
Als der angesehene Rechtsanwalt Benjamin Gothe (Malte Sundermann) einen schweren Fahrradunfall erleidet und anschließend in ein künstliches Koma gesetzt werden muss, ist der Schock groß – umso mehr, da offensichtlich jemand bewusst das Fahrrad manipuliert hat. Hauptkommissarin Judith Mohn (Christina Hecke) und ihr Kollege Freddy Breyer (Robin Sondermann) gehen der Sache nach. Doch weder die am Boden zerstörte Ehefrau Monika (Franziska Hartmann) noch der Sohn Jakob (Manuel Santos) können ihnen weiterhelfen. Der Verdacht liegt nahe, dass dies mit dem Fall um den Narkosearzt Robert Sibelius (Christoph Bach) zusammenhängt, dem vorgeworfen wird, die 13-jährige Luisa durch Fahrlässigkeit getötet zu haben, und der von dem Toten vertreten wurde. Pikant: Offensichtlich weiß Judiths Freund Alain Montand (Pierre Kiwitt) mehr über die Sache, darf aber wegen der anwaltlichen Schweigepflicht nichts dazu sagen …
Klassischer Krimi
Üblicherweise müssen Fans der auf arte und im ZDF ausgestrahlte Krimireihe In Wahrheit ein bisschen warten, bis es Nachschub gibt. Die letzten Jahre zumindest gab es einen neuen Teil pro Jahr. Diesmal geht es schneller, da gibt es gleich zwei Filme im wöchentlichen Abstand. Vergangene Woche wurde Die Liebe und der Tod ausgestrahlt, ein komplexer Fall um eine Stalkerin, die womöglich ihren Ex ermordet hat und anschließend verschwunden ist. Nun folgt mit Verschwiegen der nächste Streifen, es ist der elfte Teil der Reihe. Leider kann dieser aber nicht die Qualität des Vorgängers beibehalten. Tatsächlich ist er deutlich schwächer.
Der Einstieg ist dabei recht klassisch. Am Anfang wird eine Leiche gefunden, danach muss herausgefunden werden, wer das Verbrechen begangen hat. Dass Fahrräder oder Fahrräder manipuliert werden, kommt in dem Genre immer mal wieder vor. Tatsächlich arbeitete Polizeiruf 110: Your Body My Choice kürzlich mit einem ganz ähnlichen Szenario, als die Angestellte einer Frauenärztin durch ein manipuliertes Fahrrad stirbt. Und auch In Wahrheit: Verschwiegen spielt in einem medizinischen Umfeld. Auf eine gesellschaftliche Komponente – beim genannten Krimikollegen ging es um Abtreibung – wird jedoch verzichtet. Zumindest anfangs ist das hier ein recht traditioneller Vertreter.
Groteske Wendung
Das muss kein Fehler sein. Tatsächlich ist der Part noch der gelungene. Zwar wird angedeutet, dass der Mord irgendwie mit dem anderen Fall um die tote Jugendliche zusammenhängt. Mit Daniel Bergmann (Moritz Führmann), dem Vater der an einer Blutvergiftung gestorbenen Jugendlichen, steht auch ein naheliegender Verdächtiger zur Verfügung. Und doch ist ebenso klar, dass das irgendwie anders sein muss, weil das alles nicht so wirklich Sinn ergibt. In Wahrheit: Verschwiegen arbeitet wie schon der letzte Film mit falschen Fährten und biegt dann auf einmal an einer völlig unvorhergesehenen Stelle ab. Wer sich gern überraschen lässt, wird so zumindest bedient.
Das bedeutet aber nicht, dass das Ergebnis auch tatsächlich gut ist. Zwar wird auf diese Weise doch noch ein gesellschaftliches Thema angesprochen, worüber man diskutieren könnte. Dieses als billigen Twist einzusetzen, ist aber unglücklich. Umso mehr, da der Film dabei auch noch so grotesk wird. Während manche Passagen tatsächlich zu Herzen gehen, sind andere eher lächerlich. Die Auflösung an sich ist dann auch noch bescheuert. Das ist mindestens schade, wenn nicht gar ärgerlich. Nachdem der letzte Teil eine deutliche Verbesserung darstellte, ist In Wahrheit: Verschwiegen wieder ein großer Rückschritt, der das vorhandene Potenzial fahrlässig wegwirft.
OT: „In Wahrheit: Verschwiegen“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Kirsten Laser
Drehbuch: Dinah Marte Golch, Isabell Serauky
Musik: Anna Kühlein
Kamera: Rodja Kükenthal
Besetzung: Christina Hecke, Robin Sondermann, Pierre Kiwitt, Franziska Hartmann, Picco von Groote, Christoph Bach, Manuel Santos, Moritz Führmann
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