Pino

Pino

Inhalt / Kritik

Pino
„Pino“ // Deutschland-Start: 3. Oktober 2021 (MUBI)

Als der italienische Künstler Pino Pascali 1968 an den Folgen eines Motorradunfalls starb, hinterließ er nicht nur ein beachtliches künstlerisches Erbe, sondern zudem eine Lücke in der Kunstwelt. Auf dem Höhepunkt seines Ruhmes, nach unzähligen Ausstellungen in seiner Heimat Italien wie auch in Kanada oder Deutschland, welche ihren Gipfel in einem eigenen Pavillon auf der Biennale in Venedig fand, hatte sich Pascali zwar den Themen der zeitgenössischen Kunst, in erster Linie der Pop-Art angenähert, sich aber gleichzeitig von diesen emanzipiert. Pascalis Werk ist vielschichtig und wird nicht ohne Grund von vielen Kritikern und Kennern der Szene bis heute als revolutionär angesehen, doch von allen Konzepten und Themen, die den Künstler zeit seines Lebens beschäftigten, war es letztlich in erster Linie das Meer, welches sich immer wieder in seinen Arbeiten wiederfand. Egal, ob in Werken wie Confluenze (1967) oder Coda di delfino (1966), das Meer, seine Kreaturen, seine Textur und dessen symbolischer Bezug zur spirituellen wie auch transzendenten Welt, sieht man in vielen Arbeiten Pacalis, der damit nicht zuletzt auch auf seien Herkunft aus einem italienischen Küstendorf verwies.

Jedoch ist das Meer nicht nur ein Thema seiner Kunst, denn im Falle Pascalis ist es letztlich auch als Metapher für ein Leben zu verstehen, welches die Freiheit suchte und ständig in einem Wandel begriffen war. Der bislang durch seine Arbeiten als Editor von Filmen wie Luca Guadagninos Call Me by Your Name bekannte Walter Fasano verfolgt in seiner ersten Regiearbeit Pino das Leben und Schaffen dieses Ausnahmekünstlers. Die Dokumentation, die derzeit exklusiv auf dem Streamingdienst MUBI zu finden ist, wurde bereits auf zahlreichen internationalen Filmfestivals wie dem Dublin Internaitonal Film Festival oder dem Pesaro International Festival of New Cinema gezeigt und wurde auf dem Torino Film Festival als Beste Italienische Dokumentation 2020 ausgezeichnet. Neben zahlreicher Archivaufnahmen sowie Bildern der Werke Pascalis an sich, ist die in Schwarz-Weiß gehaltene Dokumentation unterlegt von den Stimmen Suzanne Vegas, Alma Jodorowskys, Monica Guerritores und Michele Riondino, welche die einzelnen Stationen dieser Künstlerbiografie begleiteten, die Konflikte offenlegen und die scheinbar stetige Wandlung Pascalis beschreiben.

„Die Kunst ist ein System für den Wandel.“

Bereits früh zeigt sich in Pascalis Leben ein Thema, welches sein Leben und Schaffen bis an dessen Ende begleiten sollte, nämlich das Entdecken eines neuen Zusammenhanges oder Nutzen in einem Gegenstand, der eigentlich auf einen anderen Zweck beschränkt wurde oder diesen gar erfüllt hat und deswegen weggeschmissen wurde. Trotz der Enge des Ateliers, welches er sich zudem mit anderen Mitbewohnern teilen musste, häufte Pascali eine ganze Reihe solcher Gegenstände an, die, an die Wand gelehnt, an und für sich eine Art Kollektion bilden, neu arrangiert wurden und einen neuen Kontext bilden. Die fertigen Werke bilden dabei das Ende eines Prozesses der Verwandlung, den Pascali in seinem Leben immer wieder selbst vollzog, bisweilen sogar radikal, wenn er sich in einem destruktiven Akt seiner bisherigen Arbeiten aller entledigte und nur noch ein paar von diesen aufbewahrte, von denen einige in Pino zu sehen sind. Fasano versucht in seiner Dokumentation diesen Wandel nachzuvollziehen, wie er sich in der Kunst Pascalis zeigt, aber auch in seinem Leben an und für sich, was durchaus interessant und informativ ist, aber auch großen Mut zur Lücke beweist.

Es sind genau jene Leerstellen, jene Zwischenphasen der Metamorphose, welche Mittel wie das Voice-Over, Fasanos Schnitt oder die Bildsprache Pino Musis ausfüllen. So emanzipiert sich Pino von der strengen Chronologie einer Künstlerbiografie, wie man sie kennt, doppelt Bilder, wiederholt Gesagtes und lässt diese wie Echos der Vergangenheit wirken oder eine Zukunft, die noch nicht beschlossen ist, aber ihren Einfluss in diesen Bildern oder Kunstwerken zeigt. Immer wieder kehrt Fasano dabei zu dem Bild des Meeres zurück, mit dem er seine Dokumentation beginnt und welches ein Lebensmotiv für Pascali bildete.

Credits

OT: „Pino“
Land: Italien
Jahr: 2020
Regie: Walter Fasano
Drehbuch: Walter Fasano
Musik: Nathalie Tanner
Kamera: Pino Musi

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

„Pino“ ist eine informative und inspirierende Dokumentation über den italienischen Künstler Pino Pascali. Regisseur Walter Fasano begreift seinen Film dabei weniger als eine streng chronologische Nacherzählung, sondern eher wie eine Art Installation, welche die Themen eines Lebens und Schaffens vereint und interpretiert.
Leserwertung1 Bewertung
5