Cyborg
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Cyborg

Cyborg
„Cyborg“ // Deutschland-Start: 22. Juni 1989 (Kino) // 24. November 2017 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

In einer nicht allzu fernen Zukunft ist die Welt nach einer Reihe von Naturkatastrophen sowie einer Pandemie ins Chaos versunken, sodass in weiten Teile der Erde Anarchie herrscht. Während vor allem Wissenschaftler und Ärzte nach einem Heilmittel für die nach wie vor grassierende Seuche forschen, haben Verbrecherbanden die Kontrolle über die Straßen an sich gerissen. Auf der Flucht begegnet Pearl Prophet (Dayle Haddon) dem „Slinger“ Gibson Rickenbacker (Jean-Claude Van Damme), dessen Familie vor vielen Jahren einer solchen Bande zum Opfer fiel und der seitdem auf Rache sinnt. Obwohl Gibson einige der Halbstarken abwehren kann, ist es ihm nicht möglich zu verhindern, dass Pearl in die Hände des Anführers Fender Tremolo (Vincent Klyn) fällt, der die junge Frau als eine Bedrohung ansieht. Sie birgt nämlich ein Geheimnis, was viele Leben retten könnte, hat sie doch Informationen, die dabei helfen könnte, ein Gegenmittel zu entwickeln. Fender will aber nicht nur Pearl töten, denn auch die Ärzte und Wissenschaftler in Atlanta stellen eine Bedrohung dar, sodass er und seine Gang, mit Pearls als Geisel, sich auf den Weg dorthin machen, um ein für alle Mal jegliche Hoffnung für die Menschheit zu vernichten.

Wieder zu sich gekommen, macht sich Gibson an die Verfolgung Fenders und dessen Männer, begleitet von der Kämpferin Nady (Deborah Richter), die in dem „Slinger“ eine Chance für ihr Überleben sieht. Für diesen steht jedoch weniger die Aussicht, die Welt zu retten, im Vordergrund, sondern vielmehr seinen Wunsch nach Rache, denn in Fender hat er ausgerechnet jenen Mann erkannt, der vor vielen Jahren seine Familie und seine große Liebe auslöschte.

Übermut und große Ambitionen

Zwischen 1979 und 1985 spricht man von der goldenen Ära der Produktionsschmiede Cannon Films, die unter der Führung von Menahem Golan und dessen Cousin Yoram Globus nicht nur eine unglaubliche Anzahl an Projekten unterschiedlicher Qualität veröffentlichte, sondern auch, angespornt durch den kommerziellen Erfolg dieser, große Pläne für die Zukunft hatte. So stand man in Verhandlungen mit Marvel Comics sowie dem Spielehersteller Mattel für Filme zu Spider-Man sowie zu He-Man, was aber aufgrund finanzieller Engpässe letztlich nicht zustande kam. Stattdessen durfte Regisseur Albert Pyun beim ersten Teil seiner Cyborg-Trilogie Regie führen, einem Projekt, welches zugleich Kapital schlagen sollte aus der beginnenden Popularität von Schauspieler Jean-Claude Van Damme, der nur ein Jahr zuvor mit Bloodsport einen ansehnlichen Erfolg für das Studio erzielt hatte.

Bei aller Kritik, die man einem Projekt wie Cyborg anbringen kann und die der Film, zumindest in der für diese Rezension zugrundeliegenden Kinoversion, zur Zeit seiner Veröffentlichung en masse erhielt, scheint ein Verweis auf die Risiken einer solchen Geschichte angebracht. Der große Filmkritiker Roger Ebert lobte einmal die Tatsache, dass Cannon mit vielen seiner Produktionen nicht nur Risiken einging, sondern zudem auf eine lange Liste sehr unterschiedlicher Projekte zurückblicken konnte. Zwar trägt Cyborg mehr als eindeutig die Handschrift einer Low-Budget-Produktion, wie sie für Cannon durchaus üblich war. Doch zugleich erscheint die Mischung aus Action und Science-Fiction sehr anspruchsvoll, wenn auch etwas sperrig. Trotz (oder gerade wegen) der nicht zur Verfügung stehenden Mittel machte Pyun keinerlei Kompromisse bezüglich seiner Vision für die Geschichte, die bereits mit diesem ersten Teil deutlich macht, dass es sich um den ersten Teil einer sehr viel größer angelegten Story handelt, deren Universum noch längst nicht ausgeschöpft ist. Alleine die urbanen Kampfszenen machen diesen Umstand deutlich und profitieren eindeutig von der Erfahrung Van Dammes mit eben solchen Szenen.

Cyberpunk

Mag auch der Action-Aspekt klar im Vordergrund stehen, ist Cyborg doch zudem ein Vertreter des Cyberpunk, von dem es in den 1980ern außerhalb von Ridley Scotts Blade Runner nur sehr wenige Vertreter gab. Schade nur, dass gerade dieser Punkt in der von Pyun scheinbar favorisierte Fassung, die vor einigen Jahren unter dem Titel Slinger ins Heimkino kam, nicht nur präsenter ist, sondern das Endergebnis zu einem eindeutig interessanteren Film macht. In der Kinofassung ist Cyborg in Nuancen interessant, doch spult für einen Großteil doch nur jene Kampfszenen ab, die man bereits zur Genüge von anderen Projekten Van Dammes kennt. Dessen Lustlosigkeit wird an dem bewusst stoischen Spiel als Gibson Rickenbacker deutlich, was besonders die dramatischen oder stillen Szenen bisweilen zu einer wahren Tortur macht. Dennoch ist seine Darstellung im Gegensatz zu so mancher Overacting-Eskapade seiner Mitspieler noch halbwegs erträglich.

Credits

OT: „Cyborg“
Land: USA
Jahr: 1989
Regie: Albert Pyun
Drehbuch: Kitty Chalmers
Musik: Kevin Bassinson
Kamera: Philip Alan Waters
Besetzung: Jean-Claude Van Damme, Deborah Richter, Vicent Klyn, Alex Damiels, Dayle Haddon, Blaise Loong, Ralf Moeller

Trailer

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Cyborg
Fazit
„Cyborg“ ist eine Mischung aus Science-fiction und Action. Albert Pyuns Films hat eine gute Grundidee und lässt sich auch von seinem niedrigen Budget nicht abschrecken, diese Vision umzusetzen, doch es mangelt zum eine an dem nötigen Talent auf Seiten der Besetzung wie auch der nötigen Konsequenz, sodass der Film in seiner Kinofassung eine leidlich überzeugender Actionfilm bleibt, wie man sie in den 80er zur Genüge und meist auch besser gesehen hat.
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