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Die schönen Wilden

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„Die schönen Wilden“ // Deutschland-Start: 16. Januar 1976 (Kino) // 30. Juni 2022 (DVD / Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Eigentlich war bereits alles fix ausgemacht: Nelly (Catherine Deneuve) würde Vittorio (Luigi Vannucchi) heiraten. Dummerweise bekommt sie jedoch kurz vor der Hochzeit kalte Füße und wagt eine abenteuerliche Flucht, während der sie Martin (Yves Montand) kennenlernt. Der will mit der aufdringlichen Fremden eigentlich nichts zu tun haben und wäre sie am liebsten sofort wieder los. Zu seinem Entsetzen muss er jedoch feststellen, dass sie ihm auf seine einsame Insel gefolgt ist, wo er die meiste Zeit über lebt. Schlimm genug, dass er sich nun mit der Frau herumplagen muss, ist ihr der wutentbrannte Ex-Verlobte noch immer auf den Fersen. Und dann wäre da noch ihr früherer Chef Alex (Tony Roberts), dem sie ein wertvolles Gemälde gestohlen hat, als Ausgleich für noch ausstehende Gehaltszahlungen …

Der Anfangs eines preisverdächtigen Laufs

Catherine Deneuve gehört ohne jeden Zweifel zu den ganz großen des französischen und europäischen Kinos. So war sie beim César, dem wichtigsten Filmpreis ihres Heimatlandes, gleich 13 Mal als beste Hauptdarstellerin nominiert. Während einige dieser Titel heute als große Klassiker gelten, darunter Die letzte Metro (1980) oder Indochine (1993), ist Die schönen Wilden (1975) heute eher in Vergessenheit geraten. Dabei handelte es sich um den Film, mit dem sie das erste Mal im Rennen war um die begehrte Auszeichnung. Allein deshalb schon ist das Werk noch immer einen Blick wert. Man will doch schließlich wissen, wie ihr über vier Jahrzehnte dauernde Filmpreis-Lauf eigentlich angefangen hat. Es gibt aber auch andere Gründe, noch einmal mit ihr und ihrem Filmpartner Yves Montand (Vier im roten Kreis) eine Reise auf die einsame Insel zu wagen.

Die Geschichte gehört nur bedingt dazu. Regisseur Jean-Paul Rappeneau, der zusammen mit seiner Schwester Elisabeth sowie Jean-Loup Dabadie das Drehbuch geschrieben hat, zeigt wenig Interesse für Glaubwürdigkeit. Das ist alles ziemlich überzogen und an den Haaren herbeigezogen. Es ist zudem inhaltlich dünn, wenn ein Großteil des Films nur aus Streitereien besteht. Die schönen Wilden versucht erst gar nicht, etwas Interessantes zu erzählen. Dasselbe gilt für die Figuren, die alle nur schematisch gezeichnet sind. Mann erfährt nicht viel über sie, es gibt auch keine nennenswerte Entwicklung. Das Einzige, was sich im Laufe der rund 100 Minuten verändert: Die beiden Hauptfiguren entwickeln Gefühle füreinander. Und das ist so vorhersehbar, dass man es kaum erwähnen muss, zumal Rappeneau nicht viel Zeit in die Annäherung investiert.

Idyllisches Chaos

Das klingt jetzt alles sehr negativ und würde bei vielen Filmen auch ein erhebliches Manko darstellen. Bei Die schönen Wilden ist das aber irgendwie alles nicht so wild. Vielmehr besteht der Spaß darin, wenn hier lauter bekloppte Leute sich gegenseitig das Leben schwermachen. Mit Martin hat man als Zuschauer bzw. Zuschauerin noch irgendwo Mitleid, da er eigentlich nur seine Ruhe haben will und seine Hilfsbereitschaft ihm nur Ärger einbringt. Immer wieder versucht er, die aufdringliche Nelly loszuwerden, nur um sie dann doch wieder am Hals zu haben. Das wäre weniger schlimm, wenn sie seinen Wunsch nach Ruhe wenigstens respektieren würde. Ständig aber knallt es. Wann immer in der Komödie zwei Menschen zusammenkommen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie sich gegenseitig beschimpfen oder gleich ganz an die Gurgel gehen.

Das kann man dann primitiv finden, vielleicht auch repetitiv. Aber es unterhält. Der Wunsch nach einer schönen, idyllischen Welt wird hier regelmäßig in Schutt und Asche gelegt, später ohnehin als reine Illusion entlarvt. Wobei die Bilder trotz allem einiges fürs Auge bieten: Der zum Teil auf den Bahamas gedrehte Film verwöhnt das Publikum mit reizvollen Settings, die in einem starken Kontrast stehen zu dem turbulenten Treiben. Das lebt von der Optik, lebt aber auch von der Besetzung: Die schönen Wilden ist eine gut gelaunte Nichtigkeit, bei der es ständig drunter und drüber geht. Ob man dafür nun einen Schauspielpreis verleihen muss, darüber kann man sich streiten. Erinnerungswürdig ist der Auftritt von Deneuve, die sonst eher als unterkühlte Schönheit gebucht war, aber sicherlich, wenn sie hier zu einer lauten Furie wird und jeden Raum für sich beansprucht – und sei es der einer einsamen Insel.

Credits

OT: „Le Sauvage“
Land: Frankreich, Italien
Jahr: 1975
Regie: Jean-Paul Rappeneau
Drehbuch: Jean-Paul Rappeneau, Elisabeth Rappeneau, Jean-Loup Dabadie
Musik: Michel Legrand
Kamera: Pierre Lhomme
Besetzung: Yves Montand, Catherine Deneuve, Luigi Vannucchi, Tony Roberts, Dana Wynter, Bobo Lewis

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
César 1976 Beste Regie Jean-Paul Rappeneau Nominiert
Beste Hauptdarstellerin Catherine Deneuve Nominiert
Bester Schnitt Marie-Josèphe Yoyotte Nominiert
Beste Kamera Pierre Lhomme Nominiert

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Die schönen Wilden
fazit
„Die schönen Wilden“ ist etwas in Vergessenheit geraten, aber eine durchaus unterhaltsame Komödie um einen Einsiedler, der eine geflüchtete Braut an der Backe hat. Der Inhalt ist dünn und übertrieben, ebenso die Figuren. Doch wenn sich vor idyllischer Landschaft Leute ankeifen oder an die Gurgel gehen, ist das ein zeitlos-harmloser Spaß.
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