Interstellar 555

Interstella 5555: The 5tory of the 5ecret 5tar 5ystem

(„Interstella 5555: The 5tory of the 5ecret 5tar 5ystem“ directed by Kazuhisa Takenouchi, 2003)

Interstellar 555Wo die vier auftauchen, da tobt das Publikum! Und so merken die Besucher des Konzerts auch nicht, wie ein Raumschiff über ihren Köpfen auftaucht. Bis es plötzlich zu spät ist: Eine Gruppe Menschen strömt heraus, betäubt das Publikum und kidnappt die vier Musiker. Um Lösegeld geht es ihnen dabei nicht, vielmehr hat ein Produzent auf der Erde vor, mit dem Quartett richtig viel Kohle zu machen. Und so löscht er die Erinnerungen der vier, färbt ihre Haut von blau zu rosa und lässt die Band unter dem Namen Crescendolls auftreten. Der Erfolg gibt ihm recht, auch auf ihrem neuen Planeten werden die außerirdischen Künstler frenetisch gefeiert. Die Freude am Musizieren ist ihnen nach der Gehirnwäsche dabei jedoch abhandengekommen. Glücklicherweise wurden sie aber auch in ihrer Heimat nicht vergessen: Shep ist ihnen bereits auf den Fersen und fest entschlossen, seine Freunde aus den Fängen des gierigen Produzenten zu befreien.

Seit vielen Jahren schon gehören Animes zum festen Programm des Fantasy Filmfests, mit Titeln wie Prinzessin Mononoke, Millennium Actress oder Akira wurden einige der beeindruckendsten Beispiele japanischer Zeichentrickkunst dort gezeigt. Aber selbst wer in dem Bereich gern und oft unterwegs ist, dürfte sich etwas verwundert die Augen gerieben haben, als 2003 Interstella 5555 auf den genreerprobten Leinwänden zu sehen war. Denn der Film hat irgendwie nur wenig mit dem gemeinsam, was wir von einem Anime erwarten. Oder auch einem Film insgesamt.

Wobei, ein bekanntes Element gab es doch. Veteranen zumindest dürften die Bilder recht vertraut vorgekommen sein, trugen diese doch die typische Handschrift Leiji Matsumotos, jenem Science-Fiction-Veteranen, dem wir Klassiker wie Captain Harlock oder Galaxy Express 999 zu verdanken haben. Mit diesem hatte das französische Electroduo Daft Punk auch schon immer einmal zusammenarbeiten wollen. Und tatsächlich gelang es den beiden, den Altmeister zu überreden, zusammen mit dessen Stammstudio Toei Animation die grafische Gestaltung zu übernehmen. Die Musik wiederum stammte natürlich von Daft Punk selbst, genau genommen ist Interstella 5555 weniger ein eigenständiges Werk als vielmehr eine Visualisierung von „Discovery“, dem zweiten Album der House-Stars.

Nun ist die Kombination aus Zeichentrick und Musiknummern keine ganz neue Erfindung, Disney hatte das schließlich jahrzehntelang gern und erfolgreich gemacht. Anders als bei den Musical-Nummern des Mäusekonzerns gibt es hier jedoch keine Dialoge, die Geschichte wird ausschließlich über die Bilder erzählt. Während das noch zu verschmerzen wäre, gibt es bei Interstella 5555 jedoch ein Problem: Musik und Geschichte stehen in keinem Zusammenhang, passen hin und wieder auch gar nicht zusammen. So witzig es natürlich ist, blaue Aliens auf der Bühne zu sehen oder Raumschiffe in Form einer Gitarre, die Querverbindungen sind zu schwach, man könnte beide Bestandteile voneinander getrennt sehen bzw. hören, ohne dass dabei etwas verloren ginge. Da hätte die französisch-japanische Koproduktion dann doch noch mehr Ambitionen mitbringen dürfen, als „nur“ ein gut einstündiges Musikvideo zu produzieren.

Dieses lebt vor allem von der eigenen Begeisterung für Daft Punk. Ist diese vorhanden, gehört das kuriose Interstella 5555 sicher in die eigene Sammlung. Wer mit den dezent eintönigen Electroklängen jedoch wenig anfangen kann, der wird auch durch den recht unspektakulär gestalteten Film und dessen im Grund recht albernen Inhalt kaum überzeugt werden. Als Satire hätte die Geschichte um eine intergalaktische Entführung vielleicht noch Spaß gemacht, von den diversen bereits vorhandenen Absurditäten aus wäre der Weg auch nicht mehr sehr weit gewesen. So bleibt der Anime aber zwischen allen Stühlen hängen, zwischen fantastisch und gewöhnlich, zwischen tragisch und komisch, zwischen spannend und langweilig.



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„Interstellar 5555“ ist ein im Grunde überlanges Musikvideo, welches das Daft-Punk-Album „Discovery“ mit einer Animegeschichte verbindet. Das ist für die Fans des französischen House-Duos ein Fest, Freunde des Altmeisters Leiji Matsumoto dürfen sich zudem über dessen typischen Designs freuen. Als Mischung funktioniert der Film jedoch kaum, da die dezent eintönige Musik und die alberne Sci-Fi-Geschichte nie eine Einheit bilden.
6
von 10