Mortal Kombat II
© Warner Bros.

Mortal Kombat II

Mortal Kombat II
„Mortal Kombat II“ // Deutschland-Start: 7. Mai 2026 (Kino)

Review / Kritik

Alle zwei Jahrzehnte jährt sich das legendäre Mortal Kombat. Die besten Kämpfer der Earth Realm treten gegen die Champions der Outer World an. Bei den neun letzten Aufeinandertreffen war die Erde unterlegen. Eine erneute Niederlage würde Shao Kahn (Martyn Ford), dem Tyrannen der Outer World, die Herrschaft über die Erde übertragen und damit ihren Untergang besiegeln. Während das Turnier selbst göttlichen Regeln unterliegt, hat Shao Kahn bereits im Vorfeld dafür gesorgt, potenzielle Gegner auszuradieren und ein Kräfteungleichgewicht zu schaffen. Auch wenn die Chancen gegen sie stehen, ruht die letzte Hoffnung auf Freiheit auf den Schultern von Sonya Blade (Jessica McNamee), Jax (Mehcad Brooks), Liu Kang (Ludi Lin) und Johnny „fucking“ Cage (Karl Urban).

Von Prügelspiel zu Popkultur 

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten etablierte sich die Videospielreihe Mortal Kombat als absolute Institution der Kampfspiele. Neben Street Fighter gibt es kein Franchise, das derart bekannt und verglichen mit der Konkurrenz ungleich brutaler ist. Innerhalb der Spiele steht trotz expansiver Zwischensequenzen und Rahmenhandlung das namensgebende Turnier im Vordergrund und damit die Kämpfe zwischen dutzenden Charakteren. Regisseur Simon McQuoid versuchte sich mit Mortal Kombat (2021) nach knapp 20 Jahren seit Mortal Kombat (1995) und der Fortsetzung Mortal Kombat: Annihilation an einer Neuverfilmung, enttäuschte Fans aber letztlich mit einem Prolog in Überlänge. Der zwischenweltliche Wettbewerb findet erst jetzt im zweiten Teil der geplanten neuen Trilogie statt.

Filmische Fatality

Mortal Kombat (2021) funktionierte weder als Popcornkino à la Action- und Kampffilm noch als zielgruppengerechte Adaption der Videospiele. McQuoid fehlten Vision und Verständnis für eine detailgetreue und authentische filmische Umsetzung. Mortal Kombat besticht durch eine gewaltige Vielfalt an Charakteren und vor allem durch eine gleichermaßen gewalttätige Umsetzung deren Konflikte. Trotz inzwischen umfangreicher Lore und komplexer Rahmenhandlung steht innerhalb der Spiele weiterhin primär das Turnier und damit die Konfrontation der Figuren im Vordergrund. Diesen Esprit kompromissloser Eskalations-Extravaganz fängt McQuoid in seiner Fortsetzung besser ein. Mortal Kombat II hält sich abseits einer kurzen Einführung Kitanas kaum mehr mit einleitender Exposition auf.

Einmal gestartet, entschleunigen weder Turnier noch Film und bieten Zuschauern und Fans das, was die Essenz des Spiels ausmacht: brutale Kämpfe. Kitanas Fächer, Shao Kahns Hammer, Laseraugen und ein rasiermesserscharfer Hut, die kreative Ausgestaltung der Charaktere bietet auch im Film abwechslungsreiche Actionsequenzen. Ebenso präsentiert McQuoid trotz einer FSK 16 zahlreiche Fatalities, also aus den Videospielen bekannte Signaturtötungen. Gimmicks und Gewalt vermögen jedoch nicht von eklatanten Schwächen der choreografierten Konfrontationen abzulenken. Ungelenke Kameraarbeit und hektisches Schnittmassaker machen es unmöglich, dem Gemetzel auf der Leinwand effektiv zu folgen. Statt durchdachter Bewegungsabläufe und sauberer Stuntchoreografie setzt McQuoid auf digitale Hilfe und Überstimulation. Für die Adaption eines Kampfspiels ein handwerkliches Armutszeugnis.

