They Call Us Ausländerteam
© MDR/Benjamin Kahlmeyer

They Call Us Ausländerteam

They Call Us Ausländerteam
„They call us Ausländerteam“ // Deutschland-Start: 22. Februar 2022 (ARD Mediathek)

Inhalt / Kritik

Wie so viele Amateurvereine im deutschen Fußball hat auch der SV Blau-Weiß Grana extremen Personalmangel. Als dann 2015 die Flüchtlingswelle nach Europa kommt, macht der Verein aus der Not eine Tugend und nimmt viele fußballbegeisterte Flüchtlinge auf. Die Dokumentation begleitet Grana nun auf dem Weg in die erste reguläre Saison nach der Corona-Pandemie, in der sich der Verein den Aufstieg in die nächsthöhere Spielklasse erhofft. Doch das multikulturelle Team scheint nicht allen Menschen zu gefallen, werden doch alltägliche Spielsituationen aufgrund von rassistischen Vorurteilen immer wieder aufgebauscht, was teilweise auch zu Boykotten führt. Der Weg der Mannschaft wird von vielen Faktoren beeinflusst, die in der knapp 65-minütigen Dokumentation ausführlich beleuchtet werden

Geschichten, die der Fußball schreibt

They call us Ausländerteam ist dabei ein Paradebeispiel für das enorme Potential des Fußballs, Menschen aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern zusammenzubringen. Der SV Blau-Weiß Grana ist ein inspirierendes Vorbild und zeigt perfekt, wie Völkerverständigung richtig funktioniert. Als Zuschauer erhält man den Eindruck, dass der Verein durch die vielen Spieler seine Identität nicht verloren, sondern viel eher neu gebildet und weiterentwickelt hat. So steht die sächsische Mannschaft deutlich für Völkerverständigung und Integration ein und spricht sich gegen Fremdenhass und Rassismus ein. Ein tolles Beispiel, dass einem in diesen durchaus schwierigen Zeiten immer wieder ein Lächeln auf die Lippen zaubern kann.

Die neuen Spieler sind dabei nicht nur bloße Produkte, die dem SC Blau-Weiß Grana die Existenz sichern sollen, sondern sind aus dem Vereinsleben mittlerweile nicht mehr wegzudenken. So lernen auch die alten Hasen der Mannschaft neue Impulse kennen, wie zum Beispiel afghanische Gerichte beim gemeinsamen Mittagessen oder afrikanische Musik in der Kabine vor dem Spiel. Alles in allem wird den Zuschauenden in They call us Ausländerteam ein beeindruckendes Bild vermittelt, von dem man sich erhofft, dass es so in allen deutschen Amateurvereinen zugeht.

SV Blau-Weiß Ghana

Doch wie es oft so ist, kann nie alles perfekt und friedlich sein. Die Dokumentation schildert eine enorme Fallhöhe zwischen positiven Eindrücken und dem in Deutschland leider immer wieder vorkommenden Rassismus. Nachdem sich bei einem Spiel im Jahr 2019 bei einem normalen Zweikampf ein Spieler der gegnerischen Mannschaft schwer verletzte, rückte so der involvierte Spieler vom SV Blau-Weiß Grana in den Fokus der Öffentlichkeit. Hass in den sozialen Medien, Kreuzfeuer der Presse und sogar Boykotte der anderen Vereine führten dazu, dass sich der sächsische Verein entscheiden musste, ob er seinen Weg so weiter geht. Glücklicherweise ließen sich die Funktionäre und Verantwortlichen nicht einschüchtern und unterstützen ihre Spieler auf jede erdenkliche Art.

Dieses Beispiel zeigt jedoch, dass im hier dargestellten deutschen Fußball und somit in der deutschen Gesellschaft immer noch veraltete Denkmuster existieren. Seien es offene Anfeindungen oder nur die Bezeichnung des Vereins als „SV Blau-Weiß Ghana“ – eine Fußballmannschaft nur auf die Nationalitäten seiner Spieler zu reduzieren ist immer fehl am Platz. Doch eine solche Art von Rassismus kommt im Amateurfußball leider nicht selten vor. Immer wieder wird über das „Temperament der Südländer“ oder die „Schnelligkeit der Afrikaner“ gesprochen. Diese Denke aus den Köpfen der Menschen zu verdrängen, gilt er zu erreichen. Dass das keineswegs einfach wird, zeigt die Dokumentation eindrucksvoll.

Credits

OT: „They call us Ausländerteam“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Vera Weber, Benjamin Kahlmeyer
Drehbuch: Vera Weber
Kamera: Benjamin Kahlmeyer
Mitwirkende: SV Blau-Weiß Grana

Bilder

Filmfeste

11mm 2022



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They Call Us Ausländerteam
Fazit
Die Dokumentation „They call us Ausländerteam“ ist ein zweischneidiges Schwert. Während auf der einen Seite ein inspirierendes Beispiel der Völkerverständigung und Integration gezeigt wird, ist ebenfalls immer noch eine deutliche Fremdenfeindlichkeit in der deutschen Gesellschaft zu verspüren. Die Dokumentation sensibilisiert, macht glücklich, aber auch genauso nachdenklich.
Leserwertung3 Bewertungen
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