Mrs. Harris und ein Kleid von Dior Mrs. Harris Goes to Paris
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Mrs. Harris und ein Kleid von Dior

„Mrs. Harris und ein Kleid von Dior“ // Deutschland-Start: 10. November 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Ada Harris (Lesley Manville) führt ein beschauliches und bescheidenes Leben im London der 1950er. Tagtäglich ist sie bei anderen, um deren Wohnungen zu putzen oder anderweitig für Ordnung in dem Chaos zu sorgen. Als sie dabei eines Tages ein Kleid von Dior sieht, fasst sie einen Beschluss: Sie möchte nach Paris fahren, um dort selbst ein solches Kleid zu erstehen. Der Weg ist hart, lange muss sie warten, um das notwendige Geld zusammenzubekommen. Dabei ahnt sie nicht, dass dies nur der erste Schritt ist. So hat Claudine Colbert (Isabelle Huppert), Direktorin des Modehauses, nur Verachtung für die einfache Putzfrau übrig und will sie gleich wieder fortschicken. Doch Mrs. Harris gibt nicht auf und findet im Marquis de Chassagne (Lambert Wilson), Model Natasha (Alba Baptista) und Buchhalter André Fauvel (Lucas Bravo) wertvolle Unterstützung …

Neufassung eines Klassikers

Mehrere Dutzend Romane hat Paul Gallico im Laufe seiner Karriere geschrieben. Doch am stärksten in Erinnerung geblieben sind wohl die Werke, die später verfilmt wurden. So ist Die Höllenfahrt der Poseidon (1972) ein absoluter Klassiker des Katastrophenfilms, der diverse Neuverfilmungen und eine Fortsetzung nach sich zog. Aber auch die Geschichten um die einfache Putzfrau Mrs. Harris, die um die Welt reist, fand viele Fans und wurde mehrfach adaptiert. Neben der deutschen Version Ein Kleid von Dior (1982) mit Inge Meysel in der Hauptrolle ist vor allem Das schönste Kleid der Welt (1992) erwähnenswert, schließlich spielten damals Angela Lansbury, Diana Rigg und Omar Sharif mit. Weitere 30 Jahre später kommt nun ein weiteres Werk, das sich den beliebten Roman zur Vorlage nimmt.

Viel getan hat sich seither nicht. Regisseur und Co-Autor Anthony Fabian verzichtet darauf, den Klassiker irgendwie modernisieren zu wollen. An der Geschichte hat sich nichts getan, ebenso wenig am Setting. Mrs. Harris und ein Kleid von Dior spielt noch immer in den späten 1950ern und tut so, als sei die Welt stehengeblieben. Wobei einiges natürlich zeitlos ist. Die Sehnsucht nach einem schöneren, vielleicht aufregenderen Leben ist eine, die bis heute zieht. Nicht ohne Grund versuchen so viele, als Influencer bzw. Influencerin diesen Glamour für sich zu gewinnen. Auch die Sache mit den Klassenunterschieden ist mehr als sechzig Jahre später unverändert aktuell, die gleichzeitige Ausnutzung und Verachtung für Leute aus unteren Schichten sowieso. Leute wie Harris sind notwendig, sollen aber keine eigenen Bedürfnisse haben.

Zuckerwatte-Kino mit hohem Wohlfühlfaktor

Doch trotz der klaren gesellschaftlichen Verweise, größere Erwartungen sollte man in der Hinsicht nicht haben. Gallico wollte mit seinen Geschichten unterhalten. Die Abenteuer von Mrs. Harris sind letztendlich Märchen, bei denen die Leser und Leserinnen daran glauben sollten, dass am Ende alles gut ausgehen kann und wird. Verhalte dich gut und anständig, dann wirst du dafür belohnt – so die Aussage von Mrs. Harris und ein Kleid von Dior. Dass dies nicht unbedingt die realistischste Weltsicht ist, dürfte den meisten klar sein. Überhaupt: Die Geschichte ist so weit entfernt von allem, dass das hier schon fast als Fantasy deklariert werden könnte. Ob nun die glücklichen Umstände in London oder die unwirklich hilfsbereiten Leute, welche die Protagonistin in Frankreich trifft: Das ist alles schon weit hergeholt. Der Zielgruppe ist das aber egal. Hier geht es nicht um Erkenntnisgewinn, sondern den Wohlfühlfaktor.

Diesen wird man dem Film dafür kaum absprechen wollen. Ebenso, dass Fabian ein tolles Ensemble um sich herum versammeln konnte. Ob nun Lesley Manville (Der seidene Faden) als einfache, aber hilfsbereite Putzfrau mit großem Herzen oder eine mal wieder lustvoll verbiestert auftretende Isabelle Huppert (Elle), das passt alles schon sehr gut. Schön ist zudem, dass das Ensemble in Frankreich tatsächlich auch überwiegend französisch besetzt wurde, was gelegentlich in der Originalfassung auch zu hören ist, wenn zwischen Englisch und Französisch gewechselt wird. Zusammen mit der hübschen Ausstattung kommt da bei Mrs. Harris und ein Kleid von Dior also schon einiges zusammen, wofür man einmal einen Blick riskieren kann. Aber es ist eben nicht mehr als oberflächliches, zum Teil kitschiges Zuckerwattekino.

Credits

OT: „Mrs. Harris Goes to Paris“
Land: UK, Frankreich, Ungarn
Jahr: 2022
Regie: Anthony Fabian
Drehbuch: Carroll Cartwright, Anthony Fabian, Keith Thompson, Olivia Hetreed
Vorlage: Paul Gallico
Musik: Rael Jones
Kamera: Felix Wiedemann
Besetzung: Lesley Manville, Isabelle Huppert, Lambert Wilson, Alba Baptista, Lucas Bravo, Ellen Thomas, Rose Williams, Jason Isaacs

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Mrs. Harris und ein Kleid von Dior
fazit
„Mrs. Harris und ein Kleid von Dior“ erzählt die Geschichte der beliebten Romanreihe neu, ohne etwas an dieser oder dem Setting zu ändern. Die Tragikomödie um eine englische Putzfrau, die nach Paris reist, um dort ein Dior-Kleid zu kaufen, ist hübsch anzusehendes und sehr gut besetztes Zuckerwatte-Kino mit wenig Inhalt oder Sinn für Realismus, dafür aber einem hohen Wohlfühlfaktor.
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