Digger
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Digger

Digger
„Digger“ // Deutschland-Start: 1. Oktober 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Mit seinen Ölgeschichten ist Digger Rockwell (Tom Cruise) zu einem der erfolgreichsten und einflussreichstem Unternehmer geworden, überall hat er seine Finger im Spiel. Diesen Aufstieg hat er auch seiner Skrupellosigkeit zu verdanken, er ist es gewohnt, alles den wirtschaftlichen Interessen unterzuordnen. Als der Wissenschaftler Ganesh (Riz Ahmed) ihn davor warnt, dass die Bohrungen in Grönland mit Gefahren verbunden sind, will er nichts davon hören. Selbst als der Riss im Eis schon mehrere Meter breit ist, wiegelt er ab. Das Öl muss schließlich fließen. Doch dann geschieht das Unvorstellbare: Ein Eisberg spaltet sich ab und treibt nun in Richtung Europa, wo er eine große Katastrophe auslösen könnte. Gemeinsam mit dem amtierenden US-Präsidenten Compson (John Goodman) gilt es nun, das Schlimmste zu verhindern …

Kein Film für alle

Zwar bleiben 2026 noch einige Monate Zeit. Doch schon jetzt ist klar, dass Digger einer der kontroversesten Filme des Jahres sein wird. Denn auch wenn hier ein Star-Ensemble zusammenkommt und viele dem Werk entgegenfiebern, dieses als Oscar-Kandidat gilt und auch ein hochaktuelles Thema aufgreift: Es werden sich definitiv die Geister an der Komödie scheiden. Schon der Einstieg ist sehr konfrontativ. Wenn wir hier einen Unternehmer sehen, der des Geldes wegen sämtliche Sicherheitsbedenken und Folgen für die Umwelt beiseite wischt, ist das natürlich durchaus realistisch. In vielen Ländern wegen Regulationen zurückgenommen, Standards aufgeweicht und behauptet, dass Umweltschutz sich finanziell nicht lohnt. Die Titelfigur ist aber so überzeichnet, dass sie kein Mensch mehr ist, sondern eine Karikatur, die nahe oder jenseits der Schmerzgrenze ist.

Das gilt für andere auch. Ob es nun der Präsident ist, dessen Schergen oder auch die Angehörigen der Hauptfigur: Hier ist fast niemand normal. Das muss einen nicht stören, es gibt ja durchaus auch andere Filme, die sich einer Farce bedienen, um Missstände aufzuzeigen oder Leute zu kritisieren. Wag The Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt fällt einem da beispielsweise ein: In der Komödie inszeniert der US-Präsident einen Krieg, um von einem Sexskandal abzulenken. Digger geht da aber noch hinaus. Hier wird das Künstliche geradezu zelebriert, so als hätten sich Wes Anderson und Ruben Östlund zusammengetan. Das mag einigen im Publikum zu übertrieben sein, ist aber durchaus unterhaltsam, auch weil das Ensemble Mut zur Hässlichkeit zeigt und Overacting zum Lebensmotto erklärt wurde.

Wendungsreicher Holzhammer-Exzess

Der vielleicht größere Knackpunkt ist, dass Regisseur und Co-Autor Alejandro G. Iñárritu, der schon mit Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten für Irritationen sorgte, noch eine Wendung eingebaut hat. Diese ist etwas zwiespältig. Auf der einen Seite erklärt sie einige der Punkte, die einen zunächst so vor den Kopf stoßen. Die Idee dahinter ist auch gut, weil es letztendlich darum geht, wie wir als Gesellschaft mit Katastrophen umgehen. Digger beschränkt sich an der Stelle aber darauf, diese Möglichkeiten aufzuzeigen, belässt es bei ein paar Stichpunkten, bevor es dann schon wieder weitergeht. Da wäre durchaus mehr möglich gewesen.

Das fällt umso mehr auf, weil der Film an anderen Stellen sehr viel geschwätziger ist. Tatsächlich sind da einige Szenen, bei denen man den Figuren auf der Leinwand am liebsten zurufen würde: „Jetzt kommt mal endlich zum Punkt!“. Da drehen sich Diskussionen im Kreis, werden Gedanken so lange wiederholt, bis auch die begriffsstutzigste Person verstanden hat, was da gesagt werden soll. Nein, Subtilität darf man bei Digger nicht erwarten. Hier wird ganz ungeniert der Holzhammer ausgepackt, der Film gibt sich intelligenter, als er es wirklich ist. Aber er macht eben Spaß. Wenn man diese Vorliebe für Exzesse ertragen kann und sich nicht von den gelegentlich zähen Szenen vertreiben lässt, findet hier ein auf jeden Fall einprägsames Werk, das zudem mit der letzten Einstellung noch einmal Sympathiepunkte sammelt.

Credits

OT: „Digger“
Land: USA, UK, Mexiko
Jahr: 2026
Regie: Alejandro González Iñárritu
Drehbuch: Alejandro González Iñárritu, Alexander Dinelaris, Nicolás Giacobone, Sabina Berman
Musik: Cosmo Sheldrake
Kamera: Emmanuel Lubezki
Besetzung: Tom Cruise, Riz Ahmed, John Goodman, Sandra Hüller, Michael Stuhlbarg, Jesse Plemons

Bilder

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Digger
fazit
In „Digger“ droht eine gewaltige Umweltkatastrophe, ein Öl-Magnat und der US-Präsident suchen nach einem Ausweg. Die Komödie setzt dabei von Anfang an auf Exzesse, sowohl im Hinblick auf Inszenierung wie auch Figurenzeichnung und Schauspiel. Das kann ebenso irritieren wie eine spätere Wendung. Aber auch wenn der Film zwischendurch zäh wird und mit dem Holzhammer auf das Publikum einschlägt, Spaß macht er durchaus und hat zudem einen interessanten Gedanken.
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