Inhalt / Kritik

Harry Potter

„Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2“ // Deutschland-Start: 13. Juli 2011 (Kino) // 6. September 2018 (DVD/Blu-ray)

Während Harry Potter (Daniel Radcliffe), Ron Weasley (Rupert Grint) und Hermine Granger (Emma Watson) noch immer auf der Suche nach den Horkruxen sind, in denen der dunkle Lord Voldemort (Ralph Fiennes) Teile seiner Seele verborgen hat, ist Hogwarts in die Hände ihrer Feinde gefallen. Severus Snape (Alan Rickman) hat nun dort das Sagen und droht jedem, der es wagt, sich ihm und seinem Meister zu widersetzen. Zwar gelingt es dem Trio, mit der Hilfe ihrer Verbündeten wieder einen Weg zurück in die schwer bewachte Schule zu finden. Doch das ist nur der erste Schritt. Voldemort hat längst eine große Armee um sich geschart, eine letzte große Schlacht soll das Schicksal der Welt bestimmen …

Eine (umfang-)reiche Welt

Was war es nicht für eine lange Reise. Im Herbst 2001 wurde mit Harry Potter und der Stein der Weisen eines der erfolgreichsten Film-Franchises aller Zeiten geboren, zehn Jahre später fand dieses mit dem zweiten Teil von Harry Potter und die Heiligtümer des Todes sein Ende. Acht Filme waren es letztendlich. Acht Filme, die nicht nur von dem Kampf eines kleinen Jungen gegen einen bösen Zauberer berichteten, sondern auch eine Reise ins Erwachsenenalter bedeuteten – für das Ensemble wie das Publikum. Ein nicht unerheblicher Reiz der Filme ist, wie man dabei sein durfte, wie diversen Nachwuchsschauspieler*innen älter wurden, ihren Weg fanden und man selbst Teil einer großen, aber doch in sich geschlossenen Welt wurde.

Wie groß diese mit der Zeit wurde, war in den Filmen immer wieder sichtbar, auf positive und negative Weise. Denn während einerseits immer mehr Figuren hinzukamen, wir neue Orte erkundeten und Hintergrundgeschichten erfuhren, kämpfte die Reihe damit, der Vielzahl an Charakteren und inhaltlichen Strängen gerecht zu werden. Das zeigte sich gerade in der zweiten Hälfte, als Autorin J. K. Rowling in ihren Romanen immer ausufernder wurde und Regisseur David Yates kaum noch hinterherkam. Große Schauspiellegenden wurden für Mini-Gastauftritte verheizt, Figuren, die im einen Moment groß aufgebaut wurden, verschwanden urplötzlich. Manche Themen und Elemente wurden nie wirklich ausgebaut, obwohl sie eigentlich im Mittelpunkt standen.

Nicht genug Zeit

Auch Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2 hat unter der Flut an Ideen und Ereignissen zu leiden, unter der Vielzahl an Figuren, die irgendwie reingestopft werden mussten. Die titelgebenden Heiligtümer spielten schon beim letzten Mal keine wirkliche Rolle, bei der Fortsetzung sieht es nicht viel besser aus. Man hätte sie praktisch auch weglassen können, ohne dass es einen nennenswerten Unterschied gemacht hätte. Charaktere verschwinden viel zu schnell, gerade bei dem epischen Kampf bleibt keine Zeit, sie in Szene zu setzen. Einst wichtige Lehrer und Lehrerinnen stehen teilnahmslos in der Gegend herum. Die eigentlich tragische Figur des Draco Malfoy wird nie genutzt, das Gleiche gilt für dessen Mutter. Dafür wurden umständlich andere Figuren noch einmal eingebaut, was dem Abhaken einer Liste gleicht, weniger einer tatsächlichen Geschichte. Enttäuschend ist auch, wie zentrale Kämpfe in wenigen Sekunden abgefertigt werden – eine große Wirkung erzielt man damit nicht.

