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Jimmy and Stiggs

„Jimmy and Stiggs“ // Deutschland-Start: 25. September 2026 (DVD/ Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Den Filmemacher Jimmy Lang (Joe Begos) scheint das Glück verlassen zu haben. Nachdem ihn seine Freundin verlassen hat, wird nun auch noch sein nächstes Projekt abgelehnt. Wie so oft in letzter Zeit betrinkt er sich und nimmt Drogen, was ihn zumindest eine Weile von seiner beruflichen und privaten Misere ablenkt. Jimmy übertreibt es jedoch, denn als er nach einigen Stunden in seiner Wohnung wieder aufwacht, hat er neben einem gewaltigen Hangover auch keinerlei Erinnerung mehr an die vergangenen Stunden. Zumindest scheint es zunächst so, denn nach und nach kann sich Jimmy bruchstückhaft an die Ereignisse vor seinem Blackout erinnern. Darüber hinaus scheinen die Verwüstungen in seiner Wohnung sowie die Blutspuren seine Vermutung zu bestätigen: Er ist von Aliens entführt worden.

Da Jimmy die Außerirdischen keinesfalls alleine bekämpfen will, ruft er seinen alten Freund Stiggs (Matt Mercer) an. Wegen Jimmys Drogen- und Alkoholexzessen hat Stiggs in letzter Zeit etwas Abstand von ihm genommen. Als Jimmy ihm seine Geschichte über die Aliens erzählt, meint Stiggs, dies sei lediglich eine Nebenerscheinung seines exzessiven Konsums. Sein Freund solle die Situation vielmehr zum Anlass nehmen, ernsthaft darüber nachzudenken, sein Leben wieder etwas mehr in den Griff zu bekommen. Dann aber greifen die Aliens die beiden Freunde an, und von da an beginnt für sie eine Nacht, in der sie um ihr Überleben kämpfen müssen.

Frust und Selbstzerstörung

Während der Pandemie war Filmemacher Joe Begos wie wir alle in den eigenen vier Wänden eingeschlossen. Der Regisseur von Filmen wie Bliss, VFW und Christmas Bloody Christmas wollte jedoch keineswegs darauf warten, bis er irgendwann ein neues Projekt realisieren konnte, und begann mit der Arbeit an der Geschichte von Jimmy and Stiggs. Auch nach dem Lockdown setzte Begos die Arbeit an dem Projekt fort, das mittlerweile einen sehr persönlichen, fast schon autobiografischen Charakter angenommen hatte. In der Figur des frustrierten Filmemachers, der sehr viele berufliche Rückschläge einstecken musste, sah Begos viel von sich selbst und seinen Erfahrungen im Filmgeschäft widergespiegelt. Jimmy and Stiggs bedient daher nicht allein Begos’ Faible für das Horror- und Science-Fiction-Kino der 1970er- und 1980er-Jahre, sondern ist vor allem eine Geschichte über Freundschaft und darüber, wie ein Künstler dabei ist, sich selbst zu zerstören.

Geschichten über Exzess sind immer auch Geschichten über Wut und Selbstzerstörung. Joe Begos weiß dies sehr genau, denn mit Bliss schuf er bereits 2019 einen Film über eine Künstlerin in der Schaffenskrise. Um ihren daraus resultierenden Frust zu kompensieren, stürzte sie sich in das Nachtleben von Los Angeles und in immer bizarrer werdende Exzesse. Im Grunde erzählt Jimmy and Stiggs eine ähnliche Geschichte, auch wenn man den Grundton dieses Films eher als komödiantisch bezeichnen könnte. Das Bizarre war in Bliss auch immer ein Blick in den Abgrund eines Menschen, der sich immer mehr von sich selbst entfremdet, während im Falle von Jimmy noch ein paar andere Faktoren hinzukommen. Die Aliens, das Neonblut sowie die Dialoge der beiden Freunde rund um das Thema Entführungen durch Außerirdische und die Sender, die sie ihren Opfern einpflanzen, haben eine kauzige, leicht nerdige Komik, die Begos’ Filmen schon immer zu eigen war.

Die Malerin Dezzy in Bliss steckt in einer Schaffenskrise, aber bei Jimmy ist es schon weitaus mehr als das. Begos spielt einen Mann, der von den Studios wie auch von seinen Freunden abgelehnt wird, was ihn fatalerweise immer wieder zu jenen Substanzen greifen lässt, die ihn überhaupt erst in die Krise gebracht haben. Jimmy ist in einem dunklen Strudel gefangen, doch dabei ist er nicht alleine. Er zieht noch jemanden anderen mit hinein.

Gefangener der eigenen Bubble

Jimmy and Stiggs ist ein Kammerspiel, wobei die Wohnung des Protagonisten zu einem Spiegel seiner Sucht, seiner Exzesse und seines (Selbst-)Hasses wird. Auch wenn die Pandemie nicht direkt thematisiert wird, zeigt Begos’ Film doch einen Menschen, der in seiner eigenen Bubble gefangen ist und mehr und mehr zu seinem eigenen größten Feind wird. Anstatt jedoch den Kampf vornehmlich gegen sich selbst zu führen wie die Protagonistin von Bliss, zieht Jimmy gegen Aliens zu Felde. Innerhalb des minimalistischen Settings wird dieser Kampf zu einer Metapher für seine Suche sowie seine zahlreichen Feindbilder (imaginär und real), wobei es schon sinnbildlich ist, dass er seinen besten Freund mit in die Misere zieht. Um dieses Gefecht entsprechend zu inszenieren, setzt Begos wie schon in seinen vorherigen Werken auf Eskalation, Chaos und Psychedelisches. An einigen Stellen hat das seinen Charme, an vielen ist es aber auch sehr anstrengend.

Generell ist Jimmy and Stiggs sicherlich ein persönlicher Film für Begos, aber sicherlich nicht sein bester. Erzählerisch und visuell tritt er auf der Stelle und schafft es dabei weder, die angerissenen Themen zu einem befriedigenden Ende zu bringen wie in Bliss, noch so zu unterhalten, wie es zuletzt in VFW oder Christmas Bloody Christmas der Fall war. Vielleicht ist Jimmy and Stiggs aber auch nur eine Art Exorzismus, um endlich die Vergangenheit und die Isolation hinter sich zu lassen.

Credits

OT: „Jimmy and Stiggs“
Land: USA
Jahr: 2024
Regie: Joe Begos
Drehbuch: Joe Begos
Musik: Steve Moore
Kamera: Brian Sowell, Mike Testin
Besetzung: Joe Begos, Matt Mercer, Riley Dandy, James Russo, Josh Ethier, Jason Eisener

Bilder

Trailer

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Jimmy and Stiggs
"Jimmy and Stiggs" ist ein persönlicher und chaotischer Ausflug in Joe Begos’ Welt aus Exzess, Selbstzerstörung und Genrekino. Hinter Aliens, Neonblut und psychedelischem Wahnsinn verbirgt sich die Geschichte eines Künstlers, der zunehmend zum Gefangenen seiner eigenen Frustration wird. Das besitzt durchaus seinen Reiz, dreht sich erzählerisch und visuell aber zu häufig im Kreis.
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