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© NDR/Gordon Timpen/Sandra Hoever

Eisland

„Eisland“ // Deutschland-Start: 16. Februar 2022 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

30 Jahre ist Marko Wendrich (Axel Prahl) durch die Gegend gefahren und hat Tiefkühlkost zu seinen Kunden und Kundinnen gebracht. Doch damit ist es nun vorbei, sein Körper macht die Arbeit nicht mehr mit. Doch was nun? Mit Mitte fünfzig kann er es vergessen, noch einmal woanders neu anzufangen. Dafür ist er zu alt. Einfach aufhören geht aber nicht, das Geld war auch so schon immer sehr knapp. Nur mit Mühe und Not kann er sich und seinen Sohn Steffen (Merlin Rose) versorgen, der noch mitten im Studium steckt. Als seine Kundin Ingeborg Meuer (Inge Maux) eines Tages plötzlich stirbt, fasst er einen Beschluss: Er wird deren Tod verheimlichen und von der Pension leben, die sie von ihrem Mann geerbt hat. Da sie keine Verwandten oder engere Freunde hat, wird das schon niemandem auffallen, so seine Überlegung. Wäre da nur nicht ihr neugieriger und selbstgerechter Nachbar Rudolf Staar (Jan Henrik Stahlberg) …

Zum Totlachen

Eigentlich ist der Tod ja eine sehr traurige Angelegenheit. Das bedeutet aber nicht, dass man damit nicht auch seinen Spaß haben könnte. Zumindest im Filmbereich lernen wir immer mal wieder Situationen kennen, in denen wir angesichts des Todes lachen können oder gar sollen. Ein beliebtes Motiv hierbei ist, dass jemand gestorben ist, alle anderen davon aber nichts mitbekommen sollen. Alfred Hitchcock ist auf diese Weise mit Immer Ärger mit Harry ein Klassiker geglückt. Auch das offensichtlich davon inspirierte Immer Ärger mit Bernie war für eine Reihe von Lacher gut, sofern man keine besonders hohen Ansprüche pflegte. Nun steht mit Eisland eine deutsche Variante des Themas an. Dieses Mal betrifft es die Leiche einer älteren Witwe.

Die Witze solcher Filme schreiben sich praktisch immer von selbst. Natürlich gibt es wieder Situationen, in denen es ganz brenzlig wird und Markos Aktionen aufzufliegen drohen. Da können Leute plötzlich auftauchen, die da eigentlich nichts zu suchen haben. Vor allem aber der Nachbar ist eine konstante Bedrohung, da er sich zwar als einer dieser „Jedem das seine“-Menschen vorstellt. Das bedeutet aber nicht, dass er nicht doch immer mal wieder seine Nase in Dinge reinsteckt, die ihn nichts angehen. Seine Figur trägt in Eisland dann auch maßgeblich zum Humor bei, in seiner Funktion als nerviger Gegenspieler. Neben ihm gibt es noch ein paar Nebenfiguren, die für die Geschichte um die tote Witwe nicht so wirklich relevant sind. Offenbar war Drehbuchautor Maximilian Kaufmann das Prinzip der Todverschleierung aber nicht genug für einen ganzen Film.

Leise Komödie mit ernsten Themen

Tatsächlich hat Regisseurin Ute Wieland (Tigermilch) einen Film gedreht, der bei aller Komik auch immer wieder ernste Themen angeht. Ein wichtiges ist natürlich das der Altersarmut. In einer Zeit, in der mal wieder über das Anheben des Rentenalters geredet wird, ist Marko ein Beispiel dafür, dass Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen können. So beklagt er sich an einer Stelle, dass er dreißig Jahre gearbeitet hat und es sich trotzdem nicht leisten kann, seine Wohnung zu heizen. Auch ein demütigender Einkauf führt die Problematik vor Augen, wenn das Geld nicht einmal für den Alltag reicht. Was ebenfalls durchschimmert, ist das Thema der Vereinsamung im Alter. Marko war nicht nur Lieferant, sondern auch Bezugsperson für die älteren Damen, die in ihrem Leben sonst niemanden mehr wirklich haben. Einige der rührendsten Szenen zeigen ihn und die Kundinnen, wie sie ein Stück Alltag miteinander teilen.

Dennoch sollte man nicht zu viel von der ARD-Produktion erwarten. Am Ende ist das hier dann doch auf gefällige Abendunterhaltung ausgerichtet, ein tiefgründiges Sozialdrama ist da nicht sonderlich realistisch. Dafür macht die Komödie, die auf dem Filmfest München 2021 Premiere feierte, Spaß. Sie ist auch ganz angenehm, da weder die komischen noch die ernsten Momente so dick aufgetragen sind, wie man das von hiesigen TV-Filmen oft kennt. Eisland ist ein insgesamt eher leiser Film mit skurrilen Anflügen und einem sympathisch auftretenden Axel Prahl (Kafkas Der Bau), der hier einen warmherzigen Verlierer mit Kühltruhe spielt. Ein bisschen darf man dabei neugierig sein, wie sich die Figur weiterentwickelt, ob sie beispielsweise irgendwann völlig die Hemmungen verliert. Sogar ein Ausflug in den Genrefilm sind dann möglich. Ganz so weit wollte man dann aber doch nicht gehen. Das kann man dann mutlos finden. Dennoch gehört das hier zu den besseren Filmen, welche das deutsche Fernsehen in der letzten Zeit hervorgebracht hat.

Credits

OT: „Eisland“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Ute Wieland
Drehbuch: Maximilian Kaufmann
Musik: Oliver Biehler
Kamera: Eeva Fleig
Besetzung: Axel Prahl, Merlin Rose, Inge Maux, Christine Schorn, Jan Henrik Stahlberg, Narges Rashidi, Pheline Roggan

Bilder

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Eisland
Fazit
Ein Tiefkühlkost-Lieferant hat plötzlich eine Leiche an der Backe, will deren Tod aber verheimlichen, um an die Pension zu kommen. Das hätte eine schwarze Komödie werden können. Stattdessen handelt es sich bei „Eisland“ um einen angenehm leisen Film, der auch ernstere Themen anschneidet.
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