Black Adam
© Warner Bros.

Black Adam

„Black Adam“ // Deutschland-Start: 30. Oktober 2022 (Kino) // 19. Januar 2023 (DVD/Blu-ray=

Inhalt / Kritik

Eigentlich wollte Adrianna Tomaz (Sarah Shahi) zusammen mit ihrem Bruder Karim (Mohammed Amer) und Ishmael Gregor (Marwan Kenzari) nach einer antiken Krone suchen, welche sie in einer Ruine vermuten. Schließlich soll diese große Macht verleihen. Und Macht könnten sie gut gebrauchen, wird ihre Stadt Kahndaq doch schon seit einiger Zeit von der Verbrecherorganisation Intergang unterdrückt. Dummerweise taucht diese auch gerade in dem Moment auf, in dem endlich die Krone zum Greifen nah ist. In ihrer Verzweiflung beschwört Adrianna daraufhin den legendären Helden Teth-Adam (Dwayne Johnson) herauf, der sämtliche Angreifer tötet und den Ort in Schutt und Asche legt. Während Adriannas Sohn Amon (Bodhi Sabongui) als großer Fan von Superhelden hin und weg ist, dass Kahndaq nun einen eigenen Helden hat, ist die Justice Society of America alles andere als begeistert darüber, dass ein Wesen mit einer derartigen zerstörerischen Kraft auf der Erde sein soll. Und so machen sich Hawkman (Aldis Hodge), Atom Smasher (Noah Centineo), Cyclone (Quintessa Swindell) und Doctor Fate (Pierce Brosnan) auf den Weg, das gottgleiche Wesen wegzusperren, bevor es noch größeres Unheil anrichten kann …

Ein Antiheld mit Anlaufschwierigkeiten

Zwischenzeitlich durfte man die Hoffnung ja fast schon aufgeben. Eigentlich wurde schon Anfang der 2000er Jahre darüber nachgedacht, einen Film über die DC Comics Figur Shazam zu drehen, bei der Black Adam als Gegenspieler auftreten sollte. Das Projekt wurde unzählige Male verschoben und am Ende in zwei Filme aufgeteilt. Während Shazam! (2019) die Geschichte des Helden erzählt, sollte Black Adam seinen eigenen Film erhalten. Daran dürfte Dwayne Johnson nicht ganz unschuldig gewesen sein. Einen Film zu drehen, in dem er nicht die Hauptrolle hat und zudem noch der Böse ist? Das passte wohl weder zu seinem Image noch seinem Ego. Dann lieber ein separates Werk erstellen, bei dem er das alleinige Zugpferd sein darf und zudem nicht wirklich böse. Vielmehr stellt er hier eine Art Antihelden dar, der schon auch für die gute Sache kämpft, dies aber weniger aus guten Absichten heraus verfolgt.

Wenn er als Antagonist wegfällt, braucht es natürlich einen neuen. Wer dieser ist, das ist nicht wirklich ein Geheimnis: Von Anfang an ist mehr oder weniger klar, auf wen es da hinausläuft. Ebenso klar ist, dass das Team der „richtigen“ Helden von der Justice Society irgendwann gemeinsame Sache mit dem Zerstörer-Quasi-Gott machen wird, um den wahren Feind besiegen zu können. Black Adam versucht noch nicht einmal, ein überraschendes Element einzubauen oder das Publikum irgendwie zu fordern. An und für sich interessante Punkte wie die Frage, was eigentlich einen Helden ausmacht, Legitimität von Gewalt, das Motiv des Sklavenaufstands oder den Fluch, die Zukunft sehen zu können, werden gleich wieder unter Schutt begraben. Der Film will nicht nachdenken, sondern in erster Linie ein Actionspektakel sein.

Ich bin cool, schaut mich an!

