Blue Thermal
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Blue Thermal
„Blue Thermal“ // Deutschland-Start: 23. Februar 2023 (Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Als Tamaki Tsuru ihr Studium in Tokio beginnt, ist sie fest entschlossen, richtig viel Spaß zu haben. Weniger spaßig ist jedoch, als sie durch ein kleines Missgeschick mit den Leuten vom Segelflug-Club aneinandergerät. Während der Leiter Jun Kuramochi, der bereits ein erfahrener Pilot ist, sie dazu überreden möchte, doch selbst dem Club beizutreten, kommt es zwischen ihr und Daisuke Sorachi zum Streit. Auch später wird das Verhältnis der beiden angespannt sein. Immer wieder fliegen da die Funken. Doch Tamaki entwickelt tatsächlich auch selbst eine Vorliebe für das Fliegen, zeigt dabei zudem ein ungeahntes Talent. Und so wird sie zu einem festen Mitglied der Truppe und lässt sich nicht mehr so leicht von ihrem Weg abbringen …

Manga-Verfilmung mit Tempoproblemen

Sie gehören fest zu den in Animes immer wieder gern verwendeten Szenarien: Geschichten um Schüler und Schülerinnen, die in irgendeinem Club sind. Besonders beliebt sind dabei Sportclubs. Beispielsweise erzählte Free! von mehreren Schwimmern, bei Haikyu!! ging es um Volleyball. Beide brachten es auf mehrere Staffeln und einige Filme, bei Letztgenanntem gibt es zudem die zugrundeliegenden Mangas. Immerhin 45 Einzelbände sind da erschienen und erzählen über einen längeren Zeitrahmen von den sportlichen wie privaten Erfahrungen des Protagonisten. Ganz so umfangreich ist das Angebot bei Blue Thermal nicht. Da wäre zum einen eine fünfbändige Mangareihe, die zwischen 2015 und 2017 erschienen ist, sowie ein Prequel-Band, der 2021 folgte. Und eben der gleichnamige Anime aus dem Jahr 2022.

Theoretisch muss man hier die geschriebene Variante nicht kennen, da der Film wirklich mit dem ersten Treffen einsetzt. Praktisch wird man sich als Zuschauer bzw. Zuschauerin jedoch ein wenig schwertun. Der Grund ist, dass man offensichtlich möglichst viel von der Vorlage in die rund 100 Minuten quetschen wollte, ohne Rücksicht auf Verluste. Das führt dazu, dass einige Entwicklungen ein bisschen sehr abrupt sind. Gerade zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse auf eine groteske Weise, Blue Thermal ergibt an diesen Stellen kaum noch Sinn. Sowohl die Geschichte wie auch das Verhalten der Figuren wird dann ziemlich willkürlich, da passiert einfach irgendwas, ohne dass ersichtlich wäre warum. Zudem geht das zu Lasten des Tiefgangs. Man erfährt über zahlreiche Figuren in dem Club praktisch nichts, nur das Haupttrio wird hier näher beleuchtet.

Faszination fürs Fliegen

Deutlich besser sind die Passagen, die sich wirklich nur mit den Clubaktivitäten befassen. Es gelingt Regisseur und Co-Autor Masaki Tachibana (Barakamon) bei seiner Adaption ziemlich gut, die Faszination für das Fliegen herauszuarbeiten. Natürlich ist das Hobby in Blue Thermal etwas ungewöhnlich. Es dürften im Publikum nur wenige geben, die selbst Erfahrung mit dem Segelfliegen gemacht haben. Da sind andere Club-Animes doch etwas nahbarer. Zum Nachteil wird das jedoch nicht. Wenn die Figuren in die Lüfte steigen oder auch bei ihren Treffen über die Maschinen fachsimpeln, muss man ihnen gar nicht mal folgen können. Der Enthusiasmus ist auch so ansteckend: Man verbringt schon ganz gern Zeit mit den jungen Männern und Frauen. Zumindest solange sie sich auf diesen Aspekt konzentrieren und nicht irgendwelche Dramen einbauen wollen.

Die Optik ist dabei prinzipiell gelungen. Während die Designs der Figuren recht unauffällig sind, hat das Animationsstudio Telecom Animation Film (Lupin III – Daisuke Jigens Grabstein) eine Reihe schöner Hintergründe zusammengestellt. Das mag dann immer ein wenig zu idealisiert sein, kann sich aber gut sehen lassen. Was jedoch schade ist: Wohl auch um das Budget gering zu halten, gibt es bei den Flugszenen viele statische Aufnahmen. Spannender wäre es gewesen, wenn sich Blue Thermal starker in die Cockpit-Perspektive begeben hätte und mit dem Publikum teilen würde, was die Figuren auf ihrem Segelflug denn alles zu sehen bekommen. So bleibt ein solider Anime, der teilweise recht entspannend ist, teilweise etwas frustriert.

Credits

OT: „Blue Thermal“
Land: Japan
Jahr: 2022
Regie: Masaki Tachibana
Drehbuch: Masaki Tachibana, Natsuko Takahashi
Vorlage: Kana Ozawa
Musik: Shōgo Kaida
Animation: Telecom Animation Film

Bilder

Trailer

Filmfeste

Sitges 2022
Japan-Filmfest Hamburg 2023

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Blue Thermal
fazit
„Blue Thermal“ erzählt von einem eher ungewöhnlichen Hobby, wenn wir die Mitglieder eines Segelflug-Clubs einer Uni kennenlernen. Das ist dann sehenswert, wenn sich der Film auf das Hobby konzentriert. Die dramatischen Elemente sind hingegen zu erzwungen, zumal die Manga-Adaption zum Ende hin schon sehr willkürlich bis unverständlich wird.
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