Der Staatsfeind Nr 1 Enemy of the State
© Touchstone Pictures

Der Staatsfeind Nr. 1

Der Staatsfeind Nr 1 Enemy of the State
„Enemy of the State“ // Deutschland-Start: 17. Dezember 1998 (Kino) // 1. April 2002 (DVD)

Inhalt / Kritik

Als der Ornithologe Daniel Lavitz (Jason Lee) das Band aus einer von ihm aufgestellten Videokamera an einem See herausholt, ahnt er nicht, dass sich darauf nicht nur die erhofften Vogelaufnahmen befinden. Stattdessen sieht er sich plötzlich von der NSA verfolgt – schließlich hat er unwissentlich einen ihrer Agenten (Jon Voight) dabei gefilmt, wie dieser den Mord an einem Politiker (Jason Robards) veranlasst, der sich gegen ein geplantes Überwachungsgesetz stellte. Lavitz will damit an die Presse, wird jedoch von der NSA gejagt. Als er während seiner Flucht zufällig auf seine Collegebekanntschaft Robert Dean (Will Smith) trifft, kann er diesem eine Kopie des Bands in die Tasche schmuggeln, bevor er überfahren wird. Robert, mittlerweile Anwalt, hatte Daniel seine Visitenkarte gegeben, wodurch er schließlich selbst in den Fokus der Behörde gerät. Da eine Hausdurchsuchung bei ihm ergebnislos bleibt, wird systematisch damit angefangen, Deans Leben zu ruinieren …

Seiner Zeit voraus

Wer Der Staatsfeind Nr. 1 im Jahre 1998 ernst nahm oder davor warnte, dass das alles gar nicht so unrealistisch sei, der wurde schnell als Verschwörungsspinner abgestempelt. Als Edward Snowden im Jahre 2013 der Welt einen Blick hinter die Kulissen ermöglichte, fielen gerade jene aus allen Wolken, die am lautesten über die Warnungen gelacht hatten. Eine unreflektierte Verurteilung von oben herab schadet nicht nur den Vorausschauenden, sondern spielt auch Subjekten in die Hände, welche sich anekdotische Evidenzen wie diese zunutze machen, um ihre kruden Hypothesen zu legimitieren. Ob Regisseur Tony Scott (Unstoppable – Außer Kontrolle) nun wirklich Alarm schlagen oder einfach nur eine spannende Geschichte erzählen wollte, soll dahingestellt bleiben.

Starke Besetzung

Der Staatsfeind Nr. 1 hat einen starken Cast zu bieten. Fans von Gene Hackman wird es vielleicht etwas stören, dass es beinahe eine Stunde dauert, bis er tatsächlich als zweite Hauptrolle in Erscheinung tritt. Allerdings ist das von der Story so vorgegeben und hätte anders kaum funktioniert. Hackman überzeugt hier unabhängig davon aber so wie in jedem anderen Film, bei dem er mitgewirkt hat. Die Besetzung von Der Staatsfeind Nr. 1 ist vor allem dahingehend interessant, dass hier viele Schauspieler auftauchen, die für gewöhnlich mit Komödien assoziiert werden. Will Smith war zu diesem Zeitpunkt in Bezug aufs Kino hauptsächlich für Bad Boys – Harte Jungs und Men in Black bekannt, bewies jedoch, dass er sich nicht nur in einem Thriller, sondern auch an der Seite von Hackman behaupten kann.

Ähnlich sieht es beim Nebencast aus: Seth Green, der ein Jahr zuvor größere Bekanntheit durch Austin Powers – Das Schärfste, was Ihre Majestät zu bieten hat erhalten hatte, überzeugt wie Jack Black (School of Rock) in einer kleineren Rolle. Jason Lee, dessen Figur den Stein ins Rollen bringt und Robert überhaupt erst in die ganze Sache hineinzieht, hätte nach Mallrats und Chasing Amy damals wohl auch eher niemand in einem Thriller erwartet. Mit Gabriel Byrne (Stigmata) ließ sich da schon eher rechnen, und auch wenn er ebenfalls nicht die längste Zeit anwesend ist, gibt er doch alles während seines Auftritts.

Bisschen lang

Während Der Staatsfeind Nr. 1 insgesamt ein solides Pacing aufweist, hätte er doch ein wenig kürzer sein können. Ein paar Nebenhandlungsstränge können schon irgendwie als insgesamt wichtig eingeordnet werden, hätten aber dennoch von einer zeitlichen Straffung profitiert. Das für Scott typische Editing ist ebenfalls überwiegend passend eingesetzt, fällt an manchen Stellen aber doch etwas zu störend auf. Hinsichtlich des übermäßigen Einsatzes der so genannten dutch angle-Einstellung sieht es ähnlich aus. Es gibt wohl kaum einen anderen Film von Tony Scott, der so sehr die Handschrift des Regisseurs trägt, und alle seine Markenzeichen akzentuiert zum Einsatz bringt.

Credits

OT: „Enemy of the State“
Land: USA
Jahr: 1998
Regie: Tony Scott
Drehbuch: David Marconi
Musik: Harry Gregson-Williams, Trevor Rabin
Kamera: Dan Mindel
Besetzung: Will Smith, Gene Hackman, Jon Voight, Lisa Bonet, Regina King, Stuart Wilson, Laura Cayouette, Scott Caan, Jason Lee, Gabriel Byrne, Jack Black, Seth Green

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.



(Anzeige)

Der Staatsfeind Nr. 1
Fazit
"Der Staatsfeind Nr. 1" wartet mit einem Thema auf, das erst Jahre nach seiner Veröffentlichung an enormer Brisanz gewinnen sollte. Darüber hinaus hat er einen spielfreudigen Cast zu bieten, welcher über das ein oder andere Pacingproblemchen hinwegzutäuschen vermag.
Leserwertung1 Bewertung
8.5
7
von 10