Kritik

Nahuel and the Magic Book

„Nahuel and the Magic Book“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Das Meer kennt Nahuel eigentlich ziemlich gut, wohnt er doch mit seinem Vater in einem kleinen Fischerdorf. Er möchte jedoch nichts damit zu tun haben, hat er doch eine wahnsinnige Angst davor und kann kein Boot betreten. Eines Tages scheint er aber die Lösung für sein Problem gefunden zu haben, als er ein altes, magisches Buch findet. Warum nicht einfach seine Ängste wegzaubern? Zu seinem Unglück gibt es dabei noch jemand anderen, der das Buch für sich haben will: ein skrupelloser mächtiger Zauberer, der alles dafür tut, um in den Besitz des Werkes zu kommen. Als er Nahuels Vater entführt, bleibt dem Jungen daher nichts Anderes übrig, als seinen ganzen Mut zusammenzunehmen und eine gefährliche Reise anzutreten …

Neue Talente in der Animationsszene
Animationsfilme, die kommen als Blockbustervariante aus den USA, im Animegewand aus Japan oder in kunstvollen Arthouseformen aus Europa. Für Lateinamerika blieb da bislang nur wenig Platz. In den letzten Jahren hat sich aber auch dort eine nicht uninteressante Animationsszene herausgebildet, die sich zwar meistens an Werken der animierten Großmächte orientiert, dabei zuweilen aber auch ganz eigene Ansätze zeigt. Vor einigen Wochen wurde beispielsweise der mexikanische Fantasyfilm A Costume for Nicolas gezeigt, in dem ein bislang wenig integrierter Junge mit Down-Syndrom Abenteuer überstehen muss, um die Welt zu retten.

Ein vergleichbares Alleinstellungsmerkmal hat Nahuel and the Magic Book nicht, mit dem ein chilenisches Animationsstudio auf den Markt drängt. Tatsächlich ist der Film recht klassisch, nimmt wie der Kollege oben ein Szenario, in dem ein Junge über sich hinauswachsen muss, um die Welt zu retten. Es gibt einen bösen Zauberer, der jedem Klischee entspricht, sprechende Tiere plus das obligatorische Mädchen, das dem Helden dabei hilft, zu sich zu finden und die nötige Kraft zu entwickeln – also alles, was man in einem traditionellen Animationsabenteuer so braucht. Die Zielgruppe ist dabei wie meist auch jünger angelegt, Nahuel selbst soll als Identifikationsfigur dienen, damit auch die Jungen und Mädchen in der realen Welt lernen, sich ihren Ängsten zu stellen.

Schöne Bilder einer düsteren Welt
Richtig originell ist das natürlich nicht, Regisseur und Drehbuchautor Germán Acuña hält sich bei seinem Spielfilmdebüt an das, was sich bislang bewährt hat. Aber es funktioniert auch in dieser Fassung, umso mehr, da Nahuel and the Magic Book gut umgesetzt ist. Beispielsweise gefällt die Optik des Animationsfilms, der 2020 beim Festival in Annecy gezeigt wurde. Das Ergebnis sieht aus wie eine Mischung aus 70er Jahre Anime à la Marco oder Sindbad und den früheren Asterix-Zeichentrickfilmen. Die Animationen des am Computer erstellten 2D-Abenteuers sind zwar eher holprig, die Designs dafür gelungen – eine Kombination aus nostalgischem Stil und modernen Möglichkeiten.

Vor allem die Schauplätze haben die Südamerikaner gut hinbekommen: Düstere Spelunken, alte Märkte, die tosende See und ein heruntergekommener Leuchtturm tragen dazu bei, dass die Atmosphäre stimmt. Zusammen mit dem finsteren Zauberer und dessen unheimlichen Krähen sorgt das gerade bei jüngeren Augen für Spannung, manchen wird es vielleicht sogar schon zu viel sein – da sollte man bei dem Alter doch noch etwas aufpassen. Ansonsten ist Nahuel and the Magic Book aber ein vielversprechender Einstieg von Acuña und der nächste Anhaltspunkt, dass man die lateinamerikanische Szene im Auge behalten sollte.

Credits

OT: „Nahuel y el Libro Mágico“
Land: Chile, Brasilien
Jahr: 2020
Regie: Germán Acuña
Drehbuch: Juan Pablo Sepúlveda, Germán Acuña
Musik: Felicia Morales, Cristobal Carvajal

Filmfeste

Annecy 2020

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Nahuel and the Magic Book
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Nahuel and the Magic Book
Ein Junge mit riesiger Angst vor dem Wasser will diese mit einem magischen Buch überwinden, bekommt es dann aber mit einem fiesen Zauberer zu tun. „Nahuel and the Magic Book“ ist ein klassisches Fantasyabenteuer, das zwar nicht mit Originalität glänzt, insgesamt aber gut umgesetzt wurde. Gerade visuell ist der chilenische Animationsfilm gelungen, bietet interessante Designs und stimmungsvolle Schauplätze.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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