Parodie wider Willen

Abseits körperlicher Konfrontationen ergibt sich Mortal Kombat II der narrativen Belanglosigkeit. Während das Wiederbeleben einzelner Figuren ein notwendiges Übel des Videospielfranchises ist, um Fanlieblinge wie beispielsweise Bi-Han zu erhalten, nimmt es McQuoids Filmen die Fallhöhe. Pathetische und emotionale Momente werden nicht nur rückwirkend egalisiert, man entscheidet sich sogar bewusst für ein Vorwegnehmen der Rückkehr eines prominenten Charakters und beraubt Zuschauer eines zukünftigen Überraschungseffekts. Während der restlichen knapp zweistündigen Laufzeit etabliert McQuoid eine Nebenhandlung, deren einziges Ziel sich einmal mehr als ein kurzer Auftritt von Franchise-Favoriten entpuppt.

Allerdings lässt sich hier mit viel Wohlwollen eine elaborierte Parodie auf die Actionfilme der 80er-Jahre hineininterpretieren, denen auch Johnny Cage entsprungen ist. Oft dreht sich die Handlung solcher Filme um die Jagd nach einem besonderen Gegenstand, einem MacGuffin. Dabei durchlebt ein zynischer, abgehalfterter Protagonist eine ganz eigene Heldenreise, an deren Ziel er nicht nur echte Heroics erreicht, sondern gleichzeitig zu sich selbst findet. Mortal Kombat II parodiert anhand der Figur des Johnny Cage klar Jean-Claude Van Damme und damit gleichzeitig die martialischen Actionfilme dieser Zeit. Angereichert durch Meta-Kommentare kontemporärer Actionfilme wie John Wick funktioniert der Film genau in Situationen humorvoller Hommagen am besten. Abseits einer Retro-Filmsequenz zu Beginn und einzelner Kommentare oder One-Liner nimmt sich Mortal Kombat II zu ernst, um diesen Parodiecharakter glaubhaft zu verfolgen.

Zwischensequenz im Kinoformat 

Neben dieser tonalen Orientierungslosigkeit verliert sich Mortal Kombat II zusätzlich in einer visuellen Identitätskrise. Die Adaption eines Videospiels verlangt nicht gezwungenermaßen nach selbiger Ästhetik. Trotzdem besticht der Film durch digitale Überfrachtung und artifizielle Fantasy-Ästhetik, adäquat für eine Zwischensequenz auf einem Computerbildschirm, aber ungenügend für einen Spielfilm auf der großen Leinwand. Ironisch stimmig, aber gleichermaßen leb- und lieblos ist die Ausgestaltung der Figuren und das Schauspiel aller Beteiligten. Während Karl Urban als Johnny Cage durch dessen Parodiecharakter noch am besten funktioniert, gibt die eindimensionale Figurenzeichnung des Drehbuchs ansonsten niemandem genug Raum, schauspielerisch zu glänzen.

Credits

OT: „Mortal Kombat II“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Simon McQuoid
Drehbuch: Jeremy Slater
Vorlage: Ed Boon, John Tobias
Musik: Benjamin Wallfisch
Kamera: Stephen F. Windon
Besetzung: Lewis Tan, Hiroyuki Sanada, Joe Taslim, Karl Urban, Chin Han, Martyn Ford, Tati Gabrielle, Jessica McNamee, Josh Lawson, Damon Herriman, Tadanobu Asano, Desmond Chiam, Mehcad Brooks, Ludi Lin

Bilder

Trailer

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Mortal Kombat II
fazit
Trotz einzelner gelungener Ansätze und einer spürbar stärkeren Orientierung an der brachialen Essenz der Videospiele scheitert "Mortal Kombat II" letztlich an seiner filmischen Umsetzung. Zwischen tonaler Orientierungslosigkeit, digitaler Überfrachtung und handwerklich enttäuschenden Kämpfen bleibt McQuoids Fortsetzung oft nicht mehr als eine überlange Videospiel-Cutscene mit sporadisch unterhaltsamen Hommage- und Eskalationsmomenten.
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