Das Netz Spiel am Abgrund TV Fernsehen ARD Das Erste Mediathek Fußball
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Das Netz – Spiel am Abgrund

Das Netz Spiel am Abgrund TV Fernsehen ARD Das Erste Mediathek Fußball
„Das Netz – Spiel am Abgrund“ // Deutschland-Start: 3. November 2022 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Der Schock ist groß bei Lea Brandstätter (Birgit Minichmayr), als das Auto ihres Freundes David Winter (Itay Tiran) nach einem Unfall Feuer fängt und er vor ihren Augen verbrennt. Oder war es kein Unfall? Die Anwältin hat Zweifel, vermutet vielmehr, dass es jemand auf den Scout für junge Fußballtalente abgesehen hatte. Schließlich verhielt der sich an dem Morgen schon so eigenartig. Als sie anfängt, der Sache nachzugehen, erkennt sie, dass die Geschichte irgendwie mit dem Journalisten Bosch zusammenhängen muss und bis zu Jean Leco (Raymond Thiry) führt, dem Präsidenten der World Football Association, der gerade für die Einführung einer World League kämpft. Dabei kreuzen sich ihre Wege mit dem des Hooligans Marcel (Max von der Groeben), dessen bester Freund gerade niedergestochen wurde …

Fußball, König der Korruption

Nur noch wenige Tage, dann beginnt die Fußballweltmeisterschaft 2022. Eigentlich ist das ein Großereignis, dem Millionen Menschen alle vier Jahre entgegenfiebern. So richtig will dieses Jahr aber keine Stimmung aufkommen. Das mag zum Teil an der allgemeinen Situation liegen: Nach Jahren der Krise und hohen Alltagsbelastungen sind bei vielen andere Themen einfach wichtiger. Vor allem aber die Begleitumstände der WM sind ein echter Stimmungskiller, von der Verlegung in den Winter bis zu den vielen Horrorgeschichten und Menschenrechtsverletzungen, die mit Katar zusammenhängen. Inzwischen können selbst die größten Fans nicht mehr ignorieren, welche Ausmaße die Korruption angenommen hat. Insofern ist es doch ganz passend, dass ausgerechnet jetzt die ARD-Serie Das Netz – Spiel am Abgrund ausgestrahlt wird, wo es maßgeblich um Korruption im Fußball geht.

Das ist schon ein wenig opportunistisch. Und wenig mutig: In aktuellen Zeiten über schmutzige Machenschaften im Profisport zu reden, ist in etwa so herausfordernd wie ein Elfmeter auf ein leeres Tor. Es ist nahezu unmöglich, da nicht Punkte zu sammeln. Zumal Das Netz – Spiel am Abgrund alles andere als subtil vorgeht. Gerade innerhalb der WFA wird nur mit den gröbsten Schablonen gearbeitet. Nuancen oder Brüche braucht man bei Leco nicht zu suchen, ebenso wenig an seinen „Kollegen“, die nur darauf warten, sich alle gegenseitig das Messer in den Rücken zu rammen. Beim Fußball geht es, im Gegensatz zum öffentlichen Image, nicht darum, die Menschen zusammenzubringen. Stattdessen kämpft da jeder gegen jeden. Wenn es überhaupt Kooperationen gibt, dann handelt es sich bestenfalls um temporäre Zweckgemeinschaften.

Unterhaltsam abgründig

Das macht dann nicht unbedingt Hoffnung auf Besserung, ist aber doch ganz unterhaltsam geworden. Drehbuchautor Bernd Lange nutzt den ungebrochenen Reiz von Verschwörungstheorien, wenn hinter den Kulissen mächtige Leute ihre Strippen ziehen und überall düstere Geheimnisse warten. Das Netz – Spiel am Abgrund profitiert an den Stellen auch vom Ensemble. Raymond Thiry als Oberbösewicht oder auch Marie-Lou Sellem, die seine nicht minder skrupellose Ehefrau spielt: Das macht schon Spaß, wie sie sich ganz der Widerwärtigkeit ihrer jeweiligen Figuren hergeben. Überhaupt, tatsächlich heldenhafte Figuren sind rar gesät. Interessant ist in der Hinsicht, wie der vorbestrafte und gewaltbereite Hooligan Marcel zu einem unfreiwilligen Kämpfer für das Gute wird. Max von der Groeben (Hinterland), der in den letzten Jahren eine Vorliebe für düstere Stoffe entwickelt hat, darf sich dabei von einer grobschlächtigen Seite zeigen.

Ob es die Serie, die zusammen mit Prometheus und anderen Schwesterserien als Gesamtwerk konzipiert wurde, unbedingt gebraucht hätte, darüber lässt sich streiten. Aber sie lässt sich gut und zügig anschauen. Das Tempo bleibt die acht etwa 45 Minuten langen Folgen über hoch, ständig passiert etwas. Manchmal würde man sich wünschen, dass dies stärker mit wirklichen Ergebnissen einhergeht, die Geschichte an sich kommt nicht immer voran. Dennoch, als kurzweilige Abendunterhaltung funktioniert Das Netz – Spiel am Abgrund, als Alternative zur WM sowieso. Wer dieses Jahr also seinen Boykott gegenüber dem professionalisierten Fußballmurks Ausdruck verleihen möchte, darf sich diese Hasserklärung gegenüber Korruption und Gier anschauen. Auch wenn man nicht viel Neues oder Originelles erfährt, diese Bestätigung lässt man sich gern gefallen.

Credits

OT: „Das Netz – Spiel am Abgrund“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Rick Ostermann
Drehbuch: Bernd Lange
Musik: Stefan Will, Robert Robster Henke
Kamera: Juan Sarmiento G.
Besetzung: Birgit Minichmayr, Raymond Thiry, Max von der Groeben, Tom Wlaschiha, Gaetano Bruno, Eva Mattes, Itay Tiran, Valery Tscheplanowa, Marie-Lou Sellem

Bilder

Interview

Wie war es für ihn, einen brutalen Hooligan zu spielen? Und kann es eine Welt ohne Korruption geben? Diese und weitere Fragen haben wir Hauptdarsteller Max von der Groeben in unserem Interview gestellt.

Max von der Groeben [Interview 2022]

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Das Netz – Spiel am Abgrund
fazit
„Das Netz – Spiel am Abgrund“ erzählt von groß angelegter Korruption im Weltfußball. Das ist weder subtil angelegt noch übermäßig originell. Aber es macht doch Spaß zuzusehen, wie eine Anwältin und ein Hooligan es mit dem übermächtigen organisierten Verbrechen aufnehmen.
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