Inhalt / Kritik

Lakeview Terrace

„Lakeview Terrace“ // Deutschland-Start: 18. Dezember 2008 (Kino) // 19. Mai 2009 (DVD/Blu-ray)

Für Chris (Patrick Wilson) und Lisa Mattson (Kerry Washington) ist ein Traum in Erfüllung gegangen: Sie haben ihr erstes gemeinsames Haus! Doch diese Freude währt nur kurz. Grund dafür ist Nachbar Abel Turner (Samuel L. Jackson), ein verwitweter Polizist, der sehr genaue Vorstellungen davon hat, wie das in seinem Viertel zu laufen hat. Es zögert dann auch nicht lange, bis er den Neuankömmlingen ihre diverse Vergehen vorwirft, von zu lauter Musik bis zu einer unangemessen Freizügigkeit. Vor allem aber scheint es ihn zu stören, dass ein Weißer und eine Schwarze ein Paar sein sollen. Immer wieder kommt es trotz vereinzelter Annäherungsversuche zu Konflikten, bis die Situation völlig außer Kontrolle zu geraten scheint …

Von Rassismus und Polizeigewalt

In der letzten Zeit war es eines der wichtigsten gesellschaftlichen Themen, die in Filmen wieder und wieder aufgegriffen wurden: rassistisch motivierte Polizeigewalt. Die Art der Umsetzung konnte dabei sehr stark schwanken, da war vom Fantasyhorror (Body Cam – Unsichtbares Grauen) über Roadmovie (Queen & Slim) bis zum Science-Fiction-Kurzfilm (Two Distant Strangers) wirklich alles Mögliche dabei. Doch eines einte diese Werke, so unterschiedlich sie auch sein mögen. Immer geht es darum, wie ein weißer Polizist Schwarze drangsaliert, völlig exzessiv deren Rechte in Grund und Boden drückt oder gleich ganz tötet, in dem Wissen, dass ihnen nicht wirklich etwas passieren kann. Zu stark werden weiße Cops von der Justiz gedeckt.

Was aber, wenn die Rollen vertauscht sind? Wenn ein schwarzer Cop andere drangsaliert? Dass ein solcher immer ein bisschen zwischen den Fronten steht, wurde schon mehrfach thematisiert. Von anderen Dunkelhäutigen schnell als Verräter gebrandmarkt, von weißen Kollegen ausgegrenzt, können sie es selten anderen recht machen. Während aber beispielsweise Black and Blue aus einer solchen Figur, die zu allem Überfluss auch noch eine Frau ist, was mit einer anderen Form von Diskriminierung einhergeht, jemanden macht, der sehr zwiegespalten ist, ist Lakeview Terrace da eindeutiger. Abel ist reiner Antagonist, der seine Weltsicht anderen aufdrängen will, sei es durch abfällige Kommentare, gezielte Unannehmlichkeiten oder direkte Gewalt.

Inmitten lauter unsympathischer Leute

Nicht dass die anderen so schrecklich sympathisch wären. Tatsächlich sind sie alle auf ihre Weise irgendwie unangenehm, weswegen man zeitweise gar nicht mehr genau weiß, wem man da eigentlich noch die Daumen drücken soll. Doch das ist nicht zwangsläufig ein Manko. Vielmehr ist es interessant, wie Lakeview Terrace bei der Figurenzeichnung um Ambivalenz bemüht ist. Wenn Chris beispielsweise heimlich Hip Hop hört, dann geht es eben auch um kulturelle Aneignung. Lisa ist als Tochter aus reichem Haus blind für Rassismus, zeigt sich bei einem bestimmten Thema als sehr selbstsüchtig. Abel wiederum ist ein Außenseiter bei der Arbeit, was seine anti-sozialen Tendenzen nur noch weiter verstärkt.

Dieses vorsichtige Ausloten mehrerer Minenfelder ist recht interessant, wenn der Film immer wieder verdeutlicht, dass einfache Antworten nicht zu erwarten sind. Nur will Lakeview Terrace eben kein reines Drama um Rassismus und polizeiliche Übergriffe sein, um Identitätsfindung und Toleranz. Stattdessen steht zunehmend der Thrillerpart im Vordergrund. Anfangs sieht es noch danach aus, als könne man vielleicht irgendwie doch noch die Kurve bekommen nach einem schwierigen Start. Doch wie das nun einmal so ist, wenn zwei Männer aufeinandertreffen, die konträr sind, aber beide etwas zu beweisen haben: Das kann nicht gut gehen. Solange dieser Konflikt langsam gesteigert wird und die Intensität zunimmt, ist das sogar recht spannend. Schließlich will man wissen, wie aus diesem Ganzen wieder herausgefunden werden kann.

Überzogene Eskalation

Die Antwort: gar nicht. Man machte es sich hier schon ziemlich einfach, sowohl bei der psychologischen Erklärung von Abel wie auch der Weise der Eskalation. Zum Ende hin wird das dermaßen over the top, dass jeglicher Anflug von Ernsthaftigkeit sich in Luft auflöst. Die Ambitionen etwas über eine komplexe Welt zu sagen ebenfalls. Dennoch bietet Lakeview Terrace zumindest solide Unterhaltung. Das liegt zum einen an den schönen Bildern einer Luxuswelt, die sich ihrer selbst kaum bewusst ist. Außerdem geht Samuel L. Jackson (Pulp Fiction) so richtig auf in der Rolle des durchtriebenen Nachbarschaftstyrannen, der nur seine Form der Moral als solche anerkennt. Daraus nimmt man dann vielleicht nicht wirklich viel mit, um den realen Problemen zu begegnen. Zumindest zeigt der konfrontative Thriller aber, dass es noch einiges an Gesprächsbedarf gibt.

Credits

OT: „Lakeview Terrace“
Land: USA
Jahr: 2008
Regie: Neil LaBute
Drehbuch: David Loughery, Howard Korder
Musik: Jeff Danna, Mychael Danna
Kamera: Rogier Stoffers
Besetzung: Samuel L. Jackson, Patrick Wilson, Kerry Washington, Jay Hernandez, Jaishon Fisher, Regine Nehy

Bilder

Trailer

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Lakeview Terrace
In „Lakeview Terrace“ zieht ein Paar in ein neues Haus und wird bald von dem Polizisten nebenan drangsaliert. Der Film ist eine interessante Auseinandersetzung mit verschiedenen Formen von Rassismus, die bei den Figuren Ambivalenz sucht. Zum Ende hin machte man es sich dann aber doch ziemlich einfach und verrennt sich in eine absurd überzogene Thriller-Richtung.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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