Seit du da bist TV Fernsehen Das Erste ARD Mediathek
©BR/Oberon Film/Alfons Kowatsch

Seit du da bist

Seit du da bist TV Fernsehen Das Erste ARD Mediathek
„Seit du da bist“ // Deutschland-Start: 14. Dezember 2016 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Die Freude ist groß bei Alina (Katharina Schüttler), als sie nach längerer Erwerbslosigkeit und vergeblichen Suchen doch noch eine neue Stelle findet. Nur bedeutet das auch, dass jemand anderes ihre Tochter Lilia (Allegra Tinnefeld) zum wöchentlichen Geigenunterricht fahren muss. Am Ende gelingt es der alleinerziehenden Mutter, ihren Ex-Freund Jarek (Manuel Rubey) für diese Aufgabe einzuspannen, auch wenn der erfolglose Maler wenig mit dem Kind anfangen kann – ein Gefühl, das auf Gegenseitigkeit beruht. Dass Jarek mit der Zeit Gefallen an der Gefälligkeit findet, liegt einerseits an der Annäherung mit der Neunjährigen. Aber auch deren Geigenlehrerin Clara (Martina Gedeck) ist daran nicht ganz unschuldig. Wäre da nur nicht Bertschi (Robert Palfrader). Der ist nicht nur der Mann von Clara, sondern auch ein renommierter Kunstsammler …

Ein Film ohne klares Ziel

Bei Filmen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ist oft nicht so ganz klar, was die eigentlich genau sein sollen. Schon die Einteilung in ein Genre kann dabei zu einer ziemlichen Herausforderung werden. Das muss nicht per se verkehrt sein, wilde Mischungen gibt es auch außerhalb der alteingesessenen Fernsehanstalten, zum Teil mit sehr interessanten Ergebnissen. Bei TV-Filmen hat man hingegen oft das Gefühl, dass niemand wirklich darüber nachdenken wollte oder alternativ in den Redaktionsgremien derart stark herumgewischt wurde, bis nichts mehr erkennbar ist und nur noch Minimalanforderungen erfüllt werden. Gerade die Grenzen zwischen Komödie und Drama sind oft willkürlich, weil die Geschichten derart unmotiviert vor sich hinplätschern.

Auch bei Seit du da bist wird bis zum Schluss nicht ganz klar, worum genau es hier eigentlich gehen soll. Das liegt einerseits mal wieder am Genre, das nicht wirklich bedient wird. So gibt es zwar humorvolle Passagen, ohne dass daraus aber eine Komödie würde. Zuweilen ist die Stimmung ernst, ein wirkliches Drama wird dennoch nicht draus. Die Einteilung in die Schublade Liebesfilm, wie man manchmal liest und was angesichts des Titels naheliegend wäre, passt aber ebenfalls nicht. Dabei gibt es für Hauptfigur Jarek sogar zwei potenzielle Love Interests. Da wäre zum einen seine Ex Anna, die offensichtlich auch nach der Trennung noch an ihn denkt. Und eben Clara, die zwar ein ganzes Stück älter ist als er, was inzwischen aber nicht mehr ein ganz so großes Tabuthema darstellt. Da darf sich das Publikum schon fragen: Mit wem kommt er zusammen?

Viele Themen und Motive

Regisseur und Drehbuchautor Michael Hofmann (Die Glücksspieler, Nimm du ihn) scheinst diese Frage hingegen weniger zu interessieren. Stattdessen packt er ein ganzes Füllhorn an Themen und Motiven aus, die sich mal mit dem beruflichen Umfeld der Figuren befassen, mal mit dem privaten. Ein größerer Punkt ist bei Seit du da bist die Suche nach künstlerischer Verwirklichung, welche gleich mehrere der Charaktere umtreibt – und mit einigen Rückschlägen verbunden ist. Es wird ein wenig über Geschlechterrollen gesprochen, gerade auch innerhalb von Beziehungen, wenn Bertschi mit einer wenig sympathischen Doppelmoral ankommt. Auch das Schicksal alleinerziehender Mütter wird angesprochen, wenn Alina an der Arbeitsrealität scheitert.

Das klingt mal wieder nach alles und nichts. Und doch ist Seit du da bist deutlich besser, als sich das oben anhört und man es von solchen Filmen gewohnt ist. Zum einen sind bei den diversen angesprochenen Themen durchaus welche dabei, über die es sich nachzudenken lohnt. Der mangelnde Fokus geht zudem mit einem angenehm zurückhaltenden Erzählstil einher. Und dann wäre da natürlich das illustre Ensemble, welches Hofmann um sich schart und von dem die deutsch-österreichische Produktion stark profitiert. Dank ihnen werden die verschiedenen Figuren tatsächlich greifbar genug, dass man ganz gern mit ihnen anderthalb Stunden verbringt – selbst wenn sich im Anschluss kein Gefühl einstellt, man habe wirklich etwas erfahren.

Credits

OT: „Seit du da bist“
Land: Deutschland, Österreich
Jahr: 2016
Regie: Michael Hofmann
Drehbuch: Michael Hofmann
Musik: Jules Kalmbacher
Kamera: Jo Molitoris
Besetzung: Manuel Rubey, Martina Gedeck, Allegra Tinnefeld, Katharina Schüttler, Robert Palfrader

Bilder

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.



(Anzeige)

Seit du da bist
Fazit
Wenn in „Seit du da bist“ ein erfolgloser Maler die Tochter der Ex zum Geigenunterricht fährt, verheddert sich der Film schnell in einer Vielzahl aus Themen, ohne je wirklich konkret zu werden. Und doch ist das Drama interessanter, als es sich anhört, was auch an dem illustren Ensemble liegt.
Leserwertung10 Bewertungen
3.2
6
von 10