Das Netz Prometheus TV Fernsehen ARD Das Erste Mediathek
© ARD Degeto/Servus TV/MR-Film/Das Netz GmbH/Matthias Pötsch/Repro/Fotos Petro Domenig

Das Netz – Prometheus

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„Das Netz – Prometheus“ // Deutschland-Start: 17. November 2022 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Einst spielte Georg Trotter (Tobias Moretti) selbst Fußball. Später wechselte er zur Medizin und behandelte die Spieler. Bekannt wurde er dabei aber vor allem durch seinen steten Kampf gegen Doping, seine Verbissenheit brachte ihm den Spitznamen „Bluthund“ ein. Nun steht eine neue Aufgabe an: Auf Vermittlung seines alten Freundes Andreas Müller (Benjamin Sadler) soll er die Leitung einer hochmodernen Klinik übernehmen, in der junge Sporttalente fit gemacht werden. Anfangs zögert Trotter noch, schließlich hat er keinerlei Erfahrung in dem Bereich. Später erklärt er sich aber doch dazu bereit, erhoffen er und seine Frau Diana (Angel Coulby) sich davon einen Neuanfang. Ihre Ehe steht schon lange auf der Kippe, nachdem ein Unfall alles veränderte. Der gemeinsame Sohn starb damals, Diana sitzt seither im Rollstuhl. Da taucht ein ehemaliger Teamkollege von Georg auf und behauptet, der Unfall damals sei keiner gewesen …

Der Abgrund des Fußballs

Eine Weltmeisterschaft wirft ihre Schatten voraus: Während man hierzulande noch darüber diskutiert, ob man sich das unter vielen fragwürdigen Vorzeichen veranstaltete Fußballevent anschauen darf und soll, bringen sich TV-Sender und Streaminganbieter schon einmal in Stellung. Disney+ veröffentlichte beispielsweise die Wohlfühl-Doku S.O.S. mit David Beckham, Netflix lockt hingegen mit den Enthüllungen von FIFA Uncovered. Richtig ambitioniert ist aber das Projekt mit dem Titel Das Netz. Dabei handelt es sich um ein Bündel von Thrillerserien, die parallel in mehreren Ländern gedreht wurden. Jede davon erzählt eine eigene Geschichte, die sich irgendwie mit den Schattenseiten des Profifußballs beschäftigt. Bei Spiel am Abgrund ging es um die Korruption während der Planungen um eine neue Meisterschaft, Power Play befasst sich mit der Wettmafia, Prometheus ist am Thema Doping dran.

Der Clou: Alle drei Serien funktionieren selbständig, bieten aber Anknüpfungspunkte für das Publikum, das sich mehrere dieser Produktionen anschaut. Beispielsweise tauchen sowohl in Spiel am Abgrund wie auch Prometheus der Fußballagent Richard Felgenbauer (Tom Wlaschiha) und Jean Leco (Raymond Thiry) auf, der Leiter der Weltfußballorganisation. Vergleichbar ein wenig zu den diversen Cinematic Universes, die derzeit in den Kinos zu sehen sind. Wobei es auch deutliche Unterschiede gibt bei den Serien. Ist das deutsche Spiel am Abgrund mit Themen und Entwicklungen beschäftigt, die einem tatsächlich aus der realen Welt bekannt vorkommen, da geht es bei der österreichischen Serie Prometheus deutlich mehr in Richtung Science-Fiction. Der Titel, der sich auf eine griechische Sagengestalt bezieht, kommt schließlich nicht von ungefähr – auch wenn die Verbindung ein bisschen konstruiert ist.

Nicht glaubwürdig, aber unterhaltsam

Glaubwürdigkeit sollte man aber ohnehin nicht erwarten. Vieles ist in Das Netz – Prometheus dann doch ziemlich überzogen. Das gilt einerseits für die Figuren, die gerade auf der Antagonistenseite ohne Nuancen bleiben – ähnlich zu Spiel am Abgrund. Da fehlt nicht mehr viel zur Parodie. Aber auch die Versuche, aus den Sportlern neue Supermenschen zu machen, kennt man eher aus B-Movies. Wer sich die Serie anschaut, um mehr über die Welt des Fußballs zu erfahren, ist deshalb hier an einer falschen Adresse. Tatsächlich spielt Fußball eine erstaunlich geringe Rolle. Dann und wann trifft man einen verletzten Fußballspieler, der kurze Zeit später aber schon wieder weg ist. Matches gibt es ohnehin nicht. Wer solche sehen will, muss wohl oder übel dann doch die Weltmeisterschaft anschalten.

Dennoch, einen Unterhaltungsfaktor kann man dem Film nicht abstreiten. Das Prinzip, dass die Hauptfigur immer tiefer in eine finstere Geschichte hineingezogen ist und unterwegs düstere Geheimnisse aufdeckt, ist schließlich nicht grundlos so beliebt. Der Hang zum Absurden führt zudem dazu, dass man hier nicht alles vorhersehen kann. Auch der Killer, der irgendwo sein Unwesen treibt, trägt zur Spannung dazu. In seinem Fall hält sich das mit dem Rätseln zwar in Grenzen, da wir ihn immer wieder bei der Arbeit sehen. Was es genau mit ihm auf sich hat, wird dennoch erst nach einer Weile klar. Da zudem das Ensemble gute Arbeit leistet – Tobias Moretti ist in der Hauptrolle verlässlich wie eh und je – kann man bei Das Netz – Prometheus durchaus einmal reinschauen und sich auf andere Gedanken bringen lassen.

Credits

OT: „Das Netz – Prometheus“
Land: Österreich
Jahr: 2022
Regie: Andreas Prochaska, Daniel Prochaska
Drehbuch: Martin Ambrosch
Musik: Matthias Weber
Kamera: Matthias Pötsch
Besetzung: Tobias Moretti, Angel Coulby, Benjamin Sadler, Amanda Abbington, Agata Buzek, Ina Weisse, Peter Lohmeyer

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Das Netz – Prometheus
fazit
„Das Netz – Prometheus“ ist eine grundsätzlich unterhaltsame Thrillerserie, die mit Doping im Profifußball beginnt und mit der Zeit zu etwas deutlich Größerem heranwächst. Realismus sollte man dabei nicht erwarten, Nuancen ebenso wenig. Die düsteren Geheimnisse, die nach und nach aufgedeckt werden, sorgen aber zumindest für Beschäftigung.
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