ZERV – Zeit der Abrechnung TV Fernsehen Das Erste ARD
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ZERV – Zeit der Abrechnung

ZERV – Zeit der Abrechnung TV Fernsehen Das Erste ARD
„ZERV – Zeit der Abrechnung“ // Deutschland-Start: 22. Februar 2022 (Das Erste) // 25. März 2022 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Nur die Besten wurden nach der Wende für die neu gegründete Zentralstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität rekrutiert. Das Ziel: die Aufarbeitung der Verbrechen, die in der DDR begangen wurden. Aber der Einstieg ist schwierig. Als Peter Simon (Fabian Hinrichs) 1991 seinen ersten Arbeitstag antritt, fehlt es an allem. Nicht einmal das Telefon funktioniert. Und so wird ein Mann, der an der Auflösung der Nationalen Volksarmee mitarbeitete und eine Aussage treffen möchte, gleich wieder weggeschickt. Diese Entscheidung wird die in Berlin angesiedelte Behörde aber bald bereuen, als der potenziell wichtige Zeuge am nächsten Tag ermordet aufgefunden wird. Bei der Aufklärung muss Simon mit der Kriminalhauptkommissarin Karo Schubert (Nadja Uhl) zusammenarbeiten – worauf beide Seiten keine Lust haben …

Der Krimi als Zeitporträt

Auch wenn ein Krimi in erster Linie vom Publikum konsumiert wird, weil es herausfinden will, wer aus welchem Grund jemanden ermordet hat, so wird das Genre immer wieder gern genutzt, um auch etwas über die Gesellschaft zu verraten. Interessant sind dabei solche Titel, die eine historische Komponente haben und auf diese Weise zu einem Zeitporträt werden. Hinterland beispielsweise nimmt uns mit nach Wien unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg und erzählt von einem Land, in dem plötzlich alles anders wird und wo um den richtigen Umgang mit der Vergangenheit gerungen wird. Freies Land wiederum beschreibt das Deutschland nach der Wende im Kontext der Jagd auf einen Serienmörder. Und auch ZERV – Zeit der Abrechnung erzählt von der besonderen Zeit, als aus zwei Deutschlands eines werden sollte – was nicht immer so ganz funktionierte.

Bei der ARD-Serie wird der Konflikt zwischen West und Ost, der mehr als dreißig Jahre später noch immer nicht ganz gelöst wurde, im Rahmen einer West-Ost-Teamarbeit behandelt. Genauer ist es ein Team, das keines ist und keines sein will. Zu dem Zweck setzt ZERV – Zeit der Abrechnung auf maximalen Kontrast. Wo in früheren Polizei-odd-couple-Geschichten – etwa Beverly Hills Cop oder Lethal Weapon – ein betont lockerer und unkonventioneller Draufgänger mit einem strengeren Regelbefolger gepaart wird, sieht die Konstellation hier etwas anders aus. Schubert ist eine meinungsstarke und bodenständige Dampfwalze mit starkem Akzent, Simon ein überheblicher Exzentriker, der nur für seine Arbeit lebt. Dass das nicht gut gehen kann, ist klar. Soll es auch nicht: Geradezu zu Beginn wird Wert auf humorvolle Auseinandersetzungen gelegt, zum Zwecke der Unterhaltung.

Die Tragik der Vergangenheit

Eine reine Komödie ist ZERV – Zeit der Abrechnung jedoch nicht. Immer wieder gibt es recht tragische Momente, wenn es um vergangene Geschichten geht, um erlittenes Leid. Eine Nebenbehandlung betrifft beispielsweise einen Mann, der in der DDR aus politischen Gründen ins Gefängnis kam und dessen Tochter man ihm wegnahm. Die Serie beschreibt, wie er diese wiederfinden will, dabei aber größtenteils auf Gleichgültigkeit stößt. Auch an anderen Stellen kommt es zu Momenten, die zu Herzen gehen, zumal es in den sechs Folgen immer mal wieder menschelt. Gerade das Team, welches auf Mörderjagd geht, hat mit einigem zu kämpfen, was geschehen ist oder im Laufe der Ermittlungen geschehen wird. Da gibt es kaum mal einen glücklichen oder wenigstens ruhigen Moment.

Das ist durchaus unterhaltsam und hätte das Zeug für weitere Staffeln und Geschichten. Der eigentliche Fall ist dabei jedoch eher weniger interessant. Das Thema illegaler Waffenhandel wurde in den letzten Jahren so oft in Filmen und Serien aufgegriffen, kürzlich etwa Algiers Confidential – Ein paar Tage Licht, dass das als Aufhänger ein bisschen wenig ist. Zumal da auch kein origineller Einfall dabei ist, wie das Ganze ablaufen könnte. Wäre da nicht die besagte Zentralstelle und die besondere zeitliche Phase, welche den Kontext liefern, man würde sich kaum an den Inhalt erinnern. Dennoch, allein der Figuren wegen kann man hier reinschauen. ZERV – Zeit der Abrechnung hat dabei ein bekanntes Ensemble versammeln können, welches diese mit Leben füllt – darunter die immer verlässlichen Stammgäste Thorsten Merten und Rainer Bock. Das reicht dann zwar nicht ganz, um die inhaltlichen Leerstellen zu füllen. Man kann sich aber schon ganz ordentlich mit der Serie die Zeit vertreiben.

Credits

OT: „ZERV – Zeit der Abrechnung“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Dustin Loose
Drehbuch: Jens Köster, Kim Zimmermann, Gabriela Sperl, Michael Klette
Musik: Dürbeck & Dohmen
Kamera: Clemens Baumeister
Besetzung: Nadja Uhl, Fabian Hinrichs, Thorsten Merten, Fritzi Haberlandt, Leon Ullrich, Henriette Hölzel, Max Hubacher, Alina Stiegler, Rainer Bock

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ZERV – Zeit der Abrechnung
Fazit
„ZERV – Zeit der Abrechnung“ spielt kurze Zeit nach der Wende, wenn eine Behörde für DDR-Verbrechen und die reguläre Mordkommission gemeinsam ermitteln müssen. Für die Figuren und das Ensemble ist das schon sehenswert, die in Vergessenheit geratene Zentralstelle ist außerdem ein interessantes Thema. Der Fall um illegale Waffen ist jedoch nur mäßig spannend.
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von 10