(„UFO Robot Grendizer“ directed by Tomoharu Katsumata, 1975-77)

Goldorak Kampf der Welten

„Goldorak – Kampf der Welten“ ist seit 3. März im Rahmen der Reihe „Anime Stars“ auf DVD erhältlich

Einst lebte Duke Fleed als Kronprinz auf dem fernen Planeten Fleed, bis der unbarmherzige König von Vega ihn attackierte. Jahre später hat der junge Mann unter dem Namen Daisuke Umon eine neue Existenz auf der Erde aufgebaut. Aber auch dort ist er von dem Despoten nicht sicher, denn bei dessen gierigen Expansionsplänen ist nun die Erde ins Visier geraten. Doch Daisuke ist nicht allein: Ihm stehen nicht nur seine Freunde zur Seite, die so wie er große Piloten sind. Er befehligt zudem Goldorak, einen riesigen und mächtigen Roboter, mit dem er regelmäßig seine Feinde in die Flucht schlägt.

Animes und Deutschland, das war lange eine nur wenig liebevolle Beziehung. Nicht nur, dass in den 70ern und 80ern kein Bewusstsein dafür geschaffen wurde, dass es sich um japanische Produktionen handelt, und nur wenige Serien den Weg hierherschafften. Wenn sie es taten, wurden sie oft verstümmelt – inhaltlich und musikalisch. Manchmal wurde dann auch kräftig zur Schere gegriffen. Vergleichsweise harmlos ging es noch bei Sindbad zu, bei dem 10 der 52 Folgen auf der Reise nach Deutschland verlorengingen. Berühmt ist auch das Beispiel Captain Future, bei dem ein Drittel der Serie der Schere zum Opfer fiel. Am schlimmsten hat es aber UFO Robot Grendizer bzw. Goldorak – Kampf der Welten erwischt: Im Original noch stolze 74 Folgen lang, wurde im Deutschen ein Film draus, der auf vier Folgen basiert.

Dass von dem dritten Teil der langjährigen Super-Robot-Reihe Mazinger unter den Umständen nicht viel übrig bleibt, ist klar. So richtig viel versteht man dann anfangs auch nicht. Wer sind diese Leute? Wo kommen die her? Was sind das für komische Raumschiffe? Mit der Zeit lichtet sich der Nebel zwar ein wenig, bis zum Schluss bleibt Goldorak – Kampf der Welten jedoch recht konfus und zusammenhangslos, wie man es auch erwarten kann von einem derart radikal zurechtgestutzten Werk. Der Schwerpunkt liegt aber ohnehin nicht auf der Geschichte und dem Kontext, auch nicht auf den nichtssagenden, kaum auseinanderzuhaltenden Charakteren, sondern auf den Kämpfen zwischen dem eine riesige Doppelsichel schwingenden Goldorak und seinen oft etwas bizarren, dem Tierreich entnommenen Roboter-Gegnern.

Schön anzusehen sind diese Kämpfe sicher nicht, der Serie des Traditionsstudios Toei Animation (Dragon Ball, Sailor Moon, One Piece) wäre mit der Bezeichnung „schlicht“ noch geschmeichelt. Es gibt kaum Hintergründe, die Spezialeffekte sind primitiv, die Animationen sind bruchstückhaft und wiederholen sich bei größeren Szenen mehrfach. Und doch ist Goldorak für etwas nostalgisch veranlagte, ältere Animefans allein deshalb schon ein kleines Geschenk, weil der Film von den Designs und der Musik her ein so typisches Produkt der 70er Jahre ist, dass man automatisch das Gefühl hat, wieder zurück in die eigene Kindheit gereist zu sein.

Wer dafür empfänglich ist, für den führt dann auch fast kein Weg an dem Film vorbei, was vor allem auch mit der geringen Konkurrenz zusammenhängt: Captain Future ist nur antiquarisch und zu enormen Preisen zu bekommen, Die Königin der tausend Jahre lief zwar im deutschen Fernsehen, wurde aber nie veröffentlicht, andere Zeitgenossen wie Galaxy Express 999 oder die Vorgänger der Mazinger-Reihe wurden uns gleich ganz vorenthalten. Historisch Interessierte sollten aber auch deshalb einen Blick auf den kurzen Goldorak-Ausschnitt werfen, da dessen Schöpfer Go Nagai nicht nur das Prinzip der Mecha-Riesenroboter in der japanischen Popkultur etablierte, sondern auch den Ecchi-Bereich (mit-)prägte.



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Goldorak – Kampf der Welten
4.1 (81.9%) 21 Artikel bewerten

Goldorak – Kampf der Welten
Aus 74 mach 4: Der aus einer Serie zusammengeschnittene Film „Goldorak – Kampf der Welten“ ist durch den fehlenden Kontext oft konfus, inhaltlich wie optisch auch sehr simpel. Für nostalgisch veranlagte oder historisch interessierte Animefans ist der frühe Vertreter des Super-Robot-Sci-Fi-Genres aber ein kleines Geschenk.
5von 10

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