Kritik

Stress

„Stress“ // Deutschland-Start: 6. Februar 2020 (Kino)

Der Kriegseinsatz ist vorbei und sie sind wieder in der sicheren Heimat. Doch der Krieg in den Köpfen von Kriegsveteranen lässt sie nicht mehr los. In Stress berichten Veteranen über ihre Vorbereitung auf den Einsatz, ihre Erlebnisse vor Ort und das Leben, welches sie seit ihrer Rückkehr führen. Die Erzählungen finden stets als unkommentierte Monologe statt, ähnlich den Erzählungen, die in Selbsthilfegruppen stattfinden. Dabei sieht man die Personen selten direkt. Häufig werden sie von hinten gefilmt, wie sie alltäglichen Tätigkeiten nachgehen. Spazieren, joggen, einkaufen, das ganz normale Leben.

Doch diese Unbeschwertheit, wird durch ihre Kommentare gebrochen. Ein einfacher Restaurant-Besuch, nahezu unmöglich. Der Tisch muss immer am Rand stehen, besser noch in einer Ecke. Der Raum muss komplett überblickbar sein, ein Ausgang schnell erreichbar, ein weiterer Ausgang bekannt, falls ein Plan B her muss. Schnell das Nötigste einkaufen wird zur Belastungsprobe. Völlig unvorbereitet können Leute von den Seiten in die Gänge eintreten, die Frage, ob man von der Person hinter sich verfolgt wird, schließlich befindet die sich schon seit gefühlten zehn Minuten dort.

Der Tod als ständiger Begleiter
Aber nicht nur die alltäglichen Pflichten werden zu einer großen Herausforderung, auch das Privatleben. Vom Partner oder den Kindern geweckt zu werden, kann zu gefährlichen Situationen führen. Die ständigen Albträume und der Selbstverteidigungsreflex lassen einige Veteranen eine Gefahr für ihre Mitmenschen werden. Die ständige Belastung, das omnipräsente Gefühl nicht verstanden zu werden, die Schuldgefühle, die Trauer um gefallene Kameraden und Freunde, die Frage, ob man das Leben überhaupt verdient hat und der ständige Zweifel, ob die eigenen Handlungen überhaupt etwas Positives bewirkt haben, lassen viele Veteranen den Glauben an einen Sinn im Leben verlieren. Und schlussendlich auch das Leben selbst. 22 Veteranen begehen täglich Suizid. Der Irakkrieg von 2003 bis 2011 hat mehr Tote durch die psychologischen Folgen in Form von Suizid gefordert als durch die direkten Auswirkungen des Krieges.

Die Berichte der Veteranen wirken sehr authentisch und in der Nüchternheit, in der sie vorgetragen werden, oft umso erschütternder. Die Bilder sind zweckdienlich, erzielen aber nicht immer den erhofften Effekt, den Zuschauer auch visuell zu „unterhalten“. Die Erzählungen nicht zu kommentieren oder zu werten, wird konsequent durchgesetzt. Jedoch werden einige Aussagen getroffen, bei denen man als Zuschauer, gerade anhand des Geschilderten, nur mit dem Kopf schütteln kann. Wenn Veteranen davon sprechen, dass sie die Armee für einen guten Ort für Kinder halten, da sie hier Disziplin lernen, erhofft man sich doch die ein oder andere kritische Auseinandersetzung. Die Dokumentation gibt sich aber als eine Aneinanderreihung von Erzählungen, ohne sich dabei auf Zahlen und Fakten zu stützen und die Aussagen zu untermauern oder sie einzuordnen.

Credits

OT: „Stress“
Land: Deutschland
Jahr: 2018
Regie: Florian Baron
Musik: Yunas Orchestra, Jana Irmert, Fatima Camara
Kamera: Johannes Waltermann

Bilder

Trailer



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Stress
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Stress
„Stress“ bietet einige spannende und interessante Einblicke in das Leben einiger Kriegsveteranen und deren Kampf, wieder in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Leider bietet die Dokumentation darüber hinaus keine zusätzlichen Informationen an. Einige Kommentare, die völlig unkommentiert und nicht gewertet zum Ausdruck kommen, vermitteln darüber hinaus eine sehr zweifelhafte Botschaft.
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