Verabredungen mit einem Dichter Michael Krüger
© Real Fiction

Verabredungen mit einem Dichter: Michael Krüger

„Verabredungen mit einem Dichter: Michael Krüger“ // Deutschland-Start: 22. September 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Michael Krüger schreibt schon sein gesamtes Leben Gedichte, Erzählungen, Novellen und Übersetzungen. Sein Werk umfasst dabei eine ellenlange Liste im Rahmen der letzten 46 Jahre. Der deutsche Dokumentarfilmer Frank Wierke will mit seinem Werk Verabredungen mit einem Dichter: Michael Krüger, welches auf dem DOK.fest München 2022 läuft, nun einmal die Zeit Revue passieren lassen. Dafür begleitete er den Dichter fast ein ganzes Jahrzehnt. Dokumentarisch sehr minimalistisch ausgestattet, hält er so die weit zurückreichenden Erfahrungsberichte des Lyrikers fest.

Der Alltag des Dichters

Schier unzählige Bücher zieren die Regale von Michael Krüger. Darunter: Eisenstein, Kafka, Heine, Adorno. Da stellt sich schon die Frage, wie tickt so ein kreativer und belesener Verstand? Was ist sein Anspruch beim Schreiben? Wie hat sich seine Herangehensweise beim Verfassen in den Jahrzehnten verändert? Und was genau macht ein solcher Mensch den ganzen Tag überhaupt? Es gibt sicherlich einen ganzen Katalog, den man den Schriftsteller einmal abfragen könnte. Wierke verzichtet jedoch gänzlich darauf. Statt einem dichterischen Portrait, gleicht die Dokumentation eher einem persönlichen – der Titel müsste also strenggenommen eher lauten „Verabredungen mit einem Menschen“. Der Titel hält also nicht ganz, was er verspricht, da man weder Einblicke in Lyrik, noch in die Kreativität und der generellen Herangehensweise beim Schreiben dichterischer Werke bekommt – und wenn, dann nur sehr kurz. Vielmehr erweckt es den Eindruck einer alltäglichen Bestandsaufnahme, die nicht ausschließlich von Literatur geprägt ist, sondern auch viel durch das Spazierengehen und die Natur.

Geschichten der Vergangenheit

2013 angefangen, kam es so über die Jahre zu regelmäßigen Begegnungen zwischen dem Filmemacher und dem Dichter. Während dieser 300 bis 400 Bücher pro Jahr liest und neben seinen Tätigkeiten als Autor noch Verlage betreibt, Vorlesungen gibt und an Diskussionen teilnimmt, so bekommt man einen unscharfen Eindruck in solch ein vollgepacktes Leben. Durch die schwankende Ton- und Bildqualität plus Wackelkamera fühlt man sich so in einem Filmportrait über einen eher unspektakulären Alltag. Der im Titel benutzte Begriff „Verabredung“ entspricht aber nur bedingt der Wahrheit – sofern man eine Verabredung mit einem Dialog gleichsetzt. Vielmehr handelt es sich um ein fortlaufendes Selbstgespräch des Dichters. Ein Monolog, der – so erweckt es den Eindruck – an seine Enkel gerichtet sein könnte, besonders dann wenn Krüger die Geschichten aus der Kindheit Revue passieren lässt. Nur zwei-drei Fragen hört man einmal vom Regisseur, wodurch viele Fragen unbeantwortet bleiben.

Das Werk richtet sich mehr an ein Publikum, das sich bereits intensiv mit dem Werk Krügers auseinandergesetzt hat. Leute, die noch nie etwas von dem großen Dichter gelesen haben, könnten hingegen so einige Probleme bekommen, da man keine tiefen Einblicke in kreative Schaffensprozesse erhält – anders als in vergleichbaren Produktionen wie Why are we creative?.

Grau statt bunt

Wer den Anspruch hatte, hier etwas Literarisches dazuzulernen, wird daher wahrscheinlich ein wenig enttäuscht sein. Zwar geht es teilweise schon um Philosophie und Poetik, dies wird aber wenn dann nur oberflächlich angekratzt. Trotz des einen oder anderen intellektuellen Wortes erscheint Krüger dadurch als herkömmlicher Herr, der sich „nur“ sehr leidenschaftlich mit Literatur beschäftigt. Obwohl wir eine Menge Bücher zu Gesicht bekommen, wird aber keines so wirklich aufgeschlagen. Hätte es dies aber gebraucht? Möglicherweise nicht wirklich. Dennoch: Wierkes Werk lässt uns mit deutlich mehr Fragen als Antworten zurück.

Credits

OT: „Verabredungen mit einem Dichter: Michael Krüger“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Frank Wierke
Drehbuch: Frank Wierke
Musik: Erlend Apneseth
Kamera: Ralf Bücheler

Bilder

Trailer



(Anzeige)

Verabredungen mit einem Dichter: Michael Krüger
Fazit
Michael Krüger gilt als einer der bedeutendsten Verleger Deutschlands, ist im Herzen jedoch ein Dichter. Wie sieht aber das Leben so eines Menschens aus? Genau diese Frage bewegte auch Frank Wierke, der mit seiner Dokumentation genau dies festhalten will.
Leserwertung0 Bewertungen
0