Er prägte mit seinen Mangas und Animes das Science-Fiction-Genre in Japan wie kaum ein anderer: Leiji Matsumoto

Kaum ein Genre ist bei Mangas und Animes wohl ähnlich stark vertreten wie das des Science-Fiction. Kaum eines hat auch ähnlich stark dazu beigetragen, dass dieser Bereich der japanischen Unterhaltungsindustrie im Westen so populär wurde. Der Boom in den späten 80ern und 90ern, er wäre ohne Filme wie Akira oder Ghost in the Shell nur schwer vorstellbar. Dabei erfreuten sich futuristische Geschichten im Land der aufgehenden Sonne schon viel früher großer Beliebtheit. Osamu Tezukas Manga Astro Boy über einen kleinen Roboterjungen zum Beispiel, der in den 50ern und 60ern zu einem Renner wurde. Die Super-Robot-Werke, mit denen Go Nagai (Goldorak – Kampf der Welten) in den 1970ern abräumte. Und eben auch Leiji Matsumoto, der zeitgleich Millionen von Landsleuten mitnahm in ferne Welten voller Abenteuer und tragischer Schicksale.

Interesse an gezeichneten Bildern hatte der am 25. Januar 1938 in Kurume geborene Sohn eines Offiziers schon früh gehabt, von Kind an. Tezukas Mangas waren es, aber auch die Zeichentrickfilme von Disney Animation, die ihn dazu veranlassten, selbst einmal zum Stift zu greifen. Mit neun versuchte er sich das erste Mal selbst daran, es seinen Idolen gleichzutun. Mit 15 gewann er einen Wettbewerb des berühmten Magazins „Manga Shônen“, das sein Debüt Mitsubachi no Bôken im Jahr drauf auch veröffentlichte. Anschließend arbeitete er einige Jahre vor allem an sogenannten Shōjo-Mangas, die sich an jüngere Mädchen richten, und lernte dabei auch seine spätere Frau Miyako Maki kennen – ebenfalls eine renommierte Mangaka. Doch es sollten eben seine Mangas für Jungs bzw. dessen TV-Adaption sein, die ihn in den Folgejahren zu einem der beliebtesten Geschichtenerzähler seiner Zeit machen.

Captain Harlock

Der erste und bis heute vermutlich bekannteste Held von Matsumoto ist der Weltraumpirat Captain Harlock. Er erblickte 1969 in Dai-Kaizoku Captain Harlock das Licht der Welt, spielte als Sidekick in dem humorvollen Western Gun Frontier eine größere Rolle, bevor er dann 1977 mit Space Pirate Captain Harlock bzw. der ein Jahr später gestarteten Animeserie endgültig zum Star aufstieg. Markenzeichen des ruhigen, zuweilen melancholischen, aber doch furchtlosen Kämpfers sind seine große Narbe und sein riesiges Raumschiff Arcadia. Woher er erstere hat, darum ranken sich diverse Legenden. Was typisch ist für Matsumoto: Er ließ seine Figuren oft in mehreren Geschichten auftreten, die ähnliche Themen behandelten, sich dabei aber ständig widersprachen.

Galaxy Express 999

Das gilt auch für seine zweite große Reihe. Erneut schuf Matsumoto hier eine große Weltraumoper, in der Helden sich gegen große Despoten auflehnen. Bemerkenswert an Galaxy Express 999 war zum einen, dass hier mit der mysteriösen Maetel eine Frau im Mittelpunkt stand, die wie so oft bei ihm mit einem sehr spitzen Kinn und unwirklich langen Haaren ausgestattet war. Aber auch das Fahrzeug war und ist ungewöhnlich: Sie bereiste zusammen mit dem Erdenjungen Tetsurō Hoshino an Bord eines Zuges die Galaxis. Action gab es hier wie auch bei Captain Harlock – der übrigens hier Gastauftritte hat – nicht zu knapp. Gleichzeitig sind die umfangreichen Abenteuer, die sich über 21 Bände bzw. 113 Folgen erstreckten, auch sehr nachdenklich, setzen sich intensiv mit existenziellen und philosophischen Themen auseinander. In Deutschland ist dieses Hauptwerk von Matsumoto jedoch weitgehend unbekannt. Es gibt zwar immer mal wieder Animes, die auf den Klassiker verweisen, zum Beispiel Mini-Göttinnen. Doch weder die erste Fassung noch die späteren Fortsetzungen oder Spin-offs sind jemals auf Deutsch erschienen.

Space Battleship Yamato

Die dritte große Reihe Matsumotos fällt ein wenig aus dem Rahmen, aus verschiedenen Gründen. Zunächst einmal ist sie die einzige, die nicht auf einem Manga basiert, sondern gleich als Animeserie konzipiert wurde. Außerdem geht sie ursprünglich nicht auf ihn zurück, sondern Yoshinobu Nishizaki. Der hatte bereits an der Geschichte rund um ein riesiges Raumschiff gearbeitet, welches die letzte Hoffnung für die Menschen sein soll, nachdem sie von einer außerirdischen Rasse fast ausgelöscht wurden. Matsumoto stieß erst später hinzu, steuerte jedoch die Designs zu und übernahm auch die Regie der ersten von drei Staffeln. Bei den beiden folgenden zeichnete er sich für die Geschichte zuständig. Bis heute werden immer mal wieder Filme zu dem Science-Fiction-Klassiker gedreht, zuletzt auch wieder eine Animeserie, die demnächst sogar auf Deutsch erscheint. Mit denen hatte Matsumoto jedoch nichts mehr zu tun, da die Rechte allein bei Nishizaki lagen und dieser seinem ehemaligen Weggefährten verbat, das Werk fortzuführen.

Weitere Werke

Neben diesen drei Hauptwerken war Matsumoto an vielen weiteren beteiligt. Kultstatus genießt hierzulande vor allem die Animeserie Die Königin der tausend Jahre, welche auf einem japanischen Märchen basiert und Anfang der 90er bei uns im Fernsehen lief. Ein DVD-Release hiervon liegt aber, wie fast immer bei dem Veteranen, in den Sternen. Selbst Importfreudige schauen hier jedoch in die Röhre, die Serie ist bislang allein in Japan erhältlich. Besser steht es um The Cockpit, eine düstere Anthologie zum Zweiten Weltkrieg, welche antiquarisch aus England oder Frankreich zu beziehen ist. Interstella 555 ist einer der wenigen Filme, die problemlos auch in Deutschland zu kaufen sind. Dabei handelt es sich streng genommen hier gar nicht um einen Film, sondern ein fortlaufendes Musikvideo zum Albun „Discovery“ der französischen Elektrotruppe Daft Punk.

Leiji Matsumoto [Special]
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