Jack Reacher
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Jack Reacher

Jack Reacher
„Jack Reacher“ // Deutschland-Start: 3. Januar 2013 (Kino) // 6. Mai 2013 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Ein ruhiger sonniger Tag in Pittsburgh wird plötzlich durch mehrere Schüsse überschattet. Was bleibt sind 5 tote Menschen, die von einem unbekannten Scharfschützen kaltblütig ermordet wurden. Der Täter, ein ehemaliger Soldat namens James Barr (Joseph Sikora), scheint dabei schnell überführt zu sein, hat er am Tatort doch unumstößliche Beweise hinterlassen. Doch warum gesteht er dann seine Tat nicht, sondern verlangt nach einem mysteriösen Mann mit dem Namen Jack Reacher (Tom Cruise)? Noch bevor die Polizei unter der Leitung von Detective Emerson (David Oyelowo) und Staatsanwalt Alex Rodin (Richard Jenkins) ihn ausfindig machen können, tritt Reacher selbst auf den Plan. Er ist ehemaliger Militär-Polizist, meist nahezu unauffindbar und in den Nachrichten auf Barrs Fall aufmerksam geworden. Ausgehend von seinem guten Ruf als Ermittler scheint Reacher an der Schuld des Ex-Soldaten zu zweifeln, sodass er gemeinsam mit der Anwältin des Angeklagten Helen Rodin (Rosamund Pike) eigene Ermittlungen anstellt. Da seine Methoden meist eher unkonventionell erscheinen und nicht selten am Rande des Erlaubten stattfinden, entspinnt sich ein packender Actionthriller voller Intrigen und Feindseligkeiten.

Die Kunst der Stille

Jack Reacher ist dabei kein stumpfer Actionfilm voll von Schlägereien, Gefechten und roher Gewalt, sondern bietet durchaus ein ernstzunehmende Kriminalgeschichte mit unerwarteten Wendungen, sowie der nötigen Härte und Erbarmungslosigkeit eines kohärenten Thrillers. Die zahlreichen Dialoge sind zügig und treffend geschrieben, haben somit auf jeden Fall ihre Daseinsberechtigung und verlieren nie den Fokus auf das große Ganze. Manch andere Genrevertreter meistern diese Balance zwischen Action und Dialogen nicht ganz so souverän und scheitern nicht selten an dieser Hürde.

Jack Reacher weiß vor allem zu Beginn, seine Zuschauer*innen gebannt an die Bildschirme zu fesseln. So sind die ersten 10 Minuten ein extrem stimmungsvoller Einstieg in das Seherlebnis, rund um ein kühles und gnadenloses Amerika. Das liegt auch daran, dass Regisseur Christopher McQuarrie sich gut darin versteht, die Kunst der Stille zu nutzen und seine inszenatorisch starke Exposition nicht mit unnötigen Dialogen zu überlagern. Jack Reacher erzählt durchs bloße Zeigen und das mit unangenehmer Genauigkeit im Hinblick auf die grausame Thematik. Das Attentat wird ungeschönt dargestellt, zeigt den Scharfschützen bei der Präparation, sowie der Ausführung und lässt dabei kein gesprochenes Wort vermerken, um bloß keine Ablenkung vom Gezeigten zuzulassen. Die Stille wird lediglich durch die knallenden Schüsse des Scharfschützengewehrs zerrissen, was die Brutalität und Erbarmungslosigkeit der nächsten 120 Minuten stark verdeutlicht.

One-Man-Show

Auch die Hauptfigur des Filmes wird mit einer bemerkenswerten inszenatorischen Sicherheit etabliert. Jack Reacher ist ein Draufgänger, ein Ex-Militär mit herausragenden Fähigkeiten und ein irgendwie ungreifbarer und unauffindbarer Mann. Er hat keinen Führerschein, keinen Wohnsitz und seit zwei Jahren weiß niemand mehr so richtig, wo er sich aufhält. Das alles wird den Zuschauenden erzählt, ohne dass diese seine komplette Statur zu Gesicht zu bekommen. Dadurch wird der Protagonist zur glorifizierten und mysteriösen Figur, zum Heilsbringer in dunklen Zeiten und zum Retter in der Not. Dass Mundpropaganda zur Etablierung und Charakterisierung von heroischen und besonderen Figuren genutzt wird, ist in Filmen keine Seltenheit, funktionieren tut das Ganze allerdings immer wieder sehr wirkungsvoll.

Und wie es der Zufall natürlich will, ist Jack Reacher dann auch der besagte, kämpferisch begabte Mann. Trotz seiner außerordentlichen Fähigkeiten prägt die von Tom Cruise gespielte Figure allerdings eine moralische Ambivalenz. Reacher kämpft zwar für die gute Seite des Gesetzes, macht aber immer wieder Gebrauch von roher Gewalt und begeht auch sonst das ein oder andere Verbrechen. So gesehen ist Jack Reacher ein Musterbeispiel vom Sprichwort „Der Zweck heiligt die Mittel“. Diese Haltung soll zwar durch die Figur der Helen Rodin irgendwie hinterfrag und kritisiert werden, verebbt aber zu häufig in abgedroschenen One-Linern seitens Reacher. Der Film dreht sich eben zu 100 Prozent um seine Hauptfigur.

Credits

OT: „Jack Reacher“
Land: USA
Jahr: 2012
Regie: Christopher McQuarrie
Drehbuch: Christopher McQuarrie
Vorlage: Lee Child
Musik: Joe Kraemer
Kamera: Caleb Deschanel
Besetzung: Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, David Oyelowo, Werner Herzog, Jai Courtney, Vladimir Sizov, Joseph Sikora

Bilder

Trailer

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Jack Reacher
Fazit
„Jack Reacher“ ist ein grundsolider Genrevertreter der Actionfilme, erfindet das Rad aber keineswegs neu. Gerade die Brutalität, sowie einige inszenatorische Kniffe sorgen allerdings für eine packende Immersion, die den Film zu einer kurzweiligen und spannenden Seherfahrung machen.
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von 10