Doch auch wenn der Film nie so episch wird, wie er es gerne wäre, und unentwegt Potenzial vergeudet wird: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2 ist der würdige Abschluss einer Reihe, die einigen Schwankungen zum Trotz sehenswert war und ist. Es gibt einige beeindruckende Aufnahmen von Hogwarts und auch anderen Schauplätzen, die Spezialeffekte fügen sich harmonisch in die festen Mauern und dunkle Verliese ein. Der Film ist auch, sofern man die Geschichte nicht schon kennt, tatsächlich spannend. Denn eines muss man Rowling lassen: Sie scheute nicht davor zurück, selbst wichtige Figuren urplötzlich sterben zu lassen. Wenn die Horden der Finsternis die altehrwürdige Schule belagern, Riesen gegen Steinfiguren kämpfen, Hexen und Zauberer sich magische Duelle liefern, kann man sich nie sicher sein, wer am Ende noch übrig ist. Das Fantasyspektakel nähert sich da noch mehr als beim letzten Mal Der Herr der Ringe an, wenngleich das alles eine Nummer kleiner bleibt.

Gemeinsam über alle Abgründe hinweg

Doch die eigentliche Stärke von Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2 sind nicht die Fabelwesen, sich über den gesamten Himmel erstreckende Zauber oder gewaltige Explosionen. Die größte Stärke ist, wie der Film hier die Figuren zusammenwachsen und über sich hinauswachsen lässt. Von Anfang an war zwar der Zauberschüler mit der mysteriösen Narbe das Aushängeschild. Gleichzeitig war immer klar, dass er ohne sein Umfeld nichts ist, ohne seine Freunde und Freundinnen, ohne die zahlreichen Lehrer und Lehrerinnen, die in den Tod gingen, um ihn zu schützen. Wenn sie hier am Ende alle zusammenkommen, Minerva McGonagall (Maggie Smith) ihre zu oft nur angedeuteten Kräfte entfesselt, Molly Weasley (Julie Walters) aus Mutterliebe zur Kampfmaschine wird und selbst der oft belächelte Neville Longbottom (Matthew Lewis) zu einer wichtigen Stütze wird, darf man schon ein wenig ergriffen sein.

Sehr schön ist in dem Zusammenhang auch, wie Rowling dem älter gewordenen, aber noch immer jungem Publikum mitgibt, dass Licht und Schatten nahe beieinander liegen, Gut und Böse ein Kontinuum darstellen. Dass auch ein Held wie Harry dunkle Seiten in sich haben kann, umgekehrt ein Severus Snape komplexer ist. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2 macht auf diese Weise Mut, sich den inneren Abgründen zu stellen und diese überwinden zu wollen. Aufgrund der allgemeinen Hektik bleibt es dabei öfter nur bei Andeutungen, siehe etwa Harrys Vater, der einige weniger schöne Charaktereigenschaften hat. Aber auch so wird klar, dass die Welt da draußen komplizierter und schwieriger ist, als man sie gern hätte, man dieser aber erfolgreich entgegentreten kann – ob nun mit oder ohne Zauberstab.

Credits

OT: „Harry Potter and the Deathly Hallows – Part 2“
Land: UK, USA
Jahr: 2011
Regie: David Yates
Drehbuch: Steve Kloves
Vorlage: J. K. Rowling
Musik: Alexandre Desplat
Kamera: Eduardo Serra
Besetzung: Daniel Radcliffe, Rupert Grint, Emma Watson, Ralph Fiennes, Alan Rickman, Helena Bonham Carter, Julie Walters, Maggie Smith, Matthew Lewis, Tom Felton

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2012 Bestes Make-up Nick Dudman, Amanda Knight, Lisa Tomblin Nominierung
Beste Spezialeffekte Tim Burke, David Vickery, Greg Butler, John Richardson Nominierung
Bestes Szenenbild Stuart Craig, Stephenie McMillan Nominierung
BAFTA Awards 2012 Beste Spezialeffekte Tim Burke, David Vickery, Greg Butler, John Richardson Sieg
Bestes Szenenbild Stuart Craig, Stephenie McMillan Nominierung
Bestes Make-up Nick Dudman, Amanda Knight, Lisa Tomblin Nominierung
Bester Ton James Mather, Stuart Wilson, Stuart Hilliker, Mike Dowson, Adam Scrivener Nominierung

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Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2
Auch bei „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2“ gibt es die bereits bekannten Probleme der Reihe, wenn Figuren und inhaltliche Elemente nicht den nötigen Raum zur Entfaltung bekommen. Der finale Kampf ist zudem recht enttäuschend. Dennoch ist der Film ein würdiger Abschluss der Reihe, bietet sowohl dem Auge wie auch dem Herzen einiges an Material und wartet zum Schluss mit einer schönen Aussage auf.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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