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The Flesh Itself

„The Flesh Itself“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Mitten im Tripel-Allianz-Krieg, der von 1864 bis 1870 zwischen Paraguay und den Verbündeten Argentinien, Brasilien und Uruguay tobte und 400.000 Menschenleben forderte, desertieren drei brasilianische Soldaten. In Zivil schlagen sich Gabriel (Pierre Baitelli), Anselmo (George Sauma) und der schwer verwundete Gustavo (Jorge Guerreiro) durch den Dschungel und finden schließlich Unterschlupf in einem abgelegenen Haus. Doch dessen Besitzer (Luiz Carlos Persy) kommt den Deserteuren schnell auf die Schliche, bevor die drei Geflüchteten wiederum entdecken, was außer dem Besitzer, dessen hübscher Mitbewohnerin (Jade Mascarenhas) und einem stummen Fremden (Eber Inacio) noch in dem Haus schlummert.

Der Krieg frisst seine Kinder

„In der Not frisst der Teufel Fliegen“ besagt ein altes Sprichwort. Der Teufel in Ian Sbfs neuem Film trägt ein menschliches Antlitz und hat einen noch abstoßenderen Speiseplan. Denn mitten im Krieg, der durch den in der Ferne verhallenden, pausenlosen Gewehrdonner omnipräsent ist, wird der Mensch dem Menschen zum Wolf. Im konkreten Fall tappen drei desertierte Soldaten ihrem vermeintlichen Gastgeber in die Falle. Der von Luiz Carlos Persy mit schiefem Kopf und stoischer Ruhe gespielte Alte führt allerdings mehr im Schilde, als nur vorbeiziehende Fremde in seinem Folterkeller zu Fleisch zu verarbeiten. Angeblich dient das blutige Ganze mehr als der reinen Proteinzufuhr in kriegsversehrt mageren Zeiten. Denn der Regisseur und seine zwei Co-Autoren Deive Pazos und Alexandre Ottoni verweben in ihrem Drehbuch gleich mehrere Genres zu einem atmosphärisch dichten Grusel-Gewebe.

Kammerspielartiges Grauen

Kriegsfilm, (Psycho-)Drama und Horrorfilm gehen Hand in Hand, wobei der Schrecken zunächst kannibalistische Züge trägt, bevor er sich am Ende in einer übernatürlichen Ebene auflöst. Kammerspielartig, dunkel und ganz gemächlich inszeniert, muss das Publikum Geduld mitbringen. Denn der Regisseur nimmt sich viel Zeit, um die bedrohliche Atmosphäre, während der sich viele Szenen im Kerzenschein abspielen, aufzubauen. Wie erstaunlich viele Filme im Programm des 13. HARD:LINE Film Festivals, bei dem The Flesh Itself seine Europapremiere feierte, ist auch dieser ein echter „Slow Burn“, bei dem die Spannungskurve sehr langsam ansteigt. Ist der Knoten dann aber erst einmal geplatzt, wird es blutig; garstige Splatter-Einlagen inklusive.

Langatmig, aber sehenswert

Das getragene Erzähltempo hat seinen Preis. Obwohl A Própria Carne, wie der Film im Original heißt, gerade einmal 90 Minuten dauert, wird einem die Zeit lang. Nicht jeder Handlungsstrang hätte so ausführlich erzählt, nicht jeder Dialog so ausgedehnt, ja geradezu zerdehnt vorgetragen werden müssen. Zumal das im Horrorgenre bewanderte Kinopublikum den Plot-Twist-Braten schnell riecht. Und dennoch ist The Flesh Itself ein sehenswerter Film, der die Schrecken des Tripel-Allianz-Kriegs, bei dem 400.000 Menschen ihre Leben ließen, von einer übergeordneten Ebene auf eine individuelle herunterbricht und mit den Mitteln des Genrefilms zu etwas ungewöhnlich Neuem macht.

Credits

OT: „A Própria Carne“
Land: Brasilien
Jahr: 2025
Regie: Ian Sbf
Drehbuch: Deive Pazos, Alexandre Ottoni, Ian Sbf
Musik: Bruno Gouveia
Kamera: Vinicius Brum
Besetzung: Pierre Baitelli, Camillo Borges, Jorge Guerreiro, Luiz Carlos Persy

Trailer

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The Flesh Itself
fazit
"The Flesh Itself" ist ein atmosphärisch dichter, im düsteren Kerzenschein gedrehter Genremix aus Kriegsfilm, (Psycho-)Drama und übersinnlichem Kannibalenhorror. Der brasilianische Regisseur Ian Sbf beherrscht sein Handwerk. Das von ihm mitverfasste Drehbuch kommt aber nicht ohne vermeidbare Längen aus. Ein ganz gemächlicher Grusel, auf den man sich einlassen muss.
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