Black and Blue

„Black and Blue“ // Deutschland-Start: 14. November 2019 (Kino)

Einfach hat es Alicia West (Naomie Harris) mit Sicherheit nicht. Als Frau wird sie von ihren Kollegen bei der Polizei nicht wirklich ernst genommen, aufgrund ihrer Hautfarbe hat sie zudem mit Rassismus zu kämpfen. Bei der schwarzen Bevölkerung gilt sie hingegen als Verräterin, die die Seiten gewechselt hat. Doch all diese Sorgen werden zur Nebensache, als sie bei einem Einsatz Zeugin wird, wie Polizisten Drogendealer ermorden. Schlimmer noch, sie wollen ausgerechnet ihr die Schuld in die Schuhe schieben und hetzen den lokalen Drogenbaron Darius (Mike Colter) auf sie. Verfolgt von beiden Seiten findet sie Zuflucht bei Milo „Mouse“ Jackson (Tyrese Gibson), der in einem kleinen Markt arbeitet und ihre einzige Chance ist, aus der Sache wieder heil herauszukommen …

Dass Polizisten in den USA gerne mal zur Waffe greifen und zuweilen zu übertriebener Gewalt neigen, das ist mittlerweile auch zu uns vorgedrungen. Immer wieder kommt es vor, dass die Gesetzeshüter im Zweifel Mitbürger lieber erschießen, selbst wenn keine erkennbare Gefahr von diesen ausging. Oft trifft es dabei vor allem die schwarze Bevölkerung, systematischer Rassismus, auch im Bereich der Justiz, gehört zu den am besten dokumentierten Problemen der dortigen Gesellschaft. Im Kino dann eine Geschichte erzählen zu wollen von einer schwarzen Polizistin, die zwischen alle Fronten gerät, das birgt dann durchaus einen gewissen Sprengstoff. Zumal es sich eben auch noch um ein Frau handelt, was weiteren Anlass für Diskriminierung bietet.

Keine Angst vor dem Abgrund
Man kann Peter A. Dowling, der für Black and Blue das Drehbuch geschrieben hat, daher sicher nicht vorwerfen, vor der Realität die Augen zu verschließen. Mit einem offensichtlichen Fall von Rassismus geht es los, wenn West von ihr noch nicht bekannten Kollegen gezielt drangsaliert wird. Und je mehr wir von der Polizei zu sehen bekommen, umso weniger wollen wir sehen. Die Frage ist nicht, ob es dort Korruption, Rassismus und Machtmissbrauch gibt. Vielmehr wundert man sich nach wenigen Minuten, ob es in diesem riesigen Apparat überhaupt noch gute Menschen gibt. Oder wenigstens solche, die nicht von Grund auf verabscheuungswürdig sind.

West ist hier natürlich die Ausnahme, was sie zur Sympathieträgerin und Identifikationsfigur machen soll, wenn wir gemeinsam mit ihr die schockierenden Seilschaften der Polizei entdecken. Leider macht sie das aber auch ziemlich langweilig. Zwar versucht Dowling ihr durch einen militärischen Background und eine lang zurückliegende Vorgeschichte ein bisschen Kontur zu verleihen. So richtig viel bringt das aber nicht, wenn dabei doch nur Klischees rausspringen. Das gilt leider auch für die sonstigen Figuren in Black and Blue, die jegliche Ambivalenz oder interessante Eigenschaften vermissen lassen. Der Versuch, zwischen den verschiedenen Parteien zu vermitteln, scheitert letztendlich auch daran, dass man es hier nicht mit wirklichen Charakteren zu tun hat.

Ich weiß, was als nächstes geschieht!
Auch an anderen Stellen bleibt der Film leider hinter seinen Möglichkeiten zurück. So dürfte beispielsweise der Ablauf der Geschichte wirklich nur die allerwenigsten Zuschauer und Zuschauerinnen überraschen. Black and Blue folgt konsequent den Erwartungen, die man an ihn hat, selbst während der vermeintlichen Wendungen. Wenn dann später wie erwartet Mauern eingerissen werden, Unterwelt und Polizei Feinde und Freude zugleich sind, hätte ebenfalls deutlich mehr gemacht werden können. Es fehlt da einfach die Wucht und das Gefühl, Teil eines großen Kampfes zu sein. Geballert wird eine Menge, trotz der vielen Toten hinterlässt das aber nur wenig Eindruck.

Trotz der diversen verpassten Möglichkeiten, es reicht zumindest für einen soliden Film. Das Tempo ist ziemlich hoch, Verschnaufpausen lässt einem Regisseur Deon Taylor nur selten. Frank Grillo (Point Blank) als widerwärtiger Cop macht Spaß, Naomie Harris (Moonlight) holt ebenfalls einiges aus ihrer Rolle heraus. Der Versuch, zwischen mehreren Seiten zu vermitteln und einen im Prinzip simplen Action-Streifen mit gesellschaftlichen Komponenten aufzuwerten, ist zudem lobenswert genug, um über manche Schwäche hinwegzusehen. Ob diese auch hierzulande auf Gehör treffen, ist eher fraglich, dafür geht es hier doch zu sehr um US-Befindlichkeiten. Schaden tut es aber auch nicht.

Black and Blue
4.3 (86%) 10 Artikel bewerten

Black and Blue
„Black and Blue“ erzählt von einer schwarzen Polizistin in den USA, die gleich in mehrfacher Hinsicht gegen Diskriminierung kämpfen muss – und gegen korrupte Cops. Das ist zwar alles ziemlich vorhersehbar, auch die Figuren sind nicht übermäßig interessant. Die gesellschaftliche Komponente hilft aber zumindest dabei, dass der Thriller nicht ganz in der Masse untergeht.
5von 10

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