Inhalt / Kritik

American Night

„American Night“ // Deutschland-Start: 14. Januar 2022 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich dachte John Kaplan (Jonathan Rhys Meyers), dass er endlich einen lang gehegten Traum wahr machen würde: eine eigene Galerie! Anstatt weiterhin Kunst zu fälschen, will er richtig dick ins Geschäft einsteigen. So zumindest war der Plan. Eine kleine Explosion später liegt dieser Traum aber schon wieder in Trümmern. Nichts geht mehr. Doch dann gerät er in den Besitz eines wertvollen Bildes, der ebenso berühmten wie verschollen geglaubten Pink Marilyn von Andy Warhol. Damit ließe sich jede Menge Geld machen. Dummerweise hat es aber auch Michael Rubino (Emile Hirsch) auf das Meisterwerk abgesehen. Und wie es sich für einen frisch gebackenen Gangsterboss gehört, der selbst einmal großer Künstler werden wollte, zeigt er keinerlei Skrupel dabei, das Bild in seinen Besitz zu bringen …

Ein Italiener auf Abwegen

Alessio Della Valle mag Italiener sein und seine Filme auch in seinem Heimatland produzieren. Zumindest seinem aktuellsten Werk American Night merkt man dies aber nicht. Nicht nur dass die Geschichte in den USA spielt, wie der Titel bereits verrät. Genauer steht mal wieder ein Ausflug nach New York an. Auch die Besetzung verzichtete er weitestgehend auf Leute von zu Hause. Die Hauptrollen übernehmen vielmehr ein Ire (Jonathan Rhys Meyers), ein US-Amerikaner (Emile Hirsch) und eine Spanierin (Paz Vega). Erst weiter unten in den Credits findet sich mit Maria Grazia Cucinotta tatsächlich eine Italienerin. Allerdings ist ihre Rolle so klein, dass man im Anschluss schon gar nicht mehr weiß, wer das gewesen sein soll.

Das hat maßgeblich auch mit der Erzählweise zu tun. Alessio Della Valle, der nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb, war offensichtlich der Ansicht, dass seine Geschichte besser wirkt, wenn sie möglichst in Scheiben geschnitten und wild zusammengestückelt wird, gerne fernab der Chronologie. Nicht nur dabei wird offensichtlich, dass sich der Filmemacher bei seinem dritten Langwerk an Quentin Tarantino und Guy Ritchie orientiert hat. Wenn zu Beginn mit groß angelegten Texten die Figuren eingeführt werden, dann darf man das als Verbeugung vor den großen Vorbildern ansehen. Oder als Ausdruck, dass eigene Ideen fehlen. American Night wirkt nicht nur in solchen Momenten so generisch, dass man auf Anhieb gar nicht sagen kann, ob man den Film nicht vielleicht doch schon vorher gesehen hat.

Viel Kunst, wenig Substanz

Ein Alleinstellungsmerkmal ist dabei der große Fokus auf die Kunst. Hier wird nicht nur ein Bild geklaut. Stärker noch als bei Das Schwarze Quadrat, bei dem sich zwei Kleinganoven mit einem millionenschweren Gemälde auf ein Kreuzfahrtschiff flüchten, sind die agierenden Figuren selbst Teil des Kunstbetriebes. Das bedeutet jedoch leider nicht, dass der Film wirklich viel zu Kunst zu sagen hätte. Da wird dann zwar mit Farben herumgekleckst und diskutiert, Substanz hat American Night aber keine. Das ist dann auch etwas, was man über den Thriller insgesamt sagen kann. Das Geschehen ist zwar stylisch in Szene gesetzt, der Neo-Noir-Thriller ist schon sehr darum bemüht, schicke Bilder anbieten zu können. Das kann sich dann auch sehen lassen. Einen ganzen Film füllt das aber nicht.

Das größte Problem ist dann auch, dass hier zwar viel geschieht, aber kaum etwas davon interessant ist. Tatsächlich ist American Night sogar recht langweilig, das ist hier alles zu bemüht. Nicht einmal das Ensemble kann wirklichen Eindruck hinterlassen. Sowohl Jonathan Rhys Meyers (Black Butterfly: Der Mörder in mir) wie auch Emile Hirsch (Freaks – Sie sehen aus wie wir) hat man schon mal überzeugender gesehen. Eine Katastrophe ist der Thriller am Ende sicher nicht. Zumindest teilweise erfüllt er schon seinen Zweck. Der Film ist nur nicht annähernd so cool, wie er gemeint war. Dafür hätte dann doch mehr Arbeit in das Drehbuch und die Figuren investiert werden müssen. So aber gibt es immer wieder längere Passagen, bei denen die Frage im Kopf Herumschwirrt: Warum genau sollte ich mir das eigentlich anschauen?

Credits

OT: „American Night“
Land: Italien
Jahr: 2021
Regie: Alessio Della Valle
Drehbuch: Alessio Della Valle
Musik: Marco Beltrami
Kamera: Ben Nott
Besetzung: Jonathan Rhys Meyers, Emile Hirsch, Jeremy Piven, Paz Vega, Michael Madsen, Maria Grazia Cucinotta

Bilder

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American Night
„American Night“ folgt einem Kunstfälscher und einem kunstbegeisterten Gangsterboss, wie sie um ein wertvolles Gemälde streiten. Das ist teilweise schon recht schick in Szene gesetzt. Die Geschichte und die Figuren sind dafür ziemlich langweilig. Daran können auch die zerstückelte Erzählung und die Betonung der eigenen Coolness wenig ändern.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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