Tinker Tailor Soldier Spy Dame König As Spion
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Dame, König, As, Spion

„Dame, König, As, Spion“ // Deutschland-Start: 2. Februar 2012 (Kino) // 9. August 2012 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Eigentlich dachte George Smiley (Gary Oldman), dass seine große Zeit beim britischen Geheimdienst vorbei ist. Schließlich wurde er nach einem tödlichen Zwischenfall, der auch das Ende seines Chefs Control (John Hurt) besiegelte, entlassen. Seither hatte er mit all dem nichts mehr am Hut. Doch dann erhält er den Auftrag, selbst einen Blick auf den Geheimdienst zu werfen, in dessen Reihen ein sowjetischer Agent vermutet wird. Diesem Verdacht geht Smiley gemeinsam mit den jüngeren Kollegen Peter Guillam (Benedict Cumberbatch) und Ricki Tarr (Tom Hardy) nach. Doch die Geschichte bleibt brisant, könnte der Verräter doch in den obersten Kreisen des Geheimdienstes angesiedelt sein …

Meister der Spionagegeschichte

Kaum ein Name ist vergleichbar stark mit Spionagegeschichten verbunden wie der von John le Carré. Zahlreiche Romane hat der Brite, der anfangs selbst für den Geheimdienst arbeitete, im Laufe seiner langen Karriere geschrieben. Eine ganze Reihe davon wurden auch adaptiert, darunter etwa Verräter wie wir oder A Most Wanted Man. Besonders großer Beliebtheit erfreuten sich dabei seine Geschichten rund um den Agenten George Smiley, der in einer Reihe von Büchern auftauchte und während des Kalten Krieges zu einer Schlüsselfigur wurde. Insgesamt fünf Schauspieler verkörperten ihn in den diversen Adaptionen. Als Gary Oldman 2011 in Dame, König, As, Spion die Hauptrolle übernahm, trat er damit in große Fußstapfen. So war der gleichnamige Roman von 1974 bereits 1979 als TV-Serie umgesetzt worden, damals mit niemandem Geringerem als Alec Guinness in der Rolle des Smiley.

Man kann sich darüber streiten, ob das Serienformat für eine solche Geschichte nicht auch besser geeignet ist. John le Carré war schließlich ein Autor alter Schule. Das bedeutet, hier gibt es Verrat und Gegenverrat, alle haben sie irgendwelche Geheimnisse oder planen Intrigen, während gerade niemand hinschaut. Manchmal auch während jemand hinschaut. Zum Teil geht Dame, König, As, Spion dann auch als Whodunit durch, wenn das Publikum nach Herzenslust spekulieren kann, wer denn von den oberen Geheimdienstgrößen in Wirklichkeit der fiese Maulwurf ist. Während beim klassischen Krimi die Auflösung der Höhepunkt ist, ist hier mehr der Weg das Ziel. Denn noch bevor wir die finale Antwort erhalten, gibt es eine Reihe von Wendungen. Man wartet nur darauf, dass bereits die nächste Figur sich als jemand anderes entpuppt oder ein anderes Geheimnis ans Tageslicht kommt.

Keine Zeit für Action

Dabei sollte man nicht wendungsreich mit actionreich gleichsetzen. Smiley ist dann doch kein James Bond oder Ethan Hunt. Verfolgungsjagden? Nahkampf? Das sind Sachen, die man von dem Urgestein der britischen Spionageliteratur nicht erwarten sollte. In Dame, König, As, Spion wird vor allem geredet. Das könnte einem Publikum, das nur die moderne Interpretation des Agententhrillers kennt, zu langweilig sein. Der Film war schon 2011 recht altmodisch, mit einem Jahrzehnt Abstand mag man kaum glauben, dass der Film tatsächlich vergleichsweise neu ist. Aber altmodisch ist ja nicht verkehrt. Vielmehr pflegt der schwedische Regisseur Tomas Alfredson (Schneemann) bewährte Tugenden, wenn er das Publikum auf eine Reise in ein Labyrinth mitnimmt, in dem man schon ein bisschen besser aufpassen muss, um nicht verlorenzugehen.

Die Mühe lohnt sich aber. Die Geschichte mag für sich genommen nicht die originellste sein, sondern aus den üblichen Versatzstücken bestehen. Aber sie ist gut umgesetzt und gut besetzt. Gary Oldman, der momentan als heruntergekommener Agent Jackson Lamb in der Serie Slow Horses: Ein Fall für Jackson Lamb zu sehen ist, erhielt hierfür seine überfällige erste Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller. Aber auch sonst ist Dame, König, As, Spion beeindruckend besetzt, mit zahlreichen britischen bzw. irischen Schauspielgrößen. Sie alle tragen dazu bei, dass die Suche nach einem Verräter nach wie vor sehenswert ist. Wer die klassischen Spionagegeschichten mag, bei dem es in erster Linie darum geht, zahlreichen Verwicklungen nachzugehen, unter Einsatz von Grips und Bluffs, der ist hier an einer sehr guten Stelle. Die notwendige Zeit und Geduld vorausgesetzt, um sich an dem Rätselraten zu beteiligen, gibt es hier atmosphärische Genrekost, die nicht nur des 70er Jahre Settings wegen wie aus der Zeit gefallen wirkt.

Credits

OT: „Tinker Tailor Soldier Spy“
Land: UK, Frankreich, Deutschland
Jahr: 2011
Regie: Tomas Alfredson
Drehbuch: Bridget O’Connor, Peter Straughan
Vorlage: John le Carré
Musik: Alberto Iglesias
Kamera: Hoyte van Hoytema
Besetzung: Gary Oldman, Colin Firth, Tom Hardy, Benedict Cumberbatch, John Hurt, Toby Jones, Mark Strong, Ciarán Hinds

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2012 Bester Hauptdarsteller Gary Oldman Nominiert
Bestes adaptiertes Drehbuch Bridget O’Connor, Peter Straughan Nominiert
Beste Musik Alberto Iglesias Nominiert
BAFTA 2012 Bester Film Nominiert
Bester britischer Film Sieg
Beste Regie Tomas Alfredson Nominiert
Bester Hauptdarsteller Gary Oldman Nominiert
Bestes adaptiertes Drehbuch Bridget O’Connor, Peter Straughan Sieg
Beste Musik Alberto Iglesias Nominiert
Beste Kamera Hoyte van Hoytema Nominiert
Bester Schnitt Dino Jonsäter Nominiert
Bestes Szenenbild Maria Djurkovic, Tatiana Macdonald Nominiert
Beste Kostüme Jacqueline Durran Nominiert
Bester Ton John Casali, Howard Bargroff, Doug Cooper, Stephen Griffiths, Andy Shelley Nominiert
Europäischer Filmpreis 2012 Publikumspreis Nominiert
Bester Darsteller Gary Oldman Nominiert
Beste Musik Alberto Iglesias Sieg
Beste Kamera Hoyte van Hoytema Nominiert
Bestes Szenenbild Maria Djurkovic Sieg

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Dame, König, As, Spion
fazit
„Dame, König, As, Spion“ ist ein betont altmodischer Spionagethriller, bei dem es in erster Linie um zahlreiche Verwicklungen und Wendungen geht. Das ist spannend und zudem erstklassig besetzt. Action sollte man jedoch nicht erwarten, der Film ist deutlich ruhiger als das, was man heutzutage von diesem Genre kennt.
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