Kritik

„Fluch der Karibik“ // Deutschland-Start: 2. September 2003 (Kino) // 1. März 2018 (DVD/Blu-ray)

Schon seit seiner Kindheit hegt der Hufschmied Will Turner (Orlando Bloom) große Gefühle für die Gouverneurstochter Elizabeth Swann (Keira Knightley), wagt sich jedoch nicht, diese offen zu zeigen. Aus gutem Grund, bearbeitet sie ihr Vater Weatherby (Jonathan Pryce) doch schon länger, James Norrington (Jack Davenport) zu heiraten, der gerade zum Commodore befördert wurde. Dabei haben alle bald andere Sorgen. Erst ertrinkt Elizabeth beinahe und wird im letzten Moment von dem Piraten Jack Sparrow (Johnny Depp) gerettet. Und dann taucht auch noch Barbossa (Geoffrey Rush) auf, Captain des berüchtigten Piratenschiffs Black Pearl, und entführt die junge Frau. Nun liegt es an Turner, Sparrow und einer Aushilfscrew, die schöne Maid wieder zurückzuholen …

Bücher und Theaterstücke, Comics und Musicals, dazu Remakes, Reboots, Sequels, Prequels – Hollywood-Studios nehmen sich so ziemlich jede Vorlage, um daraus einen neuen Film zu machen, so lange dies verspricht, richtig Geld in die Kassen zu spülen. Aber eine Attraktion eines Freizeitparks? Das ist schon etwas ungewöhnlicher, selbst wenn es sich dabei um eine derart beliebte handelt wie Pirates of the Caribbean, die in diversen Disney-Parks zu finden ist. Schon vorher hatte der Konzern sich an solchen filmischen Adaptionen versucht, doch weder Im Jenseits sind noch Zimmer frei (1997), Mission to Mars (2000) noch Die Country Bears (2002) hinterließen großen Eindruck. Kein Wunder also, dass Disney-Boss Michael Eisner dem neuen Projekt skeptisch gegenüberstand, umso mehr, da der Piraten-Film ein ausgestorbenes Genre war.

Klassiker ganz anders interpretiert
Inzwischen ist klar, dass Blockbuster-Produzent Jerry Bruckheimer den richtigen Riecher hatte, die bislang fünf Filme umfassende Reihe hat 4,5 Milliarden Dollar eingespielt, was sie zu einer der erfolgreichsten überhaupt macht. Der Auftakt Fluch der Karibik ist innerhalb der Reihe dabei sogar das kommerzielle Schlusslicht. Qualitativ hingegen ist der Einstieg an der Spitze der Piratensaga. Denn während vieles, was hier eingeführt wurde, später zu einem wenig inspirierten Selbstläufer wurde, der sich selbst wieder und wieder wiederholte, da war der erste Teil tatsächlich etwas ganz Neues. Etwas, das man in der Form so noch nicht gesehen hatte.

Die einzelnen Bestandteile hatten dabei natürlich eine lange Tradition. Das Drehbuchduo Ted Elliott und Terry Rossio, das unter anderem an den Animationshits Aladdin und Shrek – Der tollkühne Held beteiligt war, nahm sich viele Elemente, die man aus Piratengeschichten so kennt. Da geht es um vergrabene Schätze, um sprechende Papageien, um geheimnisvolle Flüche und zahlreiche Kämpfe. Doch Fluch der Karibik kombinierte diese Dauerbrenner mit viel Humor. Tatsächlich ist Komik ein so integraler Bestandteil des Films, dass er zeitweise auch als eine Parodie des Genres durchginge. Das geht nicht zuletzt auf Johnny Depp zurück, dessen extravagantes Auftreten, das immer etwas berauscht wirkte, hier noch eine echte Überraschung war und so gar nicht mit den klassischen, geradlinigen Piratenabenteuern zu vergleichen war.

Ein Zweikampf mit zu vielen Nebenschauplätzen
Sein Kontrahent Geoffrey Rush interpretiert seine Figur etwas traditioneller, was aber nicht minder Spaß macht. Viele der besten Szenen sind dann auch, wenn sich die beiden Hauptdarsteller gegenüberstehen, sich mal mit Worten, mal mit Waffen bekämpfen, dabei die Welt drumherum völlig vergessen. Die zahlreichen anderen Figuren können da nicht mithalten. Keira Knightley darf zwar sympathischerweise mehr sein als die übliche Damsel in Distress, verblasst aber ebenso wie Orlando Bloom oder Jack Davenport neben den dem Hauptduo, das die Szenen nach Belieben dominiert. Wobei es auch drumherum einiges zu sehen gibt, das hohe Budget wurde gut investiert, sowohl in die Ausstattung wie auch die Spezialeffekte, wenn die Piraten ihr wahres Gesicht zeigen.

An den Inhalt sollte man dabei natürlich weniger Erwartungen hegen. Zwar gibt es einige Wendungen und Überraschungen, auch ein ständiges hin und her, welche der diversen beteiligten Parteien gerade die Oberhand hat. Aber das ist nur ein Vorwand, damit ständig etwas passiert, Regisseur Gore Verbinski eine weitere Action-Szene einbauen kann. Auf Dauer ist das etwas ermüdend, knapp zweieinhalb Stunden sind für die dünne Geschichte dann doch zu viel. Da ließ man sich doch zu sehr von den Möglichkeiten mitreißen und überspannt das Ganze damit. Unterhaltsame Szenen gibt es aber mehr als genügend. Da zudem klassische Mantel-und-Degen-Filme ausgestorben sind, hält Pirates of the Caribbean diese Tradition als eine der wenigen modernen Reihen noch aufrecht, selbst wenn sie sich dabei gleichzeitig darüber lustig macht.

Credits

OT: „Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl“
Land: USA
Jahr: 2003
Regie: Gore Verbinski
Drehbuch: Ted Elliott, Terry Rossio
Musik: Klaus Badelt
Kamera: Dariusz Wolski
Besetzung: Johnny Depp, Geoffrey Rush, Orlando Bloom, Keira Knightley, Jack Davenport, Jonathan Pryce

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2004 Bester Hauptdarsteller Johnny Depp Nominierung
Bestes Make-up Ve Neill, Martin Samuel Nominierung
Bester Tonschnitt Christopher Boyes, George Watters II Nominierung
Bester Ton Christopher Boyes, David Parker, David E. Campbell, Lee Orloff Nominierung
Beste Spezialeffekte John Knoll, Hal T. Hickel, Charles Gibson, Terry D. Frazee Nominierung
BAFTA Awards 2004 Bester Hauptdarsteller Johnny Depp Nominierung
Bestes Make-up und Haare Ve Neill, Martin Samuel Sieg
Beste Spezialeffekte John Knoll, Hal T. Hickel, Terry D. Frazee, Charles Gibson Nominierung
Beste Kostüme Penny Rose Nominierung
Bester Ton Christopher Boyes, George Watters II, Lee Orloff, David Parker, David E. Campbell Nominierung
Golden Globe Awards 2004 Bester Hauptdarsteller – Musical oder Komödie Johnny Depp Nominierung

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Fluch der Karibik
Der erste Teil ist noch der beste: „Fluch der Karibik“ gefällt durch sein aufwändig gestaltetes Piratensetting und zwei glänzend aufgelegte Hauptdarsteller, die sich auf mehr als eine Weise bekämpfen. Unterhaltungsfaktor und Tempo sind dabei hoch, der Film insgesamt aber deutlich zu lang, zumal diverse Figuren letztendlich nur blasses Beiwerk sind.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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