(„Taken“ directed by Pierre Morel, 2008)

96 HoursWar ich neulich von Pierre Morel’s From Paris With Love nicht unbedingt begeistert so kann man 96 Hours – so der völlig unnötig umgewandelte deutsche (!) Titel des Films – als passablen und kurzweiligen Actioner gerade noch durchgehen lassen. Auch hier überlässt der Franzose seinem Landsmann Luc Besson das Schreiben, dessen Charaktere scheinen aber nicht gerade die einfallsreichsten zu sein. Auch bei Taken ist seine Hauptfigur ein knallharter Amerikaner mit Geheimdienst-Background.

Während John Travolta im zuvor genannten From Paris With Love noch voll im Saft halb Paris zerlegt, befindet sich hier Liam Neeson bereits im Ruhestand. Neeson spielt Bryan Mills dessen minderjährige Tochter Kim (Maggie Grace) von Unbekannten bei ihrem Aufenthalt – oh welch Überraschung – in der französischen Hauptstadt entführt wird. Was für ein Glück dass zum Zeitpunkt der Tat der geschiedene Vater gerade mit seiner Kleinen telefonierte und somit einige Wortfetzen hören konnte.

Dem ehemaligen Superagenten gelingt es deshalb auch recht schnell auf die albanische Nationalität der Kidnapper zu schließen, seine über die Jahre stets gepflegten Kontakte in der Spionagebranche enthüllen die restlichen Unbekannten des Mysteriums. Seine Kumpels offenbaren ihm und seiner Ex-Frau Lenore (Famke Janssen), dass die Entführer einem professionell agierenden Prostitutionsring angehören. Junge Mädchen, meist Touristinnen, werden verschleppt, drogensüchtig und somit gefügig bzw. finanziell abhängig gemacht und schlussendlich auf dem Strich wie Ware verkauft. Bryan Mills wird dadurch allerdings nur noch mehr in seiner Absicht bestärkt nach Europa zu fliegen um der Albaner-Gang ordentlich in den Allerwertesten zu treten und seine geliebte Tochter zurück in die sicheren USA zu holen, God bless America.

Wie schon bei der Besprechung von From Paris With Love angeprangert, stört am allermeisten die ständige Schwarz-Weiß-Malerei was mit einem latenten Rassismus einhergeht. Albaner sind gemeingefährliche Kriminelle, Franzosen Baguette-fressende Wendehälse, Araber ziehen es hingegen vor auf dem Schwarzmarkt Jungfrauen für ihren Scheich zu kaufen. Was nun womöglich überzogen klingt ist im Endprodukt aber tatsächlich so vertreten, was unweigerlich zur Folge hat, dass der Hauptdarsteller und Sunnyboy natürlich den Abschaum zur Strecke bringen muss, egal mit welchen Mitteln. Die Actionszenen sind dabei eigentlich sehr ansehnlich gestaltet und die Hetzjagd wurde durchaus spannend inszeniert, die große Stärke von 96 Hours ist aber eindeutig das Schauspiel von Neeson.

Unter seiner kompromisslosen Maske erkennt man stets den besorgten Vater, die angewandte Brutalität wirkt nie überzogen sondern effizient und eben tatsächlich Mittel zum Zweck. Er ist kurz gesagt der einzige Charakter mit dem sich das Publikum wirklich identifizieren kann. Der Rest des Casts ist entweder Kanonenfutter für Mills oder muss banalerweise einfach nur gut aussehen, Stichwort Maggie Grace. Famke Janssen spielt hingegen die Rolle in der ich sie am meisten mag, nämlich als listiges Miststück (siehe dazu ihre Performance in der TV-Serie Nip/Tuck). Letztendlich bekommt sie in Taken aber ebenfalls nur eine Nebenrolle die nicht weiter erwähnenswert ist.

Abgesehen von den fragwürdigen Inhalten bietet die rasante Action aber meist gute Popcorn-Unterhaltung die mit ihren etwa 90 Minuten auch nicht unnötig in die Länge gezogen wurde. Was ich übrigens von der Nachricht halten soll, dass ein Sequel in Planung ist (Luc Besson hat bereits das Drehbuch fertig) weiß ich nicht, schließlich scheint die Paarung Morel-Besson weder für Innovation noch für Abwechslung zu stehen.

96 Hours
5 (100%) 2 Artikel bewerten

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Rasante Action mit einem tollen Liam Neeson können leider nicht die Innovationslosigkeit der Autoren kaschieren
6von 10

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