Die Frau meines Bruders La femme de mon frère
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Die Frau meines Bruders

Die Frau meines Bruders La femme de mon frère
„Die Frau meines Bruders“ // Deutschland-Start: 9. Mai 2022 (arte)

Inhalt / Kritik

Eigentlich bringt Sophia (Anne-Elisabeth Bossé) alles mit, was es für eine Karriere braucht. Sie ist bestens ausgebildet, ist hoch motiviert. Aber eben auch arbeitslos: Als sie eine angestrebte Stelle an einer Universität nicht bekommt, nistet sich die arbeitslose Akademikerin erst einmal bei ihrem Bruder Karim (Patrick Hivon) ein. Eigentlich klappt das ganz gut, die beiden verstehen sich. Problematisch wird es jedoch, als Sophia eine Abtreibung vornehmen lassen will und sich Karim dabei ausgerechnet in ihre Gynäkologin Eloïse (Evelyne Brochu) verliebt. Das stellt nicht nur die Welt des Frauenverführers auf den Kopf. Auch das Verhältnis der beiden Geschwister wird dadurch ist im Anschluss nicht mehr dasselbe …

Die Suche nach einem Platz

Als Schauspielerin fand Monia Chokri schon früh Anstellungen, ganz anders als ihre Protagonistin, spielte unter anderem in dem Drama Laurence Anyways und dem Horrorfilm Hungrig mit. Doch wie so viele aus ihrem Bereich entschied auch die Kanadierin irgendwann, dass die Schauspielerei allein ihr nicht reicht. Ein bisschen Regie führen muss auch noch drin sein. Tatsächlich drehte sie bereits mit Anfang 20 einen Kurzfilm namens Jemand ganz besonderes. 2019 folgte dann das von ihr inszenierte und verfasste Langfilmdebüt Die Frau meines Bruders. Auf einen eigenen Auftritte verzichtete sie dabei, obwohl ihre Hauptfigur eigentlich wie für sie gemacht gewesen wäre. Stattdessen überließ sie ihrer Landsfrau Anne-Elisabeth Bossé den Vortritt.

Eine schlechte Wahl war das nicht. Es gelingt Bossé gut, hier eine Frau darzustellen, die trotz guter Voraussetzungen irgendwie nichts auf die Reihe bekommt. Sophia ist dabei keine diese Figuren, die nur in den Tag hineinlebt und keine Ziele hat. Ziele hat sie durchaus. Sie hat auch dafür gearbeitet. Es hat nur nicht geklappt. Die Frau meines Bruders hat auf diese Weise durchaus etwas Tröstliches für all diejenigen im Publikum, denen es ähnlich ging oder geht. Der kanadische Film zeigt auf, wie man durch diese Welt schlingern kann. Wie man selbst mit Mitte dreißig nicht so richtig auf eigenen Beinen steht und damit klar die Erwartungen verfehlt, welche die Gesellschaft an einen hat. Nur weil dir alle sagen, dass du etwas erreichen musst, heißt das ja noch nicht, dass das am Ende bei allen funktioniert.

Verloren im Chaos

Auch andere Punkte des gesellschaftlichen Lebens packt Chokri im Vorbeigehen an. Während wir der Protagonistin folgen, die mit der für sie ungewohnten und unangenehmen Situation zu kämpfen hat, lernen wir eine Reihe weiterer Figuren kennen. Manche sind erfolgreich im Leben, andere eher weniger. Die Frau meines Bruders nimmt verschiedene Lebensläufe, um mit deren Hilfe den von Sophia zu beleuchten. Eine Frau, die sich danach sehnt, endlich einen Platz im Leben und der Welt zu finden, die aber irgendwie nie genug ist. Dass sie auch noch ihren Bruder zu verlieren droht, der für sie der Ansprechpartner in diesem Chaos war, droht dann auch noch das letzte bisschen Stabilität zu zerstören. Wenn nicht mal er noch da ist, wer denn dann?

Das ist eigentlich ein ziemlich trauriger Lebenszustand. Chokri begegnet dieser Sinnsuche aber mit einer größeren Portion Humor. Die Frau meines Bruders, das bei den Filmfestspielen von Cannes 2019 Premiere feierte, wechselt immer mal wieder vom ernsten zum heiteren. Der ist nicht immer ganz feinsinnig. Sophia neigt zudem ein wenig zur Hysterie. Aber es sind doch einige amüsante Szenen dabei. Und auch das Verhältnis der beiden Geschwister ist sehenswert, wenn die Tragikomödie von zwei ganz besonderen Menschen erzählt, die sich zueinander noch einmal finden und neu definieren müssen. An manchen Stellen meint man, dass das vielleicht ein wenig zu eng sein könnte – was auch mit Witzen verbunden wird. Der Film bekommt aber doch jedes Mal noch die Kurve.

Credits

OT: „La femme de mon frère“
Land: Kanada
Jahr: 2019
Regie: Monia Chokri
Drehbuch: Monia Chokri
Musik: Olivier Alary
Kamera: Josée Deshaies
Besetzung: Anne-Elisabeth Bossé, Patrick Hivon, Sasson Gabai, Evelyne Brochu, Mani Soleymanlou, Micheline Bernard, Magalie Lépine-Blondeau

Bilder

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Die Frau meines Bruders
Fazit
„Die Frau meines Bruders“ erzählt von zwei Geschwistern, die ein ganz besonderes Verhältnis haben – bis eine weitere Person in ihr Leben tritt. Die Tragikomödie zeigt dabei, wie man auch jenseits der dreißig noch durch die Welt straucheln kann, immer auf der Suche nach einem festen Platz.
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