-Start: 16. April 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Ioannis Kapodistrias (Antonis Myriagos) ist Diplomat im Dienst des russischen Zaren Alexander I. (Dimitris Gerorgiadis), ein politischer Taktiker von europäischem Rang und zugleich ein Mann, dessen Blick stets auf die Befreiung seiner griechischen Heimat gerichtet bleibt. Auf dem Wiener Kongress verhandelt er im Namen Russlands klug und erfolgreich, erwirbt sich Ansehen in den Machtzentren Europas und steigt schließlich zum Außenminister auf. Doch während er auf dem diplomatischen Parkett gegen mächtige Gegenspieler wie den österreichischen Kanzler Metternich (Finbar Lynch) besteht, verliert er nie das Ziel aus den Augen, Griechenland aus der Herrschaft des Osmanischen Reiches zu lösen. Nach der errungenen Unabhängigkeit kehrt er zurück, übernimmt als Gouverneur Verantwortung für den jungen Staat und beginnt mit dem Aufbau von Verwaltung, Militär, Bildung und Wirtschaft. Sein kompromissloser Reformwille bringt ihm jedoch nicht nur Bewunderung, sondern auch erbitterte Feindschaft ein – bis hin zu seinem gewaltsamen Ende

Unkritisches Biopic

Mit Kapodistrias widmet sich Regisseur Iannis Smaragdis einmal mehr einer historischen Figur von nationaler Strahlkraft. Seit den 1990er Jahren hat er sich auf biografische Stoffe spezialisiert, die zentrale Persönlichkeiten der griechischen Geschichte und Kultur in den Mittelpunkt stellen. Filme über den ersten Olympiasieger der Neuzeit im Marathon Spyros Louis, den Maler El Greco oder Alexis Sorbas-Autor Nikos Kazantzakis markieren dabei Wegpunkte eines Œuvres, das sich dezidiert als kulturelle Selbstvergewisserung versteht. Auch sein jüngster Film fügt sich nahtlos in diese Reihe ein – und wurde in Griechenland folgerichtig mit großem Publikumszuspruch aufgenommen.

Doch gerade diese programmatische Ausrichtung erweist sich als zweischneidig. Kapodistrias ist ein klassisches, streng linear erzähltes Biopic, das weniger an einer kritischen Durchdringung seiner Figur interessiert scheint als an deren feierlicher Erhöhung. Smaragdis inszeniert seinen Protagonisten als nahezu sakrale Gestalt, als von höherer Hand berufenen Erlöser, dessen Leben sich ganz im Zeichen von Opferbereitschaft und nationaler Mission vollzieht. Diese ästhetische und narrative Entscheidung führt den Film in die Nähe einer Hagiographie, in der Ambivalenzen kaum vorgesehen sind und Widersprüche systematisch ausgeblendet werden.

Besetzung hui – Bildgestaltung pfui

Dabei ist die Besetzung der Titelrolle durchaus ein Gewinn. Antonis Myriagos verleiht Kapodistrias Charisma und Gravitas, arbeitet mit ruhiger Präsenz und bedeutungsschweren Blicken. Doch das Drehbuch gesteht ihm kaum Momente zu, in denen sich hinter der historischen Ikone ein Mensch mit Brüchen zeigen dürfte. Der Held bleibt makellos – und damit unnahbar. Im Gegenzug geraten die Gegenspieler, allen voran Metternich und die lokalen Machteliten Griechenlands, zu schemenhaften Antagonisten, deren Konturen kaum über ihre dramaturgische Funktion hinausreichen.

Auch formal wirkt der Film wie aus der Zeit gefallen. Die Inszenierung bedient sich eines vertrauten Repertoires historischer Erzählweisen, das eher an das Kino der 1970er- und 1980er-Jahre erinnert als an zeitgenössische Sehgewohnheiten. Visuell fehlt es an Mut zur eigenen Handschrift; besonders die in Kerzenlicht getauchten Innenräume in Griechenland hinterlassen weniger Atmosphäre als den Eindruck unentschlossener Gestaltung. Was als mangelnde Pracht gedacht sein mag, verschwimmt allzu oft im Halbdunkel.

Eine unbestreitbare Stärke ist hingegen die Musik von Minos Matsas. Sein Score verleiht dem Film emotionale Tiefe, das zentrale Thema entfaltet eine einprägsame, fast hymnische Qualität, die dem Pathos der Inszenierung zumindest akustisch gerecht wird.

Riesenerfolg in Griechenland

Der große Publikumserfolg in Griechenland – der Film hat mit Abstand sogar vor der internationalen Konkurrenz die meisten Besucher in die griechischen Kinos gelockt – erklärt sich also weniger aus der filmischen Form als aus der Strahlkraft der erzählten Geschichte. Kapodistrias, als Gründungsfigur des modernen Staates verehrt, erhält hier sein filmisches Denkmal. Für ein patriotisch gestimmtes Publikum mag das genügen. International jedoch dürfte diese Form der Verehrung auf Distanz stoßen: zu konventionell die Mittel, zu eindeutig die Perspektive.

Und dennoch bleibt ein positiver Nebeneffekt: Wenn solche Produktionen im Original in deutschen Kinos laufen, könnten sie dazu beitragen, dem griechischen Kino auch hierzulande mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. Ähnlich wie es dem türkischen oder arabischen Kino schon gelingt. Wünschenswert wäre es allemal – verbunden mit der Hoffnung, künftig auch Werke zu sehen, die nicht nur historisch bedeutsam, sondern auch ästhetisch wagemutiger sind.

Credits

OT: „Kapodistrias
Land: Griechenland
Jahr: 2025
Regie: Yannis Smaragdis
Buch: Yannis Smaragdis
Musik: Minos Matsas
Kamera: Aris Stavrou
Besetzung: Antonis Myriagos, Finbar Lynch, Nicorestis Chaniotakis, Pavlos Kourtidis, Sean James Sutton, Konstadinos Danikas, Errika Bigiou, Giorgos Floratos

Bilder

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Kapodistrias – Der Gouverneur
fazit
„Kapodistrias“ ist ein ehrfürchtiges, konventionell inszeniertes Biopic, das seine historische Figur zum makellosen Nationalheiligen stilisiert. Schauspiel und Musik überzeugen, doch fehlende Ambivalenz und visuelle Einfallslosigkeit begrenzen die Wirkung.
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