Retribution
© STUDIOCANAL SAS - TF1 FILMS PRODUCTION SAS

Retribution

Retribution
„Retribution“ // Deutschland-Start: 14. September 2023 (Kino) // 1. Februar 2024 (DVD / Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Schon länger ist das Privatleben von Matt Turner (Liam Neeson) von Krisen geprägt. Die Ehe mit Heather (Embeth Davidtz) steht vor dem Aus, auch das Verhältnis zu seinen Kindern Emily (Lilly Aspell) und Zach (Jack Champion) ist nicht das beste. Immer wieder steht seine Arbeit als Investmentbanker im Vordergrund, worunter seine Familie zu leiden hat. Und so ist dann auch niemand überrascht, als er vergessen hat, dass er seine Kinder zur Schule fahren soll. Der sich daraus ergebende Streit ist aber bald das geringste Problem von Matt. Sehr viel beunruhigender ist, als ein Unbekannter bei ihm anruft und ihm sagt, dass sich eine Bombe in seinem Auto befindet. Sollte er aussteigen oder jemanden warnen, ginge diese hoch. Aber wer steckt hinter diesem Anschlag? Und was bezweckt derjenige damit?

Das dritte Remake des spanischen Thrillers

Zurzeit streiken in Hollywood Autoren und Autorinnen, weil sie bessere Bedingungen für sich einfordern und Angst haben, irgendwann durch eine künstliche Intelligenz ersetzt zu werden. Dabei hat man schon heute oft genug das Gefühl, dass eine solche manche Drehbücher schreibt, so beliebig, wie da Zeug zusammengeklaubt wird. Mit Retribution kommt nun ein besonders übles Beispiel bei uns in die Kinos. Grundlage hierfür liefert der spanische Thriller Anrufer unbekannt aus dem Jahr 2015. Der wurde 2018 schon mit Steig. Nicht. Aus! für den deutschen Markt neu gedreht. In Südkorea war es 2021 so weit, Hard Hit hieß das fernöstliche Remake. Und weil das natürlich noch nicht ausreicht, folgt nun die englischsprachige Ausgabe.

Zum Teil zumindest. Zwar spielt der Film in Berlin. Das hat aber nur Auswirkungen darauf, dass deutsche Autos herumfahren und hin und wieder die Stadt zu erkennen ist. Der Schauplatz bedeutet aber nicht, dass auch auf Deutsch gesprochen wird. Das betrifft nur die Nachrichten oder eine unbedeutende Nebenfigur, deren Sprachkenntnisse zudem dermaßen schlecht sind, dass man sie nur aus dem Kontext heraus als Deutsch erkennen kann. Die Hauptfiguren sprechen alle nur Englisch, selbst bei den Diskussionen mit der Polizei. Für eine Familie, die schon Jahre in der Stadt leben soll, ist das nicht übermäßig glaubwürdig. Aber zum einen ist bei Retribution nichts glaubwürdig, weder Figuren noch Geschichte. Und irgendwie passt es ja auch zu einem Protagonisten, der durch Selbstsucht charakterisiert wird, dass ihn die Sprache des Landes nicht interessiert.

Der dümmste Film des Jahres?

Klar, für einen temporeichen Thriller sind solche Punkte nicht übermäßig relevant. Dass man überhaupt Zeit hat, sich darüber zu wundern oder gar zu ärgern, liegt auch daran, dass der Film sterbenslangweilig ist. Das fängt schon damit an, dass man zum Protagonisten mal wieder nur zu sagen hatte, dass er von seiner Arbeit besessen ist und dabei seine Familie vernachlässigt. So etwas kommt in der realen Welt sicherlich vor. In Filmen ist das aber zu einem derart nervtötenden Klischee verkommen, dass man sich die Info auch gleich ganz sparen kann. Tatsächlich hätte es nichts geändert, wenn diese Konflikte nicht eingebaut worden wären. Das einzige Mal, wo sich Retribution tatsächlich mal so anfühlt, als wären da wirkliche Menschen unterwegs, sind die Streitereien zwischen den Geschwistern. Also die Szenen, die nichts mit dem Rest zu tun haben.

Über die vielen anderen Szenen, die nicht überzeugen, kann kaum gesprochen werden, ohne dabei zu spoilern. Nur so viel: Die Geschichte funktioniert hinten und vorne nicht. Selbst wer seine Ansprüche ziemlich weit herunterschrauben kann, wird von dieser geballten Idiotie beleidigt. Auch wenn das Jahr 2023 noch ein paar Monate vor sich hat, ist Retribution jetzt schon ein Anwärter dafür, der dümmste Film des Jahres zu sein. Und das will etwas heißen. Hier passt wirklich nichts zusammen, von der Fehlbesetzung mit Liam Neeson, der für die Rolle des Vaters von Schulkindern inzwischen einfach zu alt ist, über die haarsträubenden Reaktionen der Figuren bis zu der Auflösung des Mysteriums, wer dahintersteckt. Anfangs sieht es noch danach aus, als hätte der Film eventuell sogar etwas zu sagen, indem er eine skrupellose Heuschrecke zum Protagonisten macht. Doch dafür hätte es Konsequenz und Mut gebraucht, was in dieser internationalen Coproduktion aber offensichtlich keine Option war.

… und dann noch langweilig

Wenn denn wenigstens die Actionszenen etwas hermachen würden. Aber selbst das ist ziemlich mäßig, sofern überhaupt mal etwas geschieht. Die Folge: Man kann hier nur als großer Fan des Hauptdarstellers seinen Spaß haben. Der Rest darf dieses Abfallprodukt getrost ignorieren und darauf hoffen, dass die Drehbuch-Verhandlungen auch wieder zu besseren Geschichten führt. Schlimmer als das hier kann keine künstliche Intelligenz sein. Das Szenario an sich hätte dabei durchaus Potenzial gehabt, das haben andere ähnlich gelagerte Filme demonstriert. Offensichtlich hat in Retribution das aber niemand erkannt oder es war den Verantwortlichen schlichtweg egal. Man kann sich darüber streiten, welche Erklärung die schlimmere ist. Spaß macht das Rumgegurke so oder so nicht.

Credits

OT: „Retribution“
Land: USA, Frankreich, Deutschland, Spanien
Jahr: 2022
Regie: Nimród Antal
Drehbuch: Chris Salmanpour, Andrew Baldwin
Musik: Nicholas Pike
Kamera: Christian Sebaldt
Besetzung: Liam Neeson, Noma Dumezweni, Lilly Aspell, Jack Champion, Matthew Modine, Embeth Davidtz

Bilder

Trailer

Kaufen / Streamen

Amazon (DVD „Retribution“)
Amazon (Blu-ray „Retribution“)

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Retribution
fazit
Aller guten Dinge sind vier? Hier nicht. Mit „Retribution“ kommt nun schon das dritte Remake des spanischen Thrillers „Anrufer unbekannt“ heraus und ist trotz internationaler Besetzung ein Griff ins Klo. Das Drehbuch ist dermaßen beschissen, dass man vom bloßen Zusehen verblödet. Sofern man es überhaupt schafft wachzubleiben, was angesichts der sterbenslangweiligen Figuren und öden Handlung schon eine Leistung darstellt.
Leserwertung79 Bewertungen
4.9
3
von 10