Kritik

Follow Me

„Follow Me“ // Deutschland-Start: 20. August 2020 (Kino) // 18. Dezember 2020 (DVD/Blu-ray)

Cole (Keegan Allen) ist es gewohnt, vor der Kamera zu stehen, sein ganzes Leben besteht darin, für seinen Vlog „Escape From Life“ Erlebnisse für die Allgemeinheit festzuhalten. Darin ist er auch erfolgreich, zahlreiche Fans verfolgen den zum Social-Media-Superstar aufgestiegenen jungen Mann und dessen Freunde. Als ihn einer davon nach Moskau einlädt und ein ganz besonderes Abenteuer verspricht, zögert Cole auch nicht lange. Hört sich nach Spaß an! Doch schon im Vorfeld gibt es Ärger mit ein paar Leuten vor Ort. Und als das eigentliche Abenteuer beginnt, eine als besonders intensiv angekündigt Version von Escape Room, ist der Spaß bald endgültig vorbei …

Den ganz großen Hype gibt es um Escape Rooms, mit Rätseln vollgestopfte Vorrichtungen, die man mit Freunden lösen muss, um wieder herauszukommen, ja inzwischen nicht mehr. Vielmehr ist daraus eine von vielen Unterhaltungsformen geworden, um sich die Zeit zu vertreiben, wenn nicht gerade eine Virus-Pandemie den Aufenthalt in geschlossenen Räumen verbietet. In Filmen hechelt man diesem Trend aber nach wie vor ein bisschen hinterher, zumindest im Horror-Bereich wird immer mal wieder darauf Bezug genommen – etwa beim Überraschungshit Escape Room, der etwa das 15-Fache seines Budgets wieder eingespielt hat. Von solchen Zahlen kann Will Wernick nur träumen, obwohl er schon den Kollegen einen gleichnamigen Horrorfilm zu dem Thema gedreht hat.

Der Trend von gestern
Aber Aufgeben gilt nicht, weder beim Spiel noch beim Filmen. Und so versucht sich der Regisseur und Drehbuchautor noch ein zweites Mal an diesem Thema, kombiniert es aber mit einem anderen nicht mehr ganz aktuellen Phänomen: Influencer. Die wurden in den letzten Jahren ebenfalls nicht zu knapp bedacht, etwa bei der Serie Followers oder beim Film Flugmodus. Dies fand meistens im Rahmen einer Komödie oder eines Dramas statt. Das Ganze mit deftigem Horror zu verbinden, ist bislang weniger üblich. Bis es so weit ist, dauert es in Follow Me jedoch eine ganze Weile. Rund ein Drittel der anderthalb Stunden sind bereits vorbei, bevor wir den groß angekündigten Escape Room überhaupt zu Gesicht bekommen.

Allgemein sollte man schon ein bisschen mehr Geduld mitbringen, um bei Follow Me auf seine Kosten zu kommen. Wernick lässt sich nicht nur zum Einstieg sehr viel Zeit, die er mit den üblichen Szenen rund um Social Media Darlings verschwendet. Da gibt es viel falsches Gelächter, Posen ohne Ende, dazu eingeblendete Herzen, die dem Protagonisten zufliegen. Die Persönlichkeit verschwindet hingegen schnell hinter der Inszenierung: Auch wenn alles auf Cole zugeschnitten ist, eine Ahnung, wer er als Mensch abseits des Netzes ist, bekommt man kaum. Das ist einerseits passend in diesem Zusammenhang, macht es aber schwierig, sich für ihn zu interessieren oder gar Daumen zu drücken. Eigentlich ist er, wie die anderen auch, nur Wegwerfware.

Ich weiß, was gleich passiert!
Das ist in dem Genreumfeld natürlich nichts Ungewöhnliches. Horrorfilme sehen die eigenen Figuren gern mal nur als Mittel zum Zweck an. Irgendjemanden muss man schließlich töten, um das Publikum bei Laune zu halten. Die Kombination aus Charakterlosigkeit und leichtem Nervfaktor macht es jedoch nicht gerade leicht, sich wirklich für das zu interessieren, was hier geschieht. Hinzu kommt: Der eigentliche Horror ist ebenfalls wenig ausgearbeitet. Wernick bedient sich schon sehr kräftig an den üblichen Rätseln und Foltermethoden, die dieser Bereich so hergibt. Phasenweise meint man, Follow Me sei nicht mehr als ein Best-of-Zusammenschnitt. Überraschungen sind deshalb Mangelware, selbst die eingestreuten Wendungen erfordern keine gesteigerte prophetische Gabe, um vorzeitig als solche erkannt zu werden.

Ein Feld, bei dem der Beitrag der Fantasy Film Fest Nights 2020 jedoch einiges wieder gutmacht, das ist das Setting. Wem Escape Room zu abgedreht war, der bekommt hier eine bodenständigere Variante geboten. Alles Metallische ist auf Befehl verrostet, die Räume sind bis an die Decke verschmutzt, schon beim bloßen Anblick der Einrichtung fängt man sich diverse Krankheiten ein. Da zudem Licht Mangelware ist und die Räume einem Labyrinth gleichen, stellt sich bald ein beklemmendes bis klaustrophobisches Gefühl ein, was dann eben doch irgendwo auch Spannung erzeugt. Das reicht dann zwar nicht mehr als zu einem B Movie. Aber wer auch nicht mehr als das erwartet, sondern nach etwas dreckiger Genrekost lechzt, der kann sich hier mal einsperren lassen.

Credits

OT: „Follow Me“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Will Wernick
Drehbuch: Will Wernick
Musik: Crystal Grooms Mangano
Kamera: Jason Goodell
Besetzung: Keegan Allen, Kimberly Quinn, Holland Roden, Ronen Rubinstein, Siya, Denzel Whitaker

Bilder

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Follow Me
Ein Influencer soll an einem besonders intensiven Escape Room teilnehmen – und bekommt dort mehr, als ihm lieb ist. „Follow Me“ kombiniert die beliebte Freizeitbeschäftigung mit etwas Social-Media-Kritik zu einem soliden B-Movie-Horror. Was dem Film an Überraschungen und Eigenständigkeit mangelt, macht er durch sein dreckiges Setting wieder wett.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

  1. Michael

    Für mich der schlechteste Film den ich je im Kino gesehen habe. Die erste halbe Stunde hätte ich vorgespielt wenn ich gekonnt hätte

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