Das ist grundsätzlich erst einmal nicht verwerflich. Hinzu kommt, dass der letzte DC Comics Superheldenfilm The Batman über weite Strecken dann doch mehr ein überlanges Neo-Noir-Krimidrama war. Da darf im Anschluss durchaus ein inhaltlich schlichtes Haudrauf-Inferno gezeigt werden, als Gegenprogramm. Nur sollte ein solches dann auch tatsächlich Spaß machen. Bei Black Adam ist das nur hin und wieder der Fall. Ein großes Problem dabei ist, dass die Titelfigur völlig uninteressant ist. Comic-Wesen, die praktisch gottgleich sind und denen niemand etwas anhaben kann, sind nicht unbedingt dafür geeignet, Spannung zu erzeugen. Adam ist aber auch als Figur selbst langweilig und definiert sich darüber, dass Dwayne Johnson die meiste Zeit betont grimmig auf cool macht. Dann und wann versucht er sich zwar an Sarkasmus, was dann aber auch gleich wieder verbal als Sarkasmus markiert werden muss und damit den Witz von vornherein kaputt macht.

Aber dafür sind dann ja die anderen Figuren da. Vor allem der bislang überwiegend durch Teeniekomödien wie To All the Boys I’ve Loved Before bekannt gewordene Noah Centineo ist als eindeutiges Comic Relief konzipiert. Sein Atom Slasher darf zwar auf Wolkenkratzer-Größe anschwellen, entsprechende Körperkraft inklusive. Seine Figur ist aber völlig nutzlos, fällt in erster Linie durch gesteigerten Appetit und konstante Überforderung auf. Cyclone ergeht es nicht besser. Die hat nicht einmal ein Persönlichkeitsgimmick, darf dafür aber besonders bunt durch die Gegend wirbeln – was zugegeben ein schicker Anblick ist, gerade auch im Kontrast zur trüben Stadt. Nützlich ist sie auch nicht. Hawkman hat Flügel und ein großes Selbstbewusstsein, weswegen er sich dauernd in Kämpfe stürzt, die er gar nicht gewinnen kann. Und dann wäre da noch Doctor Fate, der ein paar mehr Tricks auf Lager hat, aber trotz Starbesetzung mit Pierce Brosnan nie zu wichtig werden darf. Deswegen werden seine Fähigkeiten kaum konsequent eingesetzt. Er ist, wie praktisch alle Figure und das interessante Setting, völlig verschwendet.

Hauptsache Krach

Dennoch, am ehesten funktioniert der Film noch an den Stellen, wenn alle Superkräfte gleichzeitig auf die Leinwand geworfen werden. Regisseur Jaume Collet-Serra (Jungle Cruise, 96 Hours) zeigt sich zwar nicht sonderlich einfallsreich, wenn es um die Inszenierung derselben geht. Black Adam ist auch in der Hinsicht ein völlig ausdrucksloses Werk. Wenigstens kracht es an den Stellen aber so gewaltig, wenn immer mehr Schauplätze zerstört werden, dass man den Kopf ganz auf Durchzug stellen kann. Das ist bei den Szenen, an denen der Film dramatisch werden möchte, schon schwieriger. Wenn es zum Schluss dann auch noch völlig willkürlich wird, wie sich Figuren verhalten und was sie können, wird einem wenigstens bewusst, dass es ein absolutes Geschenk war, diesen Film hier von Shazam! zu trennen. Dadurch gab es wenigstens einen guten Film, während das hier nur mit viel Wohlwollen überhaupt Durchschnitt ist.

Credits

OT: „Black Adam“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Jaume Collet-Serra
Drehbuch: Adam Sztykiel, Rory Haines, Sohrab Noshirvani
Musik: Lorne Balfe
Kamera: Lawrence Sher
Besetzung: Dwayne Johnson, Aldis Hodge, Noah Centineo, Sarah Shahi, Marwan Kenzari, Quintessa Swindell, Bodhi Sabongui, Pierce Brosnan, Mohammed Amer

Bilder

Trailer

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Black Adam
fazit
Was lange währt, wird endlich gut? Nicht wirklich. Das Setting eines nordafrikanischen Settings ist mal etwas Anderes. Außerdem wurde nicht an Spezialeffekten gespart, wenn von Anfang an Blitze, Stürme und sonstige Superkräfte durch die Gegend wirbeln. Und doch ist der Film eher langweilig. So wird hier verpasst, die einzelnen Figuren und das Setting wirklich auszunutzen, da das hier doch in erster Linie eine One-Man-Show mit Dwayne Johnson sein soll. Wer gern sieht, wie dieser zwei Stunden lang verkniffen auf cool macht, bekommt eine Menge zu sehen. Der Rest zuckt angesichts des verschenkten Potenzials mit den Schultern.
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von 10