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Polizeiruf 110: Hexen brennen

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„Polizeiruf 110: Hexen brennen“ // Deutschland-Start: 30. Oktober 2022 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Als kurz nach dem Halloweenfest die verbrannte Leiche einer Frau gefunden wird, liegt der Verdacht nahe, dass dies Teil eines Rituals gewesen sein muss. Schließlich ist der Glaube an Hexen und das Übernatürlich in dem Dorf weit verbreitet. Aber wer könnte es auf sie abgesehen haben? Die Ermittlungen führen Hauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) zu den Angehörigen der Verstorbenen: Mutter Stefanie (Gabriela Maria Schmeide) und Bruder Reiko (Pit Bukowski). Aber auch ihr Ex Paul Kopp (Helgi Schmid), der einen kleinen Hexenladen führt, wird ausgiebig befragt. Oder hat der Mord damit zu tun, dass die Frauen in dem Dorf sich tatsächlich mit der Hexenkunst befassen und damit unter anderem den Arzt Hans Petersen (Michael Schweighöfer) tierisch auf die Nerven gehen?

Krimis zu Halloween

Krimi und Horror, das eine zwar seltene, aber durchaus reizvolle Kombination. Hellhole zeigte gerade, wie so etwas aussehen kann. Und auch beim Tatort versucht man hin und wieder mal kurz vor Halloween eine solche Genremischung, dieses Jahr etwa in Das Tor zur Hölle und Leben Tod Ekstase. Da ist es nur recht, wenn auch der Polizeiruf 110, die zweite große Langzeitkrimireihe der ARD, das einmal versuchen darf. Und so wird in Hexen brennen, dem 400. Teil des Dauerbrenners, ganz ausgiebig mit dem Motiv gespielt. Nicht nur dass die Folge im zeitlichen Umfeld von Halloween spielt, es ist auch praktisch die ganze Zeit von dem Thema der Hexerei die Rede, wobei manche in dem Film stärker daran glauben als andere. So etwa bei dem Laden von Paul, bei dem nicht klar ist, ob er von Einheimischen frequentiert wird oder doch eine reine Touri-Angelegenheit ist.

Ebenfalls unklar ist, ob der Hexenglauben Teil des Motivs ist oder ob das nur vorgeschoben wurde. Das entspricht dem Genrestandard. Selbst wenn das Setting in Krimis nicht so oft zur Anwendung kommt, so ist Polizeiruf 110: Hexen brennen letztendlich ein recht klassischer Whodunnit. Mehrere Leute hier könnten ein Interesse gehabt haben, die junge Frau zu töten, aus den unterschiedlichsten Gründen. Brasch muss während ihrer Befragungen und sonstigen Ermittlungen herausfinden, welche der diversen verdächtigen Figuren es getan hat. Einfach ist das nicht, denn es fehlen eindeutige Spuren. Und wo nichts ist, lässt sich nicht viel machen. Gehandelt wird entsprechend wenig, dafür umso mehr geredet, es handelt sich hier um einen der dialoglastigeren Krimis.

Der Schmerz des Verlustes

Das Ergebnis ist mal mehr, mal weniger überzeugend. Intensiv sind beispielsweise die Szenen, in denen es um die Familie der Verstorbenen geht und wie sie mit dem Verlust umgehen. Polizeiruf 110: Hexen brennen ist in diesen Momenten mehr Drama als Krimi. Andere Szenen sind dann doch eher Duelle zwischen der Kommissarin und den Verdächtigen. Kurios ist dabei vor allem die Figur des rückständigen Arztes, der bewusst mit der Unsicherheit spielt, ob er Frauen hasst oder nur so tut. Denn auch das gehört zu dem Film dazu: Er gibt sich wie diverse andere Krimis gesellschaftlich relevant, wenn der die Rolle von Frauen untersucht. Die Rückbesinnung auf alte Kulte ist in dem Dorf der Weg, um sich aus alten Rollenmustern zu befreien – was nicht einer gewissen Ironie entbehrt.

An manchen Stellen will der Film selbst wohl auch komisch sein, zumindest lassen die überzeichneten Figuren das vermuten. Richtig lachen ist dabei aber nicht angesagt. Gruseln auch nicht: Polizeiruf 110: Hexen brennen ist dann doch kein Horrorfilm, selbst wenn mit den Genremotiven gespielt wird. Leider ist der Film aber auch als Krimi nicht übermäßig spannend, die Auflösung ist schon ziemlich seltsam. Dafür passt es atmosphärisch, Regisseurin Ute Wieland (Eisland, Tigermilch) hat es geschafft, das seltsam entrückte Dorf gut in Szene zu setzen. Zusammen mit den schauspielerischen Leistungen wird auf diese Weise ein recht ordentlicher Teil daraus, mit dem man es sich auf dem Sofa gemütlich machen kann.

Credits

OT: „Polizeiruf 110: Hexen brennen“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Ute Wieland
Drehbuch: Wolfgang Stauch
Musik: Oli Biehler
Kamera: Eeva Fleig
Besetzung: Claudia Michelsen, Felix Vörtler, Pit Bukowski, Helgi Schmid, Birgit Berthold, Julia Schubert, Henning Peker, Gabriela Maria Schmeide, Hermann Beyer, Michael Schweighöfer

Bilder

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Polizeiruf 110: Hexen brennen
fazit
„Polizeiruf 110: Hexen brennen“ spielt mit Horroranleihen, wenn in einem Dorf Hexenrituale lebendig gehalten werden und eine Frau verbrannt wird. Letzten Endes ist das hier dann aber doch „nur“ ein Krimi, der sich an einem gesellschaftlichen Thema versucht. Aufgrund der Besetzung und der dichten Atmosphäre ist das solide, selbst wenn der Inhalt von schwankender Qualität ist.
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von 10