Unter Verdacht - Evas letzter Gang
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Unter Verdacht: Evas letzter Gang

Inhalt / Kritik

Unter Verdacht - Evas letzter Gang
„Unter Verdacht: Evas letzter Gang“ // Deutschland-Start: 25. Oktober 2019 (Arte)

Nach vielen anstrengenden Jahren ist es so weit: Dr. Eva Maria Prohacek (Senta Berger) steht kurz vor der Pensionierung. Doch zum Abschluss bekommt sie es noch einmal mit einem außergewöhnlichen Fall zu tun. Ein Polizist hat sich vor den Augen der jüngeren Kollegin Sarah Weiss (Julia Franz Richter) erschossen, aus Liebeskummer, nachdem diese die Affäre beendet hat. Eigentlich scheint die Geschichte damit abgeschlossen zu sein. Doch dann trifft sie Sarahs Bruder Lukas (Anton Spieker), der sie darauf bringt, dass sie die zwei Geschwister von einem früheren Fall kennt. Zusammen mit ihrem langjährigen Kollegen André Langner (Rudolf Krause) macht sie sich auf die Suche nach Antworten, was wirklich hinter allem steckt …

Zurück zu den Anfängen

Irgendwann hat alles mal ein Ende, selbst eine so lange laufende Reihe wie Unter Verdacht. 2002 nahm die Geschichte um die Kriminalrätin, die in die Abteilung interne Entwicklungen wechselt, ihren Anfang. 17 Jahre später wurde diese mit Evas letzter Gang abgeschlossen, dem 30. Film. Diesen mit der Pensionierung der Hauptfigur zusammenzulegen, war dabei sicherlich passend. Der Krimi ist immer mit ein bisschen Wehmut verbunden, wenn zwangsläufig der Blick auf die Vergangenheit gerichtet ist. Schließlich geht eine Ära zu Ende, vor allem für eine Figur, die immer für ihre Arbeit gelebt hat und darüber hinaus wenig vorzuweisen hatte. Die sich auch immer mal wieder mit anderen angelegt hat, wenn es darum geht, ihren Kopf durchzusetzen. Beim Abschluss ist das nicht anders.

Bemerkenswert ist dabei jedoch, dass Unter Verdacht: Evas letzter Gang noch in einer zweiten Hinsicht zu einer Verarbeitung der Vergangenheit wird. Genauer nimmt der Fall Bezug auf die erste Episode Verdecktes Spiel, mit der die Reihe damals startete. Fortsetzungen sind im Krimibereich immer eine Ausnahmeerscheinung. Fortsetzungen, die erst 17 Jahre später entstehen, umso mehr. Dabei muss man den Auftakt nicht unbedingt kennen. Zwar baut der letzte Fall direkt auf dem ersten auf. Die notwendigen Vorkenntnisse werden jedoch gleich mitgeliefert. Auch bei den Figuren gibt es keine direkten Anknüpfungspunkte jenseits der Polizei. Die Kinder des damaligen Opfers sind inzwischen erwachsen und werden damit zwangsläufig von anderen verkörpert.

Nicht mehr als Durchschnitt

Eine solche Wiederaufnahme ist natürlich nicht ohne Charme, zumindest für Langzeitfans der Reihe, die hiermit zu den Anfängen zurückkehren und in Erinnerungen schwelgen dürfen. Lässt man diesen Bonus aber einmal weg, bleibt ein lediglich durchschnittlicher Film übrig. Das Geheimnis wird relativ schnell gelöst, das Publikum erfährt praktisch sofort, dass der Selbstmord mit dem alten Fall zusammenhängt. Wobei die Verbindung schon recht schwach ist. Unter Verdacht: Evas letzter Gang versucht irgendwie das Thema der psychischen Belastung bei der Polizei noch in den Krimi zu schmuggeln, tut das aber nur halbherzig. Prinzipiell ist der Selbstmord völlig überflüssig und wird lediglich dazu missbraucht, die eigentliche Geschichte einzuleiten. Selbst der moralische Aspekt wird schnell unter den Teppich gekehrt.

Bleiben noch die Figuren, die hier stärker im Vordergrund stehen. Dabei geht es vor allem natürlich um Prohacek, die auch zum Abschluss nicht sympathischer geworden ist. Sie ist überheblich, zwischenmenschlich wenig kompetent, mit Kritik kann sie auch nicht umgehen. Wenn die meisten Kollegen froh sind, sie endlich loszuwerden, dann hat das nicht nur berufliche Gründe. Es fehlt ihr auch an Energie. Ein bisschen lustlos streift sie umher, hat irgendwie auf nichts und niemanden mehr wirklich Bock. Kurz vor knapp wird zwar noch mal ein bisschen Gas gegeben, in einer Mischung aus Empörung und Pflichtbewusstsein. Tatsächlich spannend wird Unter Verdacht: Evas letzter Gang aber nicht, selbst wenn es zum Schluss noch mal brenzlig wird.

Credits

OT: „Unter Verdacht: Evas letzter Gang“
Land: Deutschland
Jahr: 2019
Regie: Andreas Herzog
Drehbuch: Stefan Holtz, Florian Iwersen
Musik: Sebastian Pille
Kamera: Wolfgang Aichholzer
Besetzung: Senta Berger, Gerd Anthoff, Rudolf Krause, Anton Spieker, Julia Franz Richter, Heinz-Josef Braun

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In ihrem letzten Fall wird die Protagonistin noch einmal an ihren ersten erinnert. Das ist dann zwar ein irgendwie netter Abschluss. Tatsächlich gut ist „Unter Verdacht: Evas letzter Gang“ aber nicht. Dafür fehlt es einfach an Spannung. Hinzu kommt, dass die interne Ermittlerin selbst zum Schluss eine so unangenehme Person ist, dass sich das Bedürfnis in Grenzen hält, Zeit mit ihr verbringen zu wollen